Brot wird teurer
Landwirt spekuliert auf guten Weizenpreis
Donnerstag, 12. August 2010 18:20
- Von Undine Brandt
Havighorst. Regen ist das, was André Bubert derzeit überhaupt nicht sehen mag. Der macht den Weizen nass und nasses Getreide kann der Landwirt nicht dreschen. „Aber viel länger darf der Weizen nicht stehen bleiben, dann leidet die Qualität“, weiß der 34-Jährige.

Foto: Undine Brandt
Noch ist der Weizen zu nass und die Niederschlagsmenge zu hoch. Landwirt André Bubert kann sein Getreide noch nicht ernten.
Doch schlechte Qualität will kein Konditor und Bäcker haben. Im schlimmsten Fall müsste dann sein Weizen zu Tierfutter verarbeitet werden.
Für den Verbraucher bedeutet das nichts Gutes. Schon jetzt ist klar, dass Brot und Brötchen noch in diesem Jahr teurer werden. Die Ursache: Der Weizen ist knapp. „Aber nicht, weil die Ernte in Deutschland so schlecht ist, sondern weil die Ukraine und Russland nichts exportieren“, weiß Bubert. Das treibt den Preis an der Börse in die Höhe. Was den Verbraucher ärgert, freut den Landwirt. Denn damit steigt sein Gewinn.
Im Frühjahr wurde der Weizen noch mit 13 Euro pro 100 Kilogramm gehandelt. Würde der junge Landwirt jetzt verkaufen, würde er für 100 Kilogramm sieben Euro mehr bekommen.
Die Börse bestimmt den Preis
Dass der Preis morgen auch noch so gut ist, darauf kann sich Bubert nicht verlassen. „Der ändert sich täglich, ist abhängig vom Geschehen an der Börse.“ Deswegen telefoniert der Landwirt auch fast jeden Tag mit seinem Händler beim Landhandel. Schon jetzt kann er sagen: „Wenn der Preis so bleibt, wird es eine finanziell gute Ernte.“ Da sei es dann auch egal, dass einige Hundert Liter Heizöl für die Trocknungsmaschine draufgehen. Die braucht der Landwirt, damit feuchtes Getreide nicht anfängt zu schimmeln.
Ob die Ernte auch tonnen- und qualitätsmäßig gut ist, das zeigt sich erst, wenn der Weizen tatsächlich gedroschen ist.
Über Börsengeschäfte und Weltmarkt mussten sich sein Vater, Großvater und Urgroßvater – der Hof wird seit 350 Jahren an die nächste Generation weitergegeben – noch keine Gedanken machen. Da war der Preis noch nicht solchen Schwankungen unterworfen. „Zwei Euro nach oben und unten – größer waren die Unterschiede nicht.“
Trotz der Unsicherheit sieht Bubert in dem Börsengeschäft auch Positives: „Ich kann jetzt schon für einen guten Preis meine Ernte vom nächsten Jahr verkaufen. Und das, obwohl sie noch nicht einmal im Boden ist.“
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