Mätresse

Des Herzogs mühsamer Weg zur heimlichen Geliebten

Das ehemalige Kalandhaus  (Elbstraße 85) birgt viele Geheimnisse. Hier hat die Geliebte des Herzogs Franz II. bis zu ihrem Tode gelebt.

Foto: Elke Richel / BGZ

Das ehemalige Kalandhaus (Elbstraße 85) birgt viele Geheimnisse. Hier hat die Geliebte des Herzogs Franz II. bis zu ihrem Tode gelebt.

Lauenburg. Um die Beziehung von Herzog Franz II. (1547-1619) zu seiner Geliebten Margarete Stempel aus Lauenburg ranken sich viele Mythen.

Eine pikante Geschichte: Herzog Franz II. hatte eine heimliche Geliebte und sein Vater, Franz I., förderte das Techtelmechtel noch? So muss es gewesen sein, hatte dieser doch seinem Sprössling im Jahre 1574 eben jenes Haus in der Unterstadt geschenkt, das heute als das älteste Lauenburger Wohnhaus gilt (Elbstraße 85).

Gab es einen Geheimgang vom Schloss in die Unterstadt?

Margarete Stempel hieß die Hofdame, die sich die Gunst von Franz II. erworben hatte. War sie von so übermäßiger Schönheit oder waren es andere Gründe, weshalb sie der junge Herzog zu seiner Mätresse machte? Stellen wir uns vor, ihre Anmut und ihr Liebreiz hätten Franz den Kopf verdreht. Sein Vater persönlich ließ das ehemalige Kalandhaus umbauen: Im größten Raum, dem Versammlungsraum der mittelalterlichen Bruderschaft, wurde ein Schlafzimmer eingerichtet. Doch wie konnte Franz aus seinen Gemächern im Schloss ungesehen zu seiner angebeteten Margarete gelangen? Schließlich sollten die Lauenburger Untertanen sich nicht das Maul über seine Liebschaft zerreißen. Lange munkelte man, es hätte damals ein unterirdischer Gang vom Schloss zum herzoglichen Liebesnest geführt. Der Lauenburger Historiker Wichmann von Meding, der heute das Haus bewohnt, vermutete nach seinem Einzug im Jahre 1994 zunächst einen zugemauerten Geheimgang – bestätigt hatte sich das aber nicht.

Durch Brombeerhecken ungesehen zum Schäferstündchen

Viel wahrscheinlicher ist, dass sich Franz über einen Gang, der vom Schloss bis zur Elbe führte, auf dem Weg zu Margarete machte. Horst Eggert vom Heimatbund und Geschichtsverein hat sich da so seine Gedanken gemacht und zeigt eine handgezeichnete Karte aus dem Jahre 1694. „Es gab zu jener Zeit einen Palisadengang, von Brombeerhecken überwuchert. Der führte am Kalandhaus vorbei, sodass der Herzog unerkannt zu seinem Liebchen gelangen konnte“, vermutet der Heimatforscher. Und tatsächlich: Zwar war Margarete schon fast 70 Jahre tot, als der Zeichner die Karte fertigte, aber es scheint vorstellbar, dass Franz über diesem Weg zu seiner Geliebten gelangte. Stellen wir uns also vor: Margarete, die tagsüber im Schloss ihre Dienste verrichtete, stellte ihrem Geliebten zur Orientierung eine Kerze ins Fenster ihres Schlafgemaches. Nach dem Schäferstündchen nahm Franz den mühsamen Weg nach oben zum Schloss – von Brombeerhecken vor neugierigen Blicken geschützt. Angst, im Traum den Namen der Geliebten zu rufen, musste er übrigens nicht haben. Zu jener Zeit war er standesgemäß mit einer Margarete verheiratet, Tochter des Herzogs Philipp I. von Pommern. Nach ihrem Tod heiratete er ein zweites Mal. Aus beiden Ehen gingen 11 Söhne und 8 Töchter hervor.

Fürstliches Begräbnis für Mätresse des Herzogs

Es ist übrigens sehr wahrscheinlich, dass die beiden Gattinnen von der Liebschaft wussten. Schließlich ging seine Margarete als Hofdame im Schloss aus und ein. Bis zu ihrem Tode durfte sie übrigens im Kalandhaus wohnen bleiben. Mätressen genossen nicht selten hohes Ansehen und zeigten sich oft mit Herzoginnen bei offiziellen Anlässen. Ob das im Lauenburger Herrscherhaus auch so war, ist nicht überliefert. Doch in alten Dokumenten ist zu lesen: Als „Jungfer“ Margarete Stempel im Jahre 1625 starb, wurde sie mit fürstlichen Ehren begraben.