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Der vielleicht skurrilste HSV-Fanclub Deutschlands

Oststeinbek. Dirk-Michael Aleidt hat es eilig. In knapp einer Stunde tritt der Hamburger SV in der Fußball-Bundesliga bei Bayer Leverkusen an. Der 42 Jahre alte Bankangestellte streift noch schnell sein Polohemd mit dem aufgestickten HSV-Emblem über, dann nimmt er die Beine in die Hand.
HSV-Fanklub Ostbeker Flut
Foto: Hanno Bode
Die Mitglieder des HSV-Fanclubs „Ostbeker Flut“ vor ihrer Stammkneipe, dem „Ostbek-Treff“. Ins Stadion gehen die Anhänger beinahe nie – sie sind eine Fernsehgemeinschaft.
Er muss sich sputen, um die Partie seines Lieblingsvereins von einem guten Platz aus verfolgen zu können. Aleidt rennt allerdings mitnichten ins Stadion. Dort waren der Vorsitzende des Fanclubs „Ostbeker Flut“ und seine Mitstreiter schon lange nicht mehr. Ihre Arena heißt „Ostbek-Treff“ und ist eine kleine Kneipe an der Möllner Landstraße. „Wir haben uns gegründet, um in der Gemeinschaft Fußball im Fernsehen zu schauen“, erklärt Aleidt. Klingt kurios, und ist es auch.
Während Tausende anderer Mitglieder der über 700 offiziellen HSV-Fanklubs in der Welt teilweise ihr letztes Hemd geben, um ihre Stars live vor Ort zu erleben, präferieren die Oststeinbeker das TV-Erlebnis. „Das ist doch entspannter und gemütlicher“, meint Aleidt, der schon zu Jugendzeiten einen Fanclub zum Fernsehgucken gründen wollte.
Vor zwei Jahren setzte der Bänker seine Idee dann in die Tat um. Hatte er zu Beginn noch acht Mitstreiter, sind es heute 60, davon zehn Frauen. „Vom Steuerberater über den Unternehmer bis hin zum Hartz-Vier-Empfänger ist alles dabei“, erzählt der Präsident.
Inzwischen ist er im „Ostbek-Treff“ angekommen. Die Kneipe ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Noch allerdings herrscht eher Kaffeekränzchen- denn Stadionatmosphäre. Es wird über die Arbeit, den Hund sowie den neusten Klatsch- und Tratsch aus der Nachbarschaft geplaudert. Mit dem Anpfiff verwandelt sich die Kneipe dann aber in einen kleinen Hexenkessel. Die eher dürftige Leistung des HSV sowie einige Schiedsrichter-Entscheidungen bringen das Blut der Fans in Wallung. „Du Spinner“, schreit Michael Baaß, von Beruf Kommissar, in Richtung der großen Leinwand, auf der das Duell übertragen wird. Neben ihm sitzt Holger Rochow. „Den muss er doch machen“, meint der Rechtsanwalt nach einer vergebenen Chance von Mladen Petric. 70 Minuten später ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt. Der HSV hat 2:4 verloren. Da ist es nicht tröstlich für die „Fernseh-Fans“, dass der leblose Auftritt zumindest kein Geld für eine Eintrittskarte gekostet hat.
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