Beratung

Schulden, die vielen über den Kopf wachsen

Das Portemonnaie ist leer – oftmals haben Betroffene nicht einmal mehr Geld für Essen oder ein Busticket.

Foto: BGZ / Kim Nadine Meyer

Das Portemonnaie ist leer – oftmals haben Betroffene nicht einmal mehr Geld für Essen oder ein Busticket.

Lauenburg. Immer mehr Menschen haben Schulden, auch im Kreis steigen die Zahlen. Die Beratung des Diakonischen Werkes zeigen Wege aus der Krise.

Lauenburg.  Seit zehn Jahren ist die Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes mit ihrer Sprechstunde in Lauenburg vertreten. Die Zahlen sprechen für sich: 2007 wurden 119 Ratsuchende betreut, 2016 waren es bereits 159. Auch im gesamten Kreis ist die Zahl der Fälle gestiegen – von 664 auf 1067. „Aufgrund der großen Nachfrage sind wir froh, dass wir unser Angebot in Lauenburg verbessern konnten“, sagt Moiken Riel. Seit 2012 arbeitet auch Christine Tiedemann in der Beratungsstelle am Hohlen Weg. „Dadurch können wir kontinuierlich Verfügbarkeit gewährleisten“, sagt Riel.

Die Not verschuldeter Menschen ist groß. Manche warten viel zu lang, haben Briefe von Gläubigern nicht mehr geöffnet, Miete, Strom und Versicherungsbeiträge nicht mehr bezahlt. Irgendwann reicht das Geld nicht einmal mehr, um Lebensmittel zu kaufen. Oder eine Busfahrt zur Schuldnerberatungsstelle in Geesthacht zu bezahlen.

Zu den Schulden kommen noch andere Probleme

„Für Ratsuchende in Lauenburg ist es wichtig, diesen Weg nicht auf sich nehmen zu müssen“, sagt die Beraterin. Auch deswegen, weil zu den Schulden oft andere Probleme hinzukommen, vielleicht sogar deren Auslöser sind. Krankheit oder Sucht können dazu führen, dass der Job verloren geht, Alltagsgeschäfte nicht mehr wahrgenommen werden.

Immer wieder erleben Christine Tiedemann und Moiken Riel, dass Menschen bei ihnen sitzen, die Anspruch auf soziale Leistungen haben, diese aber nicht beantragen. Aus Scham oder weil schon der Gang zum Amt und das Ausfüllen eines Antrags sie überfordern. „Alleinstehende sind deutlich gefährdeter“, weiß Riel. Oft komme Kummer über Einsamkeit hinzu.

Alleinerziehende haben ein hohes Schuldenrisiko

In Familien motivierten sich Partner oft gegenseitig durchzuhalten. Und über die Kinder sei man meist besser vernetzt. Anders Alleinerziehende. „Sie haben eine hohes Schuldenrisiko, wenn Unterhaltszahlungen ausbleiben oder Beruf und Kinderbetreuung schwer zu vereinbaren sind“. Auch die demografische Entwicklung zeigt sich in der Schuldnerberatung: Immer öfter geht es um alte Menschen, die manchmal unbemerkt von ihren Angehörigen in finanzielle Schwierigkeiten geraten. „Es ist schon vorgekommen, dass wir einen Hinweis von Nachbarn bekamen und dann per Brief ganz freundlich unsere Hilfe angeboten haben“, sagt Moiken Riel.

Bei verschuldeten Menschen der Generation 55+ achten die Schuldnerberaterinnen sehr genau darauf, ob die Wohnkosten weiter finanzierbar sind. Wohnt der Ratsuchende in einem Haus, das noch nicht abbezahlt ist, oder in einer zu großen Wohnung, aus der die Kinder längst auszogen, raten sie zur Anpassung. „Auch weil in diesem Alter das Risiko von Erkrankungen steigt“, sagt Moiken Riel.

Beraterinnen können Druck nehmen

Etwa vier bis fünf Gespräche sind in jedem einzelnen Fall notwendig. Die Beraterinnen helfen bei der Schuldenregulierung mit den Gläubigern oder bei einer Privatinsolvenz.

Wer sich beraten lassen möchte, kann unter der Nummer (0 41 53) 5 98 28 35 einen Termin vereinbaren. Das Telefon im Lauenburger Büro (Hohler Weg 2) ist dienstags bis donnerstags von 9 bis 11 Uhr besetzt. Außerdem gibt es jeden Montag von 9 bis 12 Uhr eine offene Sprechstunde, in der jeder erst einmal seine Sorgen loswerden kann – ohne vorherige Terminabsprache.

Das nimmt den Druck, wenn ein Angst machender Brief eingetroffen ist. Und Kranke oder Menschen mit wenig Zeit können dann kommen, wenn es ihnen möglich ist. Weitere Informationen und Anmeldeunterlagen gibt es unter www.diakonie-rz.de.