10.07.2014, 17:54

Skoda Dieser Octavia will ins Gelände

Michael Kirchberger

Skoda hat den Ruf, qualitativ hochwertige Autos mit alltagstauglicher Technik zu bauen. Den Bestseller Octavia gibt es nun auch in robusterer Ausführung. Wer braucht jetzt noch den Audi A4 Allroad?

Mal kurz nach Ingolstadt gelinst: Wer an Allradantrieb denkt, der hat gewiss nicht zuletzt die vier Ringe eines Audi-Kühlergrills vor dem geistigen Auge. Doch allmählich erwächst den Herrn des Quattro Konkurrenz in den eigenen Reihen. Auch die Schwestermarke Skoda beherrscht das Spiel mit vier angetriebenen Rädern. Der jüngste Kraxler im Programm kommt im August in die Schauräume der Händler und tritt als zweite Generation des Schlechtwegekombis Octavia Scout zu Preisen von mindestens 30.250 Euro an.

Dafür gibt es eine Zweiliter-Dieselmaschine mit 150 PS und ein manuelles Sechsganggetriebe. Die Maße des Scout sind mit denen des frontgetriebenen Octavia Combi weitgehend identisch, 4,69 Länge stellen ihn perfekt in die Mittelklasse, obwohl Skoda bei dieser Baureihe gerne von einem Kompaktauto spricht.

Das dezente Understatement bemüht die tschechische VW-Tochtermarke immer wieder gerne, bringt sie den Baureihen im Vergleich mit der Konkurrenz doch stets entscheidende Pluspunkte beim Raumangebot. Optisch jedoch unterscheidet sich der Scout deutlich von den zivileren Versionen.

Unterfahrschutz, mächtige Beplankung der Seiten und der Radhäuser sowie wuchtige Stoßfänger geben ihm den Hauch jener Wildwest-Romantik, die seinen Fahrer aus der täglichen Einheitskost auf den Straßen hervorheben. Die Anbauteile ergeben jedoch einen Sinn: Als Schlechtwegekombi preist Skoda den Scout an und die soliden, schwarzgrauen Schutzflächen bewahren den Lack vor feinen Kratzer oder Steinschlag, wenn es denn wirklich mal über Stock und Stein geht.

Als Zugwagen geeignet

Noch mehr beim Einsatz auf ausgefahrenen Pfaden hilft der Allradantrieb. Eine Haldex-5-Kupplung sorgt für die stufenlose Kraftverteilung zwischen den Achsen, eine elektronische Differenzialsperre verhindert zudem das Durchdrehen einzelner Räder, wenn das Verschränkungsvermögen der Radaufhängungen an ihre Grenzen stößt.

Der Eingriff der elektronischen Stabilitätskontrolle kann beim Fahren auf lockerem Untergrund per Knopfdruck angepasst werden, sie regelt dann beim Schlupf der Räder nur maßvoll nach. Ebenfalls wichtig ist die um stattliche 3,1 Zentimeter erhöhte Bodenfreiheit. Sie sichert dem Scout ein Vorwärtskommen, wo andere mangels Traktionsfähigkeit der Reifen längst aufgegeben haben.

Der Unterbodenschutz ist zusammen mit den verstärkten Federn ein Bestandteil des Schlechtwegepaketes. Außerdem taugt der neue Octavia Scout als Zugwagen noch besser als sein Vorgänger. Er darf Lasten bis zu zwei Tonnen zwölfprozentige Steigungen hinaufziehen.

Drei Motoren stehen zur Wahl. Als Basismaschine steht der Zweiliter-Diesel mit 150 PS in der Preisliste, er erfüllt seine Aufgabe mit Laufruhe und Durchzugsvermögen. Teurer kommen der Benziner und der stärkere Diesel, beide sind jedoch serienmäßig mit dem sechsgängigen Doppelkupplungsgetriebe kombiniert.

Was den Benziner ausstattungsbereinigt fast günstiger als den Einstiegsdiesel macht und die Anschaffungssumme des 184 PS starken Spitzen-Selbstzünders deutlich relativiert. Er wird zum ersten Mal in der Kombination mit Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb angeboten.

Verbrauch fällt zu hoch aus

Die Verbrauchswerte der beiden Diesel sind identisch, aber zumindest im Alltag nicht realistisch. Statt mit 5,1 Liter für 100 Kilometer waren wir bei unserem ersten Testfahren trotz sehr gemäßigter Fahrt mit deutlich mehr als sechs Liter unterwegs. Der Benziner gefällt mit einem bereits bei niedriger Drehzahl einsetzenden Drehmoment und wirkt dadurch sehr agil und flink.

Hier zeigte der Bordcomputer allerdings satte 8,5 Liter als Durchschnittsverbrauch an. Die Start-Stopp-Automatik und die Bremsenergierückgewinnung, mit denen alle Scout-Versionen serienmäßig ausgestattet sind, wirken nur marginal konsumzügelnd.

Skoda will den Scout höher als die bisherige Spezialausgabe des Octavia positionieren. Deshalb hat man zunächst auch nur die leistungsstärksten Motoren ins Angebot aufgenommen. Ob eine weniger kräftige Dieselversion folgen wird, ist noch nicht entschieden.

Vor allem mit der umfangreichen Ausstattung soll der Scout Freunde gewinnen. Die Klimaautomatik, Sitzheizung vorne und 17-Zoll-Leichtmetallfelgen bekommt er grundsätzlich ab Werk. Dazu sind all die cleveren Helfer an Bord, die fast schon typisch für die Traditionsmarke sind.

Ideal für bergige Regionen

Die Wendematte im Kofferraum etwa, der Eiskratzer in der Tankklappe oder die Warnwestenhalter unter den Vordersitzen. Die elektronischen Assistenten stehen auf Wunsch bereit, Verkehrszeichenerkennung, adaptive Geschwindigkeitsregelung und der Spurhaltehelfer sind für 1.130 Euro Aufpreis zu haben.

Die Scout-Familie wird weiter wachsen. Als sicher gilt, dass der im Lauf des Jahres neu erscheinende Fabia und später auch dessen Minivan-Derivat Roomster wieder als Scout-Versionen antreten sollen. Bei denen bleibt es allerdings beim bekannten Konzept mit angetriebenen Vorderrädern.

Rund 56.000 Octavia Scout hat Skoda in der sechsjährigen Präsenz der ersten Generation von 2007 bis 2013 produziert. In Deutschland ist der Anteil dieser Modellvariante an der Octavia Baureihe mit fünf Prozent eher gering. Außerdem erwarte man ein Süd-Nord-Gefälle bei den Bestellungen, heißt es.

Der Scout könne seine Vorzüge vor allem im bergigen Gelände ausspielen. Besonders in Österreich und der Schweiz dürfte der Scout-Anteil daher wesentlich höher liegen.

Die Reise zur Präsentation des Octavia Scout wurde unterstützt von Skoda. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit