Lauenburg

Auf Funkfrequenzen in der ganzen Welt unterwegs

Hobbyfunker löten selbst – „Internet kann jeder“

Lauenburg.  DL1CMM und DL5HU – das klingt wie von einem anderen Stern. Doch hinter diesen Bezeichnungen verbergen sich keine Aliens, sondern Hobbyfunker. Andreas Puppe und Uwe Voss sitzen nur zu gern an den Geräten und halten Kontakt mit Gleichgesinnten in aller Welt. Funk in Zeiten des World Wide Web? „Internet kann jeder“, sagt Voss, „aber fürs Funken muss man viel wissen und die Technik beherrschen.“

Rund 8000 Euro hat Voss in seine Ausrüstung gesteckt. Puppe investierte etwa 3000 Euro, „plus die Antennenanlage“. Die steht weit sichtbar in seinem Garten am Büchener Weg. Zehn Meter misst der höchste Sendemast, Leitungen führen ins Haus. „Ich würde gern einen höheren Mast aufstellen, dafür brauche ich aber extra eine Genehmigung“, sagt der 41-Jährige, der wie Uwe Voss beim Zoll angestellt ist.

Zu seiner Ausrüstung, die fast ein kleines Zimmer füllt, gehört auch die 50 Kilo schwere selbst gebaute „Endstufe“. „Das ist ein Verstärker, der natürlich auch einen Ventilator braucht“, so Puppe. Das Löten und Stecken gehört für ihn einfach dazu. Puppe ist in einem Dorf mit 800 Einwohnern aufgewachsen, in dem es drei Funker gab. Schon als Junge war er fasziniert von der Technik – und von den Kontakten, die sie ermöglichte.

Besonders interessant findet Andreas Puppe Zahlensendungen, mit denen Geheimdienste ihre Agenten instruieren. „Dann stelle ich mir immer vor, wie sie in einem Kämmerchen sitzen und alles entschlüsseln“, erzählt er. Aber auch Piratensender und Radiosender aus fernen Ländern hört er gern.

Ziel der Hobbyfunker ist es, mit kleiner Sendeleistung möglichst große Entfernungen zu überbrücken. „Es gibt 300 verschiedene Länderkenn-
ungen und jeder möchte irgendwann mal zu jedem dieser Länder Kontakt gehabt haben“, erklärt Voss. Jedes Gespräch wird ins Logbuch eingetragen, für eine bestimmte Anzahl gibt’s Auszeichnungen. So vergibt der amerikanische Funkerverband das Diplom DXCC für 100 bestätigte Länder.

Ob Australien, Neuseeland, Hawaii, Südamerika – im Prinzip ist die ganze Welt über Funk erreichbar. „Nur Nordkorea ist abgeschottet“, sagt Voss, der selbst schon 180 Länderkennzeichen gesammelt hat. Der Ehrgeiz der weltweiten Hobbyfunker-Gemeinde geht sogar so weit, dass eigens Schiffe zu unbewohnten Inseln fahren. Während dieser „Expedition“ versuchen dann unzählige Funker, Kontakt zum Schiff zu bekommen. So ist K5 die begehrte Kennzahl für das Palmyra-Atoll mitten im Pazifik, und T8 steht für die einsame Insel Palau im nördlichen Indonesien. „Da steht man dann Schlange und freut sich, wenn es endlich klappt“, erzählt Andreas Puppe. Dann werden kurz alle Daten ausgetauscht – und das war’s.

Ausführliche Gespräche mit Funker-Kollegen gibt es heute ohnehin nicht mehr. „Manchmal redet man übers Wetter, Politik ist eh tabu. Für Persönliches nutzen auch wir das Telefon, schließlich kann über Funk jeder mithören“, sagt Voss. Puppe pflegt den Kontakt zu einigen Bekannten in Russland, denn von dort stammt seine Frau. Für die setzt er immer den Kopfhörer auf, wenn er auf den Frequenzen surft: „Das piept, knistert und rauscht schon sehr.“

Andreas Puppe und Uwe Voss sind beide im Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC), Ortsverband Büchen, aktiv. Der hat 50 Mitglieder, Treffen sind an jedem ersten Freitag und dritten Mittwoch des Monats um 20 Uhr im Jugendzentrum Büchen, Parkstraße 3.