03.02.12

Ampel

Weg zum Schulbus ist lebensgefährlich

Witzeeze. Die Landstraße zerteilt den Ort - und das Überqueren ist lebensgefährlich. Trotzdem lehnt der Kreis die Installation einer Ampel an der Kreuzung K52 und L200 ab, weil es angeblich zu wenig Bedarf gibt. Leidtragende sind vor allem die Kinder.

Witzeeze
Foto: Passow Robert Arnds (8) und sein drei Jahre älterer Bruder Lukas (rechts) warten auf eine Lücke zwischen den Autos.

Lukas Arnds wartet mal wieder. Schon seit fünf Minuten steht an der Kreuzung Bahnhofsstraße (K52) / L200 in Witzeeze, beobachtet die vorbeirauschenden Autos. Der Elfjährige muss die Landstraße überqueren, um den Bus nach Büchen zu erwischen, der um Punkt 6.45 Uhr in Witzeeze losfährt. "Es ist wichtig, dass ich den Bus kriege, sonst bekomme ich in Büchen meinen Anschluss nach Mölln nicht und komme wieder zu spät zur Schule", sagt er. Es scheint, als würde der Elfjährige heute mal wieder Ärger bekommen, weil er nicht pünktlich zum Unterricht erscheint.

Lukas ist das gewohnt. Die Witzeezer sind es gewohnt. Hinnehmen wollen sie das aber nicht. Seit Jahrzehnten versuchen sie zu erreichen, dass an der Kreuzung K52 / L200 eine Bedarfsampel eingerichtet wird, damit Fußgänger und vor allem Kinder die viel befahrene Straße überqueren können. Doch bisher wurden alle Anträge vom Kreis abgelehnt. Die Begründung: "Um eine Ampel einzurichten, sind 50 Querungen von Fußgängern und 450 Autodurchfahren pro Stunde nötig", erklärt Kreissprecher Karsten Steffen.

"Es muss aber eine Lösung her. Die Straße ist einfach zu gefährlich", sagt Bürgermeister Dennis Gabriel (CDU). Das Problem: Die L200 zerteilt den Ort, die Wizeezer müssen sie also ständig überqueren. Auf der einen Seite befinden sich der Kanal, der Badesee, der Spielplatz und viele andere Freizeitangebote, auf der anderen Seite liegen der Kindergarten, das Altersheim und eben auch die Haltestelle des Schulbusses. "Oft bringe ich die Kinder das kurze Stück zur Haltestelle mit dem Auto, weil sie so einfach schneller über die Straße kommen und es nicht so gefährlich ist", erzählt Vater Fred Arnds (49). Denn meistens durchfahren die Autos den Ort schneller als mit den erlaubten 50 Kilometern pro Stunde. Vor vier Jahren wurde die L200 bereits einer Witzeezerin zum Verhängnis. "Sie wollte mit ihrem Wagen auf die L200 einbiegen und ist von einem Auto erfasst worden, das viel zu schnell aus Büchen kam", erinnert sich Bürgermeister Gabriel. Die Frau überlebte den starken Aufprall nicht.

Der letzte Antrag der Gemeinde für eine Bedarfsampel wurde im August 2010 abgelehnt. Nun wollen die Witzeezer einen neuen Anlauf starten und haben sogar den Wahlkreisabgeordneten und Innenminister Klaus Schlie (CDU) eingeschaltet, der das Anliegen an den zuständigen Abteilungsleiter im Wirtschaftsministerium des Landes weitergeleitet hat. Dort soll die Angelegenheit nun geprüft werden. Parallel wollen die Witzeezer einen neuen Antrag stellen. Bei einer Zählung im Sommer hoffen sie auch auf die Camper, die die Einwohnerzahl dann nahezu verdoppeln. "Ob wir die vorgeschriebene Zahl erreichen, weiß ich nicht, wir hoffen vor allem auf eine Ausnahmeregelung", so Gabriel.

Solche Regelungen gab es bisher im Herzogtum Lauenburg aber noch nicht, sagt Karsten Steffen. Doch Dennis Gabriel und Fred Arnds haben erfahren, dass es im niedersächsischen Seedorf und Wiesedermeer Ausnahmen gibt. Weil dort die Bundesstraßen im Ort eine echte Gefahr dargestellt haben, durfte die Gemeinde eine Ampel errichten, allerdings auf eigene Kosten. "Das wäre kein Problem. Wir brauchen bloß endlich die Erlaubnis", hofft Gabriel auf eine ähnliche Regelung

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