19.08.12

Hochwasserschutz

Lauenburg dringt auf besseren Schutz vor Hochwasser

Lauenburg/Geesthacht. An der Oberelbe ist die Gefahr offiziell nicht hoch genug: Bei der Verteilung von Geldern für den Küstenschutz fällt für Lauenburg nur wenig ab. Zu wenig für eine zuverlässige Sicherung der Stadt vor Hochwasserschäden. Die besondere Lage der Stadt wird nach Expertenmeinung nicht genügend berücksichtigt. Von Timo Jann

Ulrike Werth blickte aus ihrem Fenster im Januar 2011 auf ein gewaltiges Meer: Die Elbe mit 9,23 Meter hohem Hochwasser.
Foto: Jann Ulrike Werth blickte aus ihrem Fenster im Januar 2011 auf ein gewaltiges Meer: Die Elbe mit 9,23 Meter hohem Hochwasser.

60 Millionen Euro gibt das Land Schleswig-Holstein Jahr für Jahr für den Küstenschutz an Nord- und Ostsee sowie an der Unterelbe aus. Doch alles, was östlich des Geesthachter Stauwehrs liegt, gilt nach Einschätzung der Behörden nicht als Sturmflutgebiet und muss deshalb auch nicht geschützt werden. Lediglich 1,5 Millionen Euro jährlich umfasst das Budget für den Hochwasserschutz an Binnengewässern.

Damit wollen sich die Menschen in Lauenburg zehn Jahre nach der "Jahrhundertflut" vom August 2002 nicht mehr zufriedengeben. "Wir brauchen endlich die Akzeptanz, dass auch an der Oberelbe noch Auswirkungen durch Sturmfluten drohen. Nämlich wenn das Wasser entweder das Geesthachter Stauwehr bei Sturmflut überwindet, oder ein Hochwasser nicht ausreichend schnell elbabwärts fließen kann, weil eine Sturmflut entgegendrückt", sagt Wolfgang Genczik, der Vorsteher des Lauenburger Wasser- und Bodenverbandes.

"Bisher hatten wir beim Hochwasser immer Glück. Wenn bei uns die Pegel angestiegen sind, dann gab es glücklicherweise nicht zeitgleich eine Sturmflut in der Unterelbe", erklärt Genczik. Wäre das der Fall, dann würde der Pegel in Lauenburg noch einmal deutlich ansteigen. Und wie zuletzt das auf 9,23 Meter gestiegene Hochwasser zeigte, gibt es keine freien Spitzen mehr, um massive Überschwemmungen in der direkt am Flussufer liegenden Lauenburger Altstadt zu verhindern. Genczik: "Unsere Lage an der Elbe ist einzigartig, also muss man diese besondere Situation auch berücksichtigen."

Mit Unterstützung des Lauenburger CDU-Ortsvorsitzenden Markus Matthießen will Genczik jetzt die Gemeinden Hohnstorf und Artlenburg in Niedersachsen mit ins Boot holen. Denn die Problematik in Niedersachsen ist ähnlich. Auch Niedersachsen finanziert eine laufende Deichmodernisierung nur bis zum Geesthachter Stauwehr.

"Oberhalb von Lauenburg ist seit dem Hochwasser 2002 viel passiert, nur unsere Altstadt steht den Fluten weiterhin schutzlos gegenüber", sagt Matthießen. Er will deshalb versuchen, bei der Fortschreibung des "Generalplans Küstenschutz" Lauenburgs bedrohliche Situation aufzunehmen. Matthießen: "Wir brauchen eine Erhöhung der Elbuferpromenade. Und zwar auf ein Niveau, das bei durchschnittlichen Hochwasserlagen keinen besonderen Einsatz erforderlich macht. Wenn die Elbe deutlich höher steigt als normal, muss eine mobile Schutzwand wie an der Palmschleuse errichtet werden." Die Kosten für diesen umfassenden Schutz betragen etwa 25 Millionen Euro. "Das Land kann sich nicht aus seiner Verantwortung ziehen. Wir wollen einen ordentliche Hochwasserschutz", meint Matthießen, der bis zur Landtagswahl 2012 mit an der Regierung beteiligt war.

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