Kinder- und Jugendbeirat
Wenn gute Ideen kein Gehör finden
Sonntag, 3. Juni 2012 16:51
- Von Maja Bienwald
Anläufe gab es einige, aber bisher gibt es in Lauenburg kein Gremium, das Kindern und Jugendlichen Gehör bei Politik und Verwaltung verschafft. Wie es gehen kann, macht die Stadt Schwarzenbek vor. Mit viel Elan und Optimismus haben sich dort sieben Jugendliche Fachwissen für politische Beiratsarbeit angeeignet.

Foto: Bienwald
Sinan Bilik (14), Femke Johannsen (16), Melf Johannsen (18), Sergej Siroschenko (18) und Taner Serin (13) posieren zwischen den in der Aktion „Platz da!“ entstandenen Pappkameraden Sinan Bilik, Marie Betge und Ömer Kilic.
Der Kinder- und Jugendbeirat Schwarzenbek (SKJB) war zu Gast in Lauenburg,
aber als Jugendliche zeigten nur Sinan Bilik (14) und Taner Serin (13)
Interesse am Thema und können sich „gut vorstellen, in einem Lauenburger
Beirat mitzuwirken“.
Politiker oder Vertreter der Verwaltung kamen nicht ins Jugendzentrum. Einzig
die Jugend- und Sozialarbeiter der Stadt hörten dem Erfahrungsbericht des
SKJB mit den Vertretern Femke Johannsen (16), Sergej Siroschenko (18) und
Melf Johannsen (18) zu. Jeweils für zwei Jahre sind sie in das offizielle
Gremium gewählt – sieben Vertreter zwischen 12 und 21 Jahre alt, die ihre
Arbeit planen und organisieren wie erwachsene Politiker. Sie haben schnell
gelernt, dass es nicht reicht, einfach anwesend zu sein. Ihr Problem wie das
der Politik-Profis: Ein geringes Interesse ihrer Altersgefährten. Mit einer
Wahlbeteiligung von gerade einmal 20 Prozent haben sie zu kämpfen und
versuchen, dem Desinteresse mit verbessertem Informationsfluss,
transparenter Arbeitsweise und Öffentlichkeitsarbeit zu begegnen. Ihre
Sitzungen sind professionell geleitet, werden von Protokollführern der
Verwaltung begleitet.
Trotz eines von 1800 auf 800 Euro gekürzten Etats kann der SKJB Erfolge
vorweisen: Für 250?000 Euro plant Schwarzenbek nun den Umzug des
Jugendtreffs, ein Busunterstand am Gymnasium für die Fahrschüler ist in
Planung und Denkanstöße für Fairtrade – den Verkauf von fair gehandelten
Waren – sind auf den Weg gebracht. In politischen Ausschüssen der Stadt
können die Beiratsmitglieder zwar den Willen der Jugend darstellen,
stimmberechtigt sind sie jedoch nicht. Ein großes Manko, wie Melf Johannsen
meint.
„Ein Pendant zum Seniorenbeirat wäre für Lauenburg wünschenswert“, zog
Stadtjugendpflegerin Friederike Betge ein Fazit. Straßensozialarbeiter Sven
Stroetzel sieht einen Grund für das mangelnde Interesse der Lauenburger
Jugend: „Die Jugendkonferenz brachte einige Anregungen, aber der Frust bei
den Jugendlichen ist groß, wenn diese kein Gehör finden.“ Diese Ansicht
teilt auch Friederike Betge, der es zu verdanken ist, dass 2010 Fördermittel
für die Jugendkonferenz bereit standen: „Wenn vereinbarte Termine zwischen
Politik und Jugendvertretern kurzfristig abgesagt und bis heute ‚vergessen’
werden, darf es uns Erwachsene nicht wundern, wenn sich die Jugendlichen
enttäuscht zurückziehen.“
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