Neues Angebot

Pflegestützpunkt berät jetzt auch in Lauenburg

Beraterin Nadine Fauck ist für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen da.

Foto: Karin Lohmeier / BGZ

Beraterin Nadine Fauck ist für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen da.

Lauenburg. Der Bedarf an Pflegeberatung wächst. Darum bietet der Pflegestützpunkt jetzt auch regelmäßige Sprechstunden in Lauenburg an.

Lauenburg..  „Ich kann nicht mehr“ – dass ein pflegender Angehöriger diesen Satz sagt, hat Nadine Fauck schon oft gehört. Sie ist Beraterin beim Pflegestützpunkt Herzogtum Lauenburg und bietet neuerdings auch Sprechstunden in Lauenburg an. Denn der Bedarf wächst: 2829 Menschen haben 2015 beim Pflegestützpunkt im Kreis Rat gesucht, im Jahr zuvor waren es noch 2574. „Und gerade in Lauenburg gibt es viele ältere Menschen“, sagt die 34-Jährige.

Die examinierte Altenpflegerin hat 13 Jahre in ambulanten Diensten gearbeitet und dann eine Weiterbildung zur Pflegeberaterin gemacht. Seit Dezember 2014 arbeitet sie beim Pflegestützpunkt. „Wir sind unabhängig, die Beratung ist kostenlos und auf Wunsch anonym“, sagt Nadine Fauck. Wo muss ich den Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung stellen? Wie kann ich Hilfe organisieren? Darum geht es in den Sprechstunden. Ziel ist immer, die Versorgung so lange wie möglich im eigenen Zuhause zu sichern. In diese Richtung geht auch das neue Pflegestärkungsgesetz. So wurden Anfang 2015 die Leistungen in den Pflegestufen 1 bis 3 erhöht. Neu ist die Pflegestufe 0 für Menschen mit geringem Pflegebedarf, die bisher nichts erhielten.

Tagespflege – eine wichtige Entlastung

Die Tagespflege in Einrichtungen ist jetzt ein Extraposten, der nicht mehr auf die übrigen Leistungen angerechnet wird. Je nach Pflegestufe können dafür von 231 bis 1612 Euro im Monat bewilligt werden – eine wichtige Entlastung für Angehörige. Und die Kurzzeitpflege springt ein, wenn die pflegende Person Urlaub braucht oder krank ist. Nadine Fauck: „Viel zu unbekannt sind auch noch die Betreuungs- und Entlastungsleistungen.“ Für 104 Euro monatlich kann man sich Hilfe im Haushalt oder Begleitung für Spaziergänge holen.

Wenn 2017 das Pflegestärkungsgesetz II in Kraft tritt, wird es statt der vier Stufen fünf Grade geben. „Dann geht es verstärkt darum, was die Menschen noch können, nicht darum, was sie nicht mehr können“, sagt die Beraterin. Sie rechnet mit reichlich Anfragen dazu. Denn viele machen sich Sorgen, dass sie neu begutachtet werden. Nadine Fauck: „Aber die Aufnahme in die Grade wird wohl automatisch geschehen.“ Beispiel: Wer bisher Stufe 1 hatte, bekommt künftig Grad 2, mit Demenz sogar Grad 3. Neue Antragsteller seien gut beraten, ein Pflegetagebuch zu führen, um ihren Bedarf deutlich zu machen, so Fauck: „Denn der Medizinische Dienst kommt nur für 30 bis 45 Minuten, da lässt sich kaum alles erfassen.“ Und falls es nicht klappt mit der Einstufung, hilft der Pflegestützpunkt auch bei Widersprüchen.

Das Ziel ist „Ambulant vor stationär“

Das Ziel „Ambulant vor stationär“ begrüßt die Beraterin sehr, weiß sie doch aus ihren Sprechstunden nur zu gut, dass die meisten Menschen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben wollen. Dabei hilft auch, dass ein behindertengerechter Umbau der Wohnung jetzt stärker bezuschusst wird. Ob Verbreiterung der Türen, eine Rampe vorm Haus oder eine barrierefreie Dusche – bis zu 4000 Euro pro Maßnahme können bewilligt werden.

Und wenn ein Heimaufenthalt doch fällig wird, weiß Nadine Fauck, wo es freie Plätze gibt und wie viel es kostet. Ist die Rente zu klein, kann Pflegewohngeld beantragt werden. Bitter für manche Senioren: Ihr Eigenheim – oft als Erbe für die Kinder gedacht – müssen sie erst einmal verkaufen, das Geld verbrauchen.

Bevor Sozialhilfe für Pflegebedürftige gezahlt wird, prüft das Sozialamt allerdings, ob Kinder unterhaltspflichtig sind. Doch der Selbstbehalt ist relativ hoch, auch das eigene Haus und die Altersvorsorge sind geschützt. Noch ein Rat von Nadine Fauck: Sich früh über Wohn- und Betreuungsmöglichkeiten im Alter informieren – und sich schon auf Wartelisten setzen lassen.

Sprechstunde in Lauenburg: Jeden 2. Donnerstag im Monat von 9 bis 12 Uhr im Café Brawo, Büchener Weg 8 a. Termine können unter Tel. (0 45 42) 82 65 49 vereinbart werden.