31.07.2014, 11:48

Paul Singer Dieser Mann steckt hinter Argentiniens Staatspleite

Gabriel Knupfer, Handelszeitung.ch

Argentinien ist bankrott. Hinter der Misere steckt ein einzelner Mann: Hedgefonds-Manager Paul Singer gilt als König der Finanzgeier. Der konservative Amerikaner kämpft gegen ein ganzes Land.

Wenn Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner mal wieder über die „Geierfonds“ herzieht, ist in erster Linie ein Mann gemeint. Paul Singer, Jahrgang 1944, Amerikaner. Er liegt seit Jahren im Clinch mit der Regierung in Buenos Aires.

Singer gilt als extrem erfolgreicher Spekulant und Visionär, der die Finanzkrise als einer der Ersten kommen sah. Kein Wunder – beschäftigt er sich doch hauptberuflich mit Krisen und lebt durch seine „Vulture Funds“ Elliott und NML gewissermaßen von ihnen. Seine Strategie ist ebenso einfach wie erfolgreich: Singer investiert in Länder und Firmen mit Schulden und Restrukturierungsbedarf. Diese werden unter Druck gesetzt, bis die Rendite stimmt, und sonst verklagt.

Zu Argentiniens Pech hat sich Paul Singer 2001 auch Obligationen des südamerikanischen Krisenlandes gekauft. Seine Hedgefonds verweigerten die Umschuldungen von 2001 und 2005 und fordern den gesamten Betrag zurück. Argentinien sei selbst schuld, sagte Singer der ARD in einem seiner raren Interviews: „Eine verheerende Steuerpolitik. Und dann legt sich das Land auch noch mit großen Konzernen an.“

Unterstützer von Mitt Romney

Paul Singers Investition von 49 Millionen Dollar ist inzwischen 800 Millionen wert. Und dieses Geld sollte der argentinische Staat nun laut einem New Yorker Gerichtsurteil zurückzahlen, bevor die anderen Gläubiger bedient werden dürfen. Singers Kampf gegen Argentinien ist längst eine persönliche Angelegenheit geworden. 2012 etwa ließ Singers NML das Flaggschiff der argentinischen Marine in Ghana als Pfand festsetzen.

Wer sich mit Singer einlässt, muss sich indes nicht über solche Maßnahmen wundern. Laut CNN war der Finanzspekulant an fast allen großen Restrukturierungsprogrammen der letzten Jahre beteiligt. Ob Firmen wie Chrysler oder Staaten wie Peru und Argentinien, Singers Fonds „kämpfen mit harten Bandagen um den Gewinn“.

Elliots durchschnittliche Rendite von 14 Prozent liegt höher als die Jahresrendite der meisten Indizes. Doch Singer interessiert sich nicht nur fürs Geld. Er gilt auch als einer der wichtigsten Unterstützer der amerikanischen Rechten. George W. Bush und Rudolph Giuliani konnten in ihren Präsidentschaftskampagnen ebenso auf Singers Millionen zählen wie zuletzt auch Mitt Romney in seinem erfolglosen Kampf gegen Barack Obama.

Singer setzt sich für gleichgeschlechtliche Ehe ein

Singer hat jedoch auch eine andere Seite. Neben seinem Kampf gegen die Demokraten und zahlungsunfähige Staaten gilt ein großer Teil seines Engagements der Unterstützung der Homosexuellenrechte. Singers eigener Sohn ist schwul. Über das Komitee American Unity PAC versucht Singer, die republikanische Partei zugunsten der Schwulen- und Lesbenehe zu beeinflussen. Das Konzept der Homoehe „passt wunderbar zu meiner Vorstellung von Freiheit“, sagte Singer der „New York Times“.

Argentinien hat allen Grund, sich zu fürchten. Wer in der Lage ist, erzreligiöse Republikaner für die gleichgeschlechtliche Ehe zu begeistern, ist zu vielem fähig. Und lässt sich auch von den schrillen Tönen aus Buenos Aires kaum von seinem Weg abbringen.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen unter dem Titel „Paul Singer: Ein Mann gegen Argentinien“ auf handelszeitung.ch