20.02.12

Premiere

Zwischen Genie und Wahnsinn

Lauenburg. Ein mutiges Experiment ist geglückt. Gemeinsam mit dem Künstlerhaus Lauenburg hat das Ensemble vom Theater Lauenburg das dramatische Leben der genialen französischen Bildhauerin Camille Claudel eindrucksvoll in Szene gesetzt. Jetz feierte das Stück seine Premiere.

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Foto: Richel

Irreale Figuren (Sandra Beckmann) erscheinen Camille Claudel (Ina Isringhaus) immer wieder in ihren Träumen.

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Bruder Paul (Andreas Püst) fühlt sich Camille verbunden, gleichzeitig ist sie ihm fremd.

Ein sparsames, fast karges Bühnenbild: Im Zeitraffertempo erleben die 80 Premierengäste die ersten Lebensjahre des Mädchens Camille. Im Gegensatz zu ihrer Familie, die sich in ihrer weißen Kleidung kaum vom Bühnenbild abhebt, wirbelt Camille (Inga Isringhaus) im blauen Kleid durch den Raum – widerborstig, unangepasst und irgendwie auch ein bisschen fremd. Selbst Bruder Paul (Andreas Püst) ist hin und hergerissen zwischen der Zuneigung zu seiner Schwester und der bangen Frage an den Vater: "Ist Camille verrückt?"

Diese Frage wird im gesamten Stück nicht entschieden. Eine zerstörerische Rolle im Leben der Camille Claudel hat sicher ihre eigene Mutter gespielt. Birga Ipsen verkörpert diese mit fast hasserfüllter Freundlichkeit der Tochter gegenüber so überzeugend, dass dem Zuschauer schaudert.

Frühzeitig weiß die junge Camille, dass sie Bildhauerin werden will – eigentlich schon immer gewesen ist. Aus dem widerspenstigen Mädchen wird eine starke Frau, die sich gegen gesellschaftliche Vorurteile durchsetzen und behaupten kann. Ihr Mentor Auguste Rodin wird zugleich ihr Geliebter.

Camilles Erfolge und das Abgleiten in eine Zwischenwelt erfolgen parallel nebeneinander. Ihre Erfolge als Künstlerin wecken Neider. Sie fühlt sich verfolgt und bedroht. Schauspielerin Ina Isringhaus schafft es, die Stimmungsumschwünge, die glücklichen Momente, die Liebe, die Depression und die zunehmende Verwirrung dieser starken und dabei an sich selbst zerbrechenden Frau bewegend auf die Bühne zu bringen. Die letzten 30 Jahre ihres Lebens verbringt Camille Claudel auf Betreiben ihrer Mutter in einer geschlossenen Nervenheilanstalt. Am Ende der Vorstellung fragt sich das Publikum: War Camille Claudel wirklich verrückt oder einfach nur ihrer Zeit voraus?

Unter der Regie von Julia Lege, die auch die Textfassung schrieb, entstand eine sehenswerte Lauenburger Bearbeitung der Biographie dieser Ausnahmekünstlerin. Mitveranstalter der Theaterproduktion ist das Künstlerhaus Lauenburg.

Nächste Vorstellungen des Stücks "Camille Claudel" gibt es am Sonnabend, 25. Februar, um 20 Uhr und am Sonntag, 4. März, um 19 Uhr in der Osterwold-Halle. Karten zum Preis von 13 Euro (ermäßigt neun Euro) gibt es in der Buchhandlung Rusch, dem Reisebüro Oberelbe und an der Abendkasse. Die Eintrittskarten können gleichzeitig als HVV-Hin- und Rückfahrtticket zur Vorstellung genutzt werden. www.theater-lauenburg.de

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