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Von wegen „finsteres Mittelalter“

Öjendorf. Zehntausende Menschen aus ganz Deutschland ließen am Wochenende den Alltag hinter sich und schlüpften in die Rollen von Tempelrittern, Schurken oder Gauklern, Edeldamen oder Feen. Im Öjendorfer Park trafen sie sich zum jährlichen „Mittelalterlich Phantasie Spektaculum“.
Mittelalter
Foto: Kristina Vogt
Diese Ruhrpötter mimen „schlimme Schurken“ in selbst gefertigten Gewändern: Bill Turner, Jane Jones, Hector Barbarossa, Black Mike und Angie (v. li.).
„Man sagt ja immer, das Mittelalter sei finster und brutal gewesen. Das Spectaculum hingegen ist ein entwaffnender Ort des fröhlichen Miteinanders von unterschiedlichsten Menschen aller Generationen und Schichten“, erklärte Marktvogt Edwin Ball. Im standesgemäßen Gewand sorgte er vor Ort für Recht und Ordnung. Die Aufgabe war trotz der vielen Besucher nicht sehr nervenaufreibend, denn „seit Beginn des Festivals 1994 gab es weder Schlägereien noch Vandalismus.“
Nicht nur auf den acht Bühnen – an jeder Ecke gab es etwas zu bestaunen: Ritter lieferten sich Fechtkämpfe, Hans Wurst begeisterte die Kinder, ein Minnesänger die Großen, ein Fakir die Unerschrockenen. Vor der Musikbühne tanzten historisch gekleidete Gäste zu den rhythmischen Trommelklängen der britischen Band „Soar Patrol“.
Edeldame Hannelore Bersebach begutachtete währenddessen die Kohlkopf-Jonglierkünste eines Gauklers: „Wir sind jedes Jahr mit dabei. Die Stimmung ist einmalig“, kommentierte die 60-jährige Einzelhandelskauffrau lächelnd. Sie kam mit dem „Heerlager Bremen“ angereist. Mit dabei war auch ihre Mutter, die 82-jährige Edeldame Else Schlesinger.
Doch kein Zeitalter ohne „schlimme Schurken“: Unter dem Motto „Nimm was du kriegen kannst und gib nichts wieder zurück!“ zog die Truppe fröhlich plündernd durch das Lager: „Lasset euch nicht verwirren. Wir treiben nur Schabernack“, versichert Black Mike grinsend und lüftet grüßend den Piratenhut.
Stumm blieben hingegen die fabelhaften Kreaturen des „Hochstelzentheaters Feuervögel“ und des „Stelzentheaters Waldwesen“: Elegant und erhaben bahnten sich die Kobolde und Feenwesen ihren Weg durch die Menge. Bei soviel Magie erfuhren vielleicht auch pilgernde Druiden wie Jan Böhme (40, Raumausstattermeister aus Rostock) und Legionär Erik Sellmann, (29, Justizvollzugsbeamter) ein Ende ihrer Wanderschaft. Wie viele Besucher kamen auch sie in Kostümen.
Neben der spirituellen Suche konnte man auch der profanen Suche nach Gewändern, Geschmeide oder Schwertern frönen. Für Erquickung sorgten derweil mittelalterliche Speisen und Getränke. Im Badehaus konnte man den Umtrunk sogar in einem Badezuber zu sich nehmen. Mit Blick auf das Fest – ein Gesamtkunstwerk, das Zeitreisende auch am ersten Septemberwochenende 2011 wieder in den Öjendorfer Park einlädt.
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