Essbare Insekten

Snacks à la Dschungelcamp gibt’s auch in Witzeeze

Jungunternehmer Folke Dammann verkauft über seine Firma Snack-insect Insekten als Nahrung der Zukunft – gern auch als süße Verführung.

Foto: Retzlaff / BGZ

Jungunternehmer Folke Dammann verkauft über seine Firma Snack-insect Insekten als Nahrung der Zukunft – gern auch als süße Verführung.

Witzeeze: Mutprobe mit Gruselfaktor oder Deliktesse? Essbare Insekten sind kalorienarm, proteinhaltig und nahrhaft.

Frische Erdbeeren, garniert mit frittierten Heuschrecken, die zur Hälfte in Zartbitterschokolade getaucht sind – die Kreation von Folke Dammann sieht auf den ersten Blick einerseits lecker, aber andererseits auch ein bisschen gruselig aus. Seine Snacks sind ein Gourmetgeheimtipp und eine kleine Mutprobe à la „Dschungelcamp“ zugleich.

Heuschrecken sind reich an Proteinen, Vitaminen und Ballaststoffen

Für den 34-Jährigen sind essbare Insekten eindeutig eine Delikatesse. Er bietet mit seiner Firma „snack insects“ über seine Internetseite essbare, speziell für den menschlichen Verzehr in Frankreich und den Niederlanden gezüchtete, gefriergetrocknete Heuschrecken, Grillen, Mehl- und Buffalowürmer in verschiedenen Verpackungsgrößen an.

Sie sind für Jedermann erhältlich, aber auch für Restaurants und Catering-Firmen, die Vorspeisen oder Häppchen damit aufpeppen. Als Einstieg in die Welt der essbaren Würmer hat er auch süße Lollis mit eingeschlossenen Insekten und die „Dschungelade“ mit Mehlwürmern im Versand. Auch Energie-Müsliriegel, angereichert mit Würmern, gibt es dort.

Was den einen Überwindung und Mut kostet, ist für den anderen ein Spaß an neuen, überraschenden Gaumenerlebnissen. Das Thema hat aber auch eine andere Seite. „Insekten sind mehr als ein Geschmacksabenteuer. Sie können das Nahrungsmittel der Zukunft sein. Sie sind reich an Proteinen, Vitaminen und Ballaststoffen“, sagt Folke Dammann.

Insektenzucht ist nachhaltige Nahrungsproduktion

Insekten zu züchten, ist sehr effizient. Weil sie wechselwarme Tiere sind, können sie ihre Nahrung besonders gut verwerten. Sie brauchen im Gegensatz zu Rindern, Schweinen oder Geflügel keine Energie, um die Körpertemperatur konstant zu halten. Im Schnitt braucht ein Rind acht Kilo Futter, um ein Kilo Körpermasse zu produzieren. Insekten brauchen dafür nur ein Kilo Futter. Die Insektenzucht erzeugt deutlich weniger Kohlendioxid und Ammoniak, sie benötigt weniger Platz und Wasser. Publikationen der Vereinten Nationen darüber haben Folke Dammann bewogen, eine Bresche für Insekten auf dem Speiseplan zu schlagen. „Weltweit essen zwei Milliarden Menschen Insekten. Warum nicht auch in Europa. Wir essen hier ja auch Krabben, Schnecken und Muscheln“, sagt er. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde in Deutschland sogar Maikäfersuppe gegessen und die Krabbeltiere karamellisiert als Knabberei angeboten.

Mit seinem Versand und den delikaten Kreationen will Folke Dammann Insekten mit Blick auf die nachhaltige Bedeutung als Nahrungsmittel salonfähig machen. Das Insekten-Kochbuch, das der studierte Kommunikationsdesigner zusammen mit der Fotografin Nadine Kuhlenkamp gestaltete, ist daher informativ und edel, garniert mit schönen Fotos und Illustrationen.

LL-Reporterin im Selbstversuch

„Insekten können frittiert oder geröstet für Vorspeisen, Hauptgerichte oder als süße Variante für Desserts verwendet werden“, sagt Folke Dammann und fragt: „Wollen Sie mal probieren?“ In seiner Küche lässt er Nussöl heiß werden, entfernt von ein paar Heuschrecken die Flügel und Beine und frittiert sie kurz in dem Öl. Danach lässt er sie auf Küchenpapier abtropfen und streut etwas Salz darüber.

Die heißen Heuschrecken reicht er mir aufgespießt. Sie sind knusprig und schmecken wie frische Grieben. Auch die Müsliriegel mit den Würmern sind schmackhaft. Auch wenn es mir mundet – die Insektenmahlzeiten sind zwar ein interessanter Trend, als tägliche Nahrung aber noch Zukunftsmusik. Deshalb wirbt der Witzeezer mit Kochkursen, Info- und Verkostungsaktionen bei Messen und Veranstaltungen dafür: www.wuestengarnele.de