Garnelen
Mehr als filigranes Nutzvieh
Sonntag, 18. Juli 2010 21:44
- Von Susanne Tamm
Oststeinbek. Zwei Oststeinbeker Brüder setzen Trends in Sachen Aquaristik. Sie bieten Ziergarnelen an.

Foto: Susanne Tamm
Nicht den Fischen, sondern den unten am Boden grasenden Garnelen gilt Carsten und Frank Logemanns (re.) Interesse.
Der Name Garnelenhaus hat schon zu manchem Missverständnis geführt: „Ab und zu kommen Leute und fragen: ‚Ach das ist gar kein Restaurant?’“, erzählt Frank Logemann. Hinter dem Namen des Geschäftes, das ihm und seinem Bruder Carsten gehört, verbirgt sich ein neuer Trend der Aquaristik: Die Logemanns züchten und verkaufen jetzt an der Möllner Landstraße 77 Ziergarnelen in allen Farben – Rot, Schwarz, Weiß, Blau, Grün, Gelb und Gescheckt. Ihre Schützlinge sind oft winzig, schaufeln emsig Nahrung in sich hinein und sind dabei recht genügsam.
„Fische schwimmen nur von links nach rechts und wieder zurück – bei Garnelen ist das anders“, stellt Frank Logemann fest. „Es macht Spaß, sie zu beobachten: Wie sie mit ihren kleinen Scheren grasen, dabei auch aneinander geraten. Und sie vermehren sich auch im Aquarium rasant.“
Erstmals entdeckte er die filigranen Tiere im Jahr 2000 in einer Zoohandlung. Dort wurden die Agano Garnelen Aquarienbesitzern als „Nutzvieh“ angepriesen: als Algenfresser. „Ich fand sie spannend und nahm einige mit“, erinnert sich der 39-jährige Oststeinbeker. Nach fünf Wochen hatte er seine Fische verkauft und sein Herz an die kleinen, rastlosen Tiere verloren. Ursprünglich stammen sie aus China und Südostasien.
„Im Internet war über sie noch so gut wie nichts zu finden.“ Mittlerweile sind die Brüder Logemann selbst gefragte Experten. Sie haben zwei Bücher über Ziergarnelen geschrieben und wurden von den beiden großen Aquaristik-Firmen Tetra und Dennerle um Rat gefragt, als die den Garnelenmarkt für sich entdeckten. Da wurden die Brüder doch hellhörig: Zuerst gaben sie die Baby-Garnelen an Freunde und Bekannte weiter. Immer häufiger gab es auch Anfragen übers Internet.
Sie hatten Blut geleckt, als sie merkten, wie einfach die Zucht war. „Wir hatten plötzlich 300 Jungtiere“, erzählt Logemann. „Das stellte sich zwar als Anfängerglück heraus, doch es ist nicht schwierig, die wirbellosen Tiere zu vermehren.“ Carsten Logemann war zuvor im Autohandel, sein Bruder Frank in der Wohnungswirtschaft tätig. „Irgendwann mussten wir uns entscheiden“, sagt er.
2007 war es soweit: Die Brüder machten sich mit einem Online-Handel selbstständig. „Bisher haben wir es nicht bereut“, stellt er fest. Sie machen im Jahr etwa 300.000 Euro Umsatz mit Taiwan-Bienen, King-Kong- oder Redfire-Garnelen. Aber auch Zwergflusskrebse, Schnecken sowie Pflanzen und Zubehör haben sie im Programm. Die Garnelen kosten zwischen 1,90 und 180 Euro das Stück. Ihr Vorteil: Für die Haltung reichen schon kleine Becken von 20 oder 30 Litern. Und die Tiere brauchen nur frisches, fließendes Wasser. Ansonsten reicht alle drei Tage eine Futtertablette.
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