Projekt

Demenz: Wenn die Pflege zu sehr stresst

Quartiersmanagerin Claudia Löding, Gruppenleiterin Karin Wiesmann und Projektmanagerin Jana Borutta (von links) wollen pflegende Angehörige stärken. Die Smiley-Figuren werden in der Seniorenarbeit sonst für Fingerübungen verwendet.

Foto: Karin Lohmeier / BGZ

Quartiersmanagerin Claudia Löding, Gruppenleiterin Karin Wiesmann und Projektmanagerin Jana Borutta (von links) wollen pflegende Angehörige stärken. Die Smiley-Figuren werden in der Seniorenarbeit sonst für Fingerübungen verwendet.

Lauenburg. Ein neues Projekt soll Angehörigen von Demenzkranken helfen, die mit der Pflege stark belastet sind. Start ist im April.

Lauenburg..  Wer einen demenzkranken Angehörigen pflegt, hat einen 24-Stunden-Job – und vergisst über Anstrengungen und Stress allzu oft sich selbst. Eigene Bedürfnisse treten in den Hintergrund, und die Erfahrung, dass ein nahestehender Mensch in eine ganz andere Welt abdriftet, lastet schwer auf der Seele. Hier setzt ein Projekt an, das von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg-Bergedorf begleitet und von der EU gefördert wird. Auch in Lauenburg ist eine Gruppe geplant. Start ist Mitte April im Café Brawo (Büchener Weg 8 a).

Karin Wiesmann wird die Leitung übernehmen. Die Lauenburgerin hat sich im vergangenen Jahr in der HAW zur Gesundheitsmentorin ausbilden lassen und leitet bereits eine Gruppe im Projekt „65+“, in der es um Gesundheit, Teilhabe und Vernetzung im Alter geht (wir berichteten). Dort ging es bei jedem Treffen um ein anderes Thema. Doch in der neuen Gruppe „Demenz – gesund pflegen“ werden der Austausch und die Entlastung im Vordergrund stehen.

Von den Sorgen erzählen

„Wir haben in zwei Gruppen in Bergedorf schon gemerkt, dass hier ein viel größerer Bedarf besteht, die Treffen nicht so stark vorzustrukturieren“, sagt HAW-Projektmanagerin Jana Borutta. Vielmehr möchten pflegende Angehörige erst einmal von ihren Sorgen erzählen, alles loswerden und sich austauschen. „Dann schauen wir, wo Schwierigkeiten sind und wo wir helfen können“, sagt Claudia Löding.

Die Quartiersmanagerin der Arbeiterwohlfahrt freut sich, dass sich die neue Gruppe im Café Brawo am Awo-Wohn- und Servicezentrum trifft. „Unser Café soll zu einer Begegnungsstätte im Quartier werden“, sagt Löding, deren Stelle für drei Jahre von der Deutschen Fernsehlotterie finanziert wird.

Karin Wiesmann wird für ihre Arbeit nur eine kleine Aufwandsentschädigung bekommen. „Ich bin ein Hütehund und will immer etwas für andere tun“, sagt die ehemalige Angestellte einer Krankenkasse. Ihr Ziel: pflegenden Angehörigen Raum geben, damit sie von allen Pflichten loslassen. „Es soll einmal in der Woche für zwei Stunden nur um sie selber gehen“, sagt die Lauenburgerin. Die Demenzkranken werden bei Bedarf in einem zweiten Raum betreut.

Auch eine neue Gruppe „65+“ startet im April

„Dafür suchen wir noch Betreuer, die nach Möglichkeit eine pädagogische oder pflegerische Ausbildung haben sollten“, sagt Jana Borutta. Bis zum Sommer ist Bezahlung mit 12 Euro pro Stunde möglich, danach muss nach neuen Möglichkeiten der Finanzierung gesucht werden.

Auch eine neue Gruppe „65+“ wird im April starten, ebenfalls unter Leitung von Karin Wiesmann im Café Brawo. „Die alte Gruppe trifft sich weiter in eigener Regie“, freut sie sich. Kontakte sind gewachsen, drei Mitglieder traten in einen Sportverein ein, jeden Mittwoch wird diskutiert – und wer möchte, liest aus seinem „Glückstagebuch“ vor, in dem schöne Momente festgehalten werden. Auch beim Aufbau der neuen Gruppe wollen die Senioren helfen.

Wer neu dabei sein möchte, sich für den kostenlosen Kursus „Demenz – gesund pflegen“ interessiert oder als Betreuer für die Kranken helfen möchte, kann sich anmelden bei: Jana Borutta unter Tel. (0 40) 4 28 75 61 21, Karin Wiesmann unter Tel. (0 41 53) 5 98 82 07 und Claudia Löding, Tel. (0 41 53) 5 97 21 28.