19.04.12

Gänsevorkommen

Mit Verscheuchen ist es nicht getan

Fünfhausen. Die Landwirte klagen über den starken Verbiss durch Grau- und Kanadagänse. Die früher stark dezimierten Vögel haben in den letzten Jahren einen deutlichen Populationszuwachs zu verzeichnen. Durch Verscheuchen erreiche man hier aber wenig, sagen die Biologen. Die Kreispolitiker sind sich einig, das unbedingt über alternative Möglichkeiten der Populations-Kontrolle nachgedacht werden muss. Von Monika Witt

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Foto: Mitschke

Die Kanadagänse bevorzugen vor allem ufernahes Grünland.

Foto: Witt

Die Population der Grau- und Kanadagänse ist nach Meinung der Landwirte zu zahlreich.

Eines machten die Ausführungen Alexander Mitschkes in der jüngsten Sitzung des Regionalausschusses deutlich: Von heute auf morgen werden sich die kontinuierlich wachsenden Gänse-Populationen in den Vier- und Marschlanden nicht in den Griff kriegen lassen. Im Auftrag der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) hatte der Diplom-Biologe ein Gutachten erstellt, war von Ende Februar bis Ende November 2011 regelmäßig im Landgebiet unterwegs, um sich ein Bild über Bestände und Verteilung der Grau- und Kanadagänse zu machen. Hintergrund für den Auftrag waren vermehrte Klagen über Verbiss vonseiten der Landwirte, sodass die Behörde Handlungsbedarf sahen. "Wobei Fraß- nicht gleich Ertragsschäden sind", sagte Mitschke.

Zuvor schilderte der Biologe aber die relativ junge Geschichte der Wildgänse in den Vier- und Marschlanden. Denn im 19. Jahrhundert waren sie dort als Brutvogel ausgerottet. Der heutige Bestand der Hamburger Grau- und Kanadagänse geht auf Tiere zurück, die in den 1950er- und 1960er-Jahren ausgesetzt wurden. Ihre Populationen nahmen schnell zu. Brütete die Graugans 1990 lediglich an 14 Gewässern, waren es 1995 bereits 34. Im Landgebiet zählte Mitschke maximal 2325 Grau- und 1031 Kanadagänse. Ihre bevorzugten Rast-, Brut- und Mauserplätze liegen an und in den Kirchwerder Angelteichen, an der Reitschleuse inklusive Schleuseninsel, dem Kleinen Brook und der Hohe.

Ein Bruchteil der Wasservögel, die sich sporadisch oder länger im Landgebiet aufhalten, brüten dort auch. Dafür fehlt der Platz. Denn die Gänse bevorzugen Inseln, auf denen sie vor Füchsen sicher sind. "Aus diesem Grund sind auch die Kirchwerder Angelteiche so begehrt", sagt Mitschke. Die fehlenden Brutplätze sind zudem Ursache dafür, dass die Vögel bereits acht oder neun Jahre alt sind, bevor sie das erste Mal brüten – normal sind sechs Jahre.

Hier sehen die Experten eine Möglichkeit, die Bestände zu steuern. "Man könnte die Inseln mit dem Land verbinden", sagte Birgit Malzburg vom Naturschutzamt der BSU. "Zumindest in den beiden nördlichen Angelteichen, die außerhalb der Kirchwerder Wiesen liegen." Andere Möglichkeiten wären, die Tiere mit gasgefüllten Ballons zu verscheuchen, die Eier anzustechen oder die Gelege zu entfernen. Letzteres sei aber mit einem hohen Aufwand verbunden und "artenschutzrechtliche Bedenken habe ich auch", sagte Mitschke. Bleibt noch zu erwähnen, dass vom 1. November bis zum 15. Januar die Jagd auf Wildgänse erlaubt ist – allerdings nicht in den Kirchwerder Wiesen.

Nach Ansicht des Biologen sei ein Gesamtkonzept erforderlich, Einzelmaßnahmen dagegen wenig sinnvoll. Wenn die Tiere irgendwo verscheucht werden, sollte es auf der anderen Seite ein gezieltes Angebot von Ablenkflächen geben, auf denen zum Beispiel Erntereste belassen wurden.

Die Politiker sahen sich aufgrund der Fülle von Informationen außerstande, eine Entscheidung zu fällen. Nur so viel: Sie baten die Experten, die Ergebnisse nochmals im Grünausschuss vorzutragen. Zudem soll dort auch das Gutachten, das die Landwirtschaftskammer 2009 in Auftrag gab, vorgestellt werden.

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