Gänsevorkommen
Mit Verscheuchen ist es nicht getan
Donnerstag, 19. April 2012 15:54
- Von Monika Witt
Fünfhausen. Die Landwirte klagen über den starken Verbiss durch Grau- und Kanadagänse. Die früher stark dezimierten Vögel haben in den letzten Jahren einen deutlichen Populationszuwachs zu verzeichnen. Durch Verscheuchen erreiche man hier aber wenig, sagen die Biologen. Die Kreispolitiker sind sich einig, das unbedingt über alternative Möglichkeiten der Populations-Kontrolle nachgedacht werden muss.
Eines machten die Ausführungen Alexander Mitschkes in der jüngsten Sitzung des
Regionalausschusses deutlich: Von heute auf morgen werden sich die
kontinuierlich wachsenden Gänse-Populationen in den Vier- und Marschlanden
nicht in den Griff kriegen lassen. Im Auftrag der Behörde für
Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) hatte der Diplom-Biologe ein Gutachten
erstellt, war von Ende Februar bis Ende November 2011 regelmäßig im
Landgebiet unterwegs, um sich ein Bild über Bestände und Verteilung der
Grau- und Kanadagänse zu machen. Hintergrund für den Auftrag waren vermehrte
Klagen über Verbiss vonseiten der Landwirte, sodass die Behörde
Handlungsbedarf sahen. „Wobei Fraß- nicht gleich Ertragsschäden sind“, sagte
Mitschke.
Zuvor schilderte der Biologe aber die relativ junge Geschichte der Wildgänse
in den Vier- und Marschlanden. Denn im 19. Jahrhundert waren sie dort als
Brutvogel ausgerottet. Der heutige Bestand der Hamburger Grau- und
Kanadagänse geht auf Tiere zurück, die in den 1950er- und 1960er-Jahren
ausgesetzt wurden. Ihre Populationen nahmen schnell zu. Brütete die Graugans
1990 lediglich an 14 Gewässern, waren es 1995 bereits 34. Im Landgebiet
zählte Mitschke maximal 2325 Grau- und 1031 Kanadagänse. Ihre bevorzugten
Rast-, Brut- und Mauserplätze liegen an und in den Kirchwerder Angelteichen,
an der Reitschleuse inklusive Schleuseninsel, dem Kleinen Brook und der Hohe.
Ein Bruchteil der Wasservögel, die sich sporadisch oder länger im Landgebiet
aufhalten, brüten dort auch. Dafür fehlt der Platz. Denn die Gänse
bevorzugen Inseln, auf denen sie vor Füchsen sicher sind. „Aus diesem Grund
sind auch die Kirchwerder Angelteiche so begehrt“, sagt Mitschke. Die
fehlenden Brutplätze sind zudem Ursache dafür, dass die Vögel bereits acht
oder neun Jahre alt sind, bevor sie das erste Mal brüten – normal sind sechs
Jahre.
Hier sehen die Experten eine Möglichkeit, die Bestände zu steuern. „Man könnte
die Inseln mit dem Land verbinden“, sagte Birgit Malzburg vom Naturschutzamt
der BSU. „Zumindest in den beiden nördlichen Angelteichen, die außerhalb der
Kirchwerder Wiesen liegen.“ Andere Möglichkeiten wären, die Tiere mit
gasgefüllten Ballons zu verscheuchen, die Eier anzustechen oder die Gelege
zu entfernen. Letzteres sei aber mit einem hohen Aufwand verbunden und
„artenschutzrechtliche Bedenken habe ich auch“, sagte Mitschke. Bleibt noch
zu erwähnen, dass vom 1. November bis zum 15. Januar die Jagd auf Wildgänse
erlaubt ist – allerdings nicht in den Kirchwerder Wiesen.
Nach Ansicht des Biologen sei ein Gesamtkonzept erforderlich, Einzelmaßnahmen
dagegen wenig sinnvoll. Wenn die Tiere irgendwo verscheucht werden, sollte
es auf der anderen Seite ein gezieltes Angebot von Ablenkflächen geben, auf
denen zum Beispiel Erntereste belassen wurden.
Die Politiker sahen sich aufgrund der Fülle von Informationen außerstande,
eine Entscheidung zu fällen. Nur so viel: Sie baten die Experten, die
Ergebnisse nochmals im Grünausschuss vorzutragen. Zudem soll dort auch das
Gutachten, das die Landwirtschaftskammer 2009 in Auftrag gab, vorgestellt
werden.



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Erwin Meier meint:
Wikipedia: Untersuchungen an Einzelpopulationen zeigten, dass achtzehn Prozent der Männchen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen lebten
Die Gänse sind schwul, wenn das an die große Glocke kommt, werden die noch unter Artenschutz gestellt!
Dieter meint:
UNd auf sog. Ablenkflächen ist ja wohl auch nicht möglich, oder verstehen die Tiere einen, was man von ihnen möchte.
Wenn die Natur nicht vorgesehen hätte, dass die Gänse hier sind, dann wären sie auch nicht dort gelandet. Punkt.
Aber der Mensch muss natürlich wieder Gott spielen, weil er (alles) weiß, was gut für die Welt ist.
Schlimm.