26.06.2014, 12:30

Konzert in der Großen Freiheit Die einstige Pop-Ikone sang in roten Radlerhosen

Fans feierten bei Blondies Konzert alte Hits und neue Songs. Das Publikum war auf einen Best-of-Abend eingestellt, doch den Gefallen tat die Blondine ihren Anhängern nicht.

Hamburg. Wenn man nicht direkt vor der Bühne steht, sieht sie aus wie eine junge Frau. Debbie Harry alias Blondie wird demnächst 69, ihr Gesicht weist deutlich weniger Falten auf als das von Mick Jagger, aber das spielt bei ihrem Konzert in der nur mäßig gefüllten Großen Freiheit 36 keine Rolle.

Ihre Fans sind gekommen, um vor allem ihre alten Hits zu hören. Einige haben ihre CBGB-T-Shirts rausgekramt, das war der New Yorker Club, in dem Blondie Ende der 70er-Jahre Furore machte. Mit „One Way Or Another“ vom Album „Parallel Lines“ eröffnet sie das Konzert. Der Song hat Wums, der Kracher ist genau nach dem Geschmack des Publikums. Man ist auf einen Best-of-Abend eingestellt, doch den Gefallen tut die Blondine ihren Anhängern nicht. Schließlich gilt es auch, das aktuelle Album „Ghosts Of Download“ zu promoten, das sie zusammen mit einer „Greatest Hits“-Zusammenstellung herausgebracht hat.

Aber ihre Fans feiern auch die neuen Nummern, die sich stilistisch nicht wesentlich von den New-Wave-Krachern unterscheiden, die das Quintett vor mehr 30 Jahren in die höchsten Höhen der Hitparaden katapultierten. Nur Mitsingen funktioniert nicht, weil niemand die Texte von „Rave“ oder „A Rose By Any Name“ genau kennt. Aber dafür gibt es ja „Heart Of Glass“, „Hanging On The Telephone“ und „Call Me“. Die fünf Blondie-Musiker inklusive Gitarrist Chris Stein machen viel Druck, wobei Schlagzeuger Clem Burke es etwas übertreibt. Sein Instrument ist schon durch eine Plexiglas-Umrahmung gedämmt, er prügelt ziemlich lauf auf Trommeln und Felle ein und vergisst dabei manchmal den Takt. Eleganz hört sich anders an.

Das Augenmerk der Zuschauer liegt sowieso auf der Frontfrau, der Drummer ist bei so einer Combo nur Nebensache. Aus ihrer Garderobe hat die einstige Pop-Ikone ein schwarz-weiß gestreiftes Shirt und eine rote Radlerhose ausgewählt. Kann nicht jeder tragen, aber einer charmanten Person wie Debbie Harry sieht man auch eine stilistische Entgleisung nach. Nicht zufrieden waren die Fans jedoch mit der Dauer des Auftritts. 75 Minuten bei 60 Euro Eintritt ist kein Schnäppchen, zumal, wenn im Zugabenteil Hits wie „Denis“ und „The Tide Is High“ nicht vorkommen. Pfiffe gab es dennoch nicht, nur ein paar enttäuschte Gesichter.