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"Für mich ist das klarer Betrug"

Havighorst. Es ist die Horrorvorstellung eines jeden Häuslebauers: Die Baufirma geht pleite, das Haus ist erst halb fertig und der verantwortliche Bauunternehmer abgetaucht. So widerfahren ist es jetzt etlichen Anwohnern der Schuhmacherwiese. Betroffen sind die Bewohner der fünf neu errichteten Doppel- und Einzelhäuser mit den Hausnummern 22 bis 30.
Geschädigter Bauherr Alexander Gutierrez: „Das war natürlich alles ein Riesenärger. Aber meine Nachbarn sind schlimmer dran als ich.“ Sein Haus sei als "Lockvogel" immer wieder präsentiert worden.
Foto: Thomas Schütt
Geschädigter Bauherr Alexander Gutierrez: „Das war natürlich alles ein Riesenärger. Aber meine Nachbarn sind schlimmer dran als ich.“ Sein Haus sei als "Lockvogel" immer wieder präsentiert worden.
Sie haben mit den noch zu erledigenden Innenarbeiten inzwischen verschiedene Baufirmen beauftragt. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite rotten weitere zwei Rohbauten vor sich hin.
„Bei mir ist jetzt soweit alles fertig“, sagt Anwohner Alexander Gutierrez-Diaz. „Das war natürlich alles ein Riesenärger. Aber meine Nachbarn sind schlimmer dran als ich.“ Sein Haus sei das erste von insgesamt sieben Bauvorhaben der Berliner Firma „rosenthal HOME manufaktur GmbH“ gewesen. „Das war der Lockvogel“, ist Gutierrez-Diaz überzeugt. Firmenchef Alexander Rosenthal sei oft mit potenziellen Kunden erschienen und habe das Haus quasi als Musterhaus präsentiert. „Alle waren begeistert, der Preis unschlagbar.“ Um bis zu 100.000 Euro günstiger als andere Bauträger versprach Rosenthal seinen Kunden die Schaffung hochwertigen Wohnraums.
"Er hat hier dann ein paar Mauern hingestellt, hatte aber nicht einmal eine Baugenehmigung“, sagt Bauunternehmer Wolfgang Schulz, der die angefangen Bauten vollendet.
Foto: Thomas Schütt
"Er hat hier dann ein paar Mauern hingestellt, hatte aber nicht einmal eine Baugenehmigung“, sagt Bauunternehmer Wolfgang Schulz, der die angefangen Bauten vollendet.
Kalkulierter Betrug? Einiges spricht dafür. Gegen Alexander Rosenthal ermittelt die Staatsanwaltschaft Berlin wegen Vorenthaltens und Veruntreuung von Arbeitsentgelt. „Ein solches Ermittlungsverfahren ist häufig ein Indiz für ein späteres Verfahren wegen Isolvenzverschleppung“, sagt der Pressesprecher der Berliner Staatsanwaltschaft Holger Freund. Auch Wolfgang Schulz, der mit seiner Firma „W.S.-Baubetreuung“ einen Großteil der noch zu erledigenden Arbeiten an der Schuhmacherwiese übernommen hat, vermutet Abzocke. „Für den Rohbau, den ich hier jetzt weiterbaue, hat Rosenthal vom Kunden Anfang Januar über 30.000 Euro erhalten. Er hat hier dann ein paar Mauern hingestellt, hatte aber nicht einmal eine Baugenehmigung“, sagt der 62-Jährige empört. „Für mich ist das klarer Betrug.“
Schätzungen zufolge beläuft sich der materielle Schaden, den Rosenthal bei seinen Kunden verursacht hat, auf insgesamt etwa 250.000 Euro. Nicht darin enthalten sind die Kosten für die Arbeiten, die nach seinem spurlosen Verschwinden Anfang März 2010 angefallen sind. Auch hier dürften noch einmal etliche Zehntausend Euro zusammenkommen. Für unsere Zeitung blieb Alexander Rosenthal unerreichbar.
Außerdem: „Auf keine Arbeit, die die rosenthal GmbH hier geleistet hat, gibt es eine Gewährleistung“, sagt Wolfgang Schulz. Zudem müsse er in gewisser Weise „frei Schnauze“ weiterbauen, da keinerlei Bauunterlagen oder Zeichnungen mehr vorhanden sind. „Auch weiß ich nicht, ob die Arbeiten, die die rosenthal GmbH hier getätigt hat, ordnungsgemäß ausgeführt wurden“, sagt Schulz. Einige der Anwohner erwägen jetzt rechtliche Schritte. Stefan Schulz sagt: „Ich hatte so viel Ärger, da war einfach keine Zeit. Jetzt aber werde ich bei Gericht Klage einreichen.“

Das rät die Verbraucherzentrale

  • Sich zu wehren, das rät auch Christian Schmid-Burgk (56) von der Verbraucherzentrale Hamburg. Außerdem: „Es gibt Indizien für gut am Markt stehende Bauträger. Sie sollten seit mehreren Jahren im Geschäft sein, Referenzbauten vorweisen können. Besonders wichtig ist der Vertrag. Hier blicken Laien oft nicht durch“, sagt Schmid-Burgk. Informationen unter: (040) 248320.
3 Kommentare
Torsten meint:
Trotz ständiger Berichterstattung der Medien fallen immer noch Leute darauf rein.
Ein Haus ist ein Bauwerk für Generationen, wenn dann jemand verspricht € 100.000,- einzusparen, dass kann doch nichts werden. Man soll nicht den günstigsten nehmen, sondern den preiswertesten.
Mitleid habe ich mit den Betroffenen nicht.
Wolle meint:
Geiz ist geil ! --- das ist offensichtlich auch das Motto bei diesen Häuslebauern gewesen ! Gute Handwerksarbeit, die von zuverlässigen Betrieben ausgeführt werden, kosten eben ... - sicherlich ärgerlich für die jetzt Betroffenen ! Wenn man sich die Baufirmen mal vorher "richtig" ansieht (z.B. über Referenzen, Auskünfte bei den Kammern usw.) bleibt einem eine solche Enttäuschung meistens erspart !
Papa meint:
Um bis zu 100.000 Euro günstiger als andere Bauträger versprach Rosenthal seinen Kunden

Immer nur Billig und Günstig, da setzt das Hirn wohl einfach mal aus.
Wo soll denn die Ersparniss herkommen.
Gute Arbeit hat seinen Preis.Wohl auch Studiert oder wie?

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