Lauenburg Letzter Schliff vor der Premiere

Theater zeigt „Halbe Wahrheiten“

Lauenburg.  Geht die Generalprobe schief, klappt die Premiere umso besser – von dieser alten Schauspieler-Regel hält Andreas Püst nicht viel. Der Lauenburger Theaterchef ist bei jeder Probe bei der Sache, schaut dem Spiel auf der Bühne kritisch zu und macht sich Notizen. „Die Szene mit der Schokolade bitte noch einmal“, ruft er zwei jungen Schauspielern zu, die gerade eine Szene aus der Komödie „Halbe Wahrheiten“ proben. Alles muss sitzen: Am Freitag, 8. Januar, um 20 Uhr feiert das Stück in der Osterwold-Halle (Elbstraße 145) Premiere.

Obwohl Püst, der auch Regie führt, die Dialoge längst auswendig kennt, muss er immer wieder lachen, wenn sich Ginny (Jana Mehmann) um Kopf und Kragen redet, um bei Greg (Ole Bielfeld) keinen Verdacht aufkommen zu lassen, dass er in ihrem Leben nur eine zweite Geige spielt. Immerhin hat dieser gerade ein paar Pantoffeln unter dem Bett seiner Liebsten gefunden.

Deshalb folgt er ihr heimlich zum vermeintlichen Haus ihrer Eltern, wo er beim Vater um die Hand von Ginny anhalten will. Doch unglücklicherweise trifft Greg vor seiner Liebsten ein, und Philip (Wolfgang Noack) ist keineswegs Ginnys Vater, sondern ihr ehemaliger Chef und jetziger Geliebter. Der wiederum hält Greg für den Geliebten seiner Frau Sheila (Gerlinde Dillge). Als Ginny schließlich auftaucht, eskalieren die Missverständnisse endgültig.

Andreas Püst achtet bei der Probe auf jede Kleinigkeit. In seiner Inszenierung des Stücks von Alan Ayckbourn sind die Protagonisten keine routinierten Lügner, sondern Menschen, die sich in eine missliche Lage gebracht haben und sich daraus möglichst ohne Blessuren wieder befreien wollen. Das Geflecht aus Wahrheiten und Lügen wird auch das Bühnenbild widerspiegeln – ganz in Schwarz und Weiß gehalten. Lediglich die Kleidung der Schauspieler wird sich farblich davon abheben. „Es gibt ja nicht nur Schwarz und Weiß im Leben, sondern auch Zwischentöne, die sich schon mal in kleinen Unwahrheiten zeigen“, erklärt Püst die Symbolik der Kostüme und des Bühnenbilds, das Mathias Riske bis zur Premiere fertiggestellt haben wird.

Die Komödie „Halbe Wahrheiten“ ist nicht die einzige Premiere, die das Theater Lauenburg in diesem Jahr feiern wird: Am 1. März steht die „Matthew Stepard-Story“ als Uraufführung auf dem Spielplan, in deren Mittelpunkt der schwule Matthew steht, der von Jugendlichen gepeinigt und ermordet wird. Am 19. März hat dann das Musical „Die Tagebücher von Adam und Eva“ Premiere. Auch in diesem Jahr will Andreas Püst mit befreundeten Hamburger Ensembles zusammenarbeiten. Es gibt Gastspiele der Opernfactory, Kindervorstellungen des Wunderland-Theaters und plattdeutsche Komödien des Hamburger Theaters 99.

Weitere Aufführungen von „Halbe Wahrheiten“ gibt es am 10. Januar und 21. Februar (16 Uhr), 20. Februar, 22. und 23. April (20 Uhr) sowie am 24. April (15 Uhr). Karten kosten 15 Euro, an der Abendkasse 17 Euro. Sie sind im Reisebüro Oberelbe, Büchener Weg 7, oder über die Ticket-Hotline (02 31) 9 17 22 90 erhältlich.