Eltern blocken ab
Vorläufiges Aus für gebundene Ganztagsschule in Glinde
Donnerstag, 11. März 2010 19:22
- Von Hanno Bode
Glinde. Die Zeit des Rätselns ist für Schulleiter Volker Wurr seit Donnerstag beendet: Die Integrierte Gesamtschule (IGS) Glinde am Holstenkamp wird zum neuen Schuljahr nicht zur gebundenen Ganztagsschule.

Foto: Hanno Bode
Der Elternbeirat der IGS hat seine Zustimmung zur neuen Schulform verweigert und dies am Donnerstag Bürgermeister Uwe Rehders per Brief mitgeteilt. „Wir sind grundsätzlich für die gebundene Ganztagsschule, haben uns jetzt aber dagegen ausgesprochen. Wir sehen derzeit keine Perspektive, weil völlig unklar ist, wann mit der Sanierung oder dem Neubau des Unterstufen- und Förderschulgebäudes begonnen wird“, erklärt die Elternbeirats-Vorsitzende Dr. Dörte Nowacki.
Nach dem schleswig-holsteinischen Schulgesetz geht es ohne die Zustimmung des Gremiums nicht.
Der vom Kulturausschuss beschlossene und anschließend gestellte Antrag, dass die IGS zu einer gebundenen Ganztagsschule werden soll, ist damit nichtig. „Wir können die Bedingungen der Eltern derzeit nicht erfüllen. Ich denke aber nicht, dass die Sache damit für immer vom Tisch ist“, sagt der Kulturausschuss-Vorsitzende Werner Braun (SPD). Die Stadt werde seiner Ansicht nach in 2011 erneut einen Antrag stellen. Der Wunsch nach der neuen Schulform ist allen Parteien gemein.
„Unser Bestreben sollte nun erst einmal sein, alles zu sanieren“, sagt Wurr. Die Voraussetzungen für eine gebundene Ganztagsschule, bei der die Schüler von Montag bis Donnerstag von 8 bis 16.15 Uhr und am Freitag bis 13 Uhr unterrichtet werden, kann die IGS auch wegen des Raummangels nicht erfüllen. „Wir benötigen mehr als 600 Quadratmeter zusätzlich“, sagt Wurr. Die Sanierung oder der Neubau des Förderschul- und Unterstufengebäudes sowie die Erweiterungsmaßnahmen würden zwischen fünf bis sieben Millionen Euro verschlingen. Eine Summe, die die Stadt allein aufbringen müsste.
Aus Kiel ist für diese Maßnahmen kein Geld zu erwarten. Das Bildungsministerium übernimmt lediglich die Kosten für die sechs zusätzlichen Wochenstunden – rund 50.000 Euro.
Nun also ist die Politik gefragt. Die Stadt lässt gerade einen Sanierungsplan erstellen. Bis der durch alle Gremien ist, ist das Jahr vorbei, befürchtet Braun. Er geht davon aus, dass die Sanierungsmaßnahmen nicht vor 2015 abgeschlossen sind.
Womöglich zerschlägt sich die Idee einer gebundenen Ganztagsschule auch gänzlich. Wenn am Montag die Anmeldefrist für das neue Schuljahr beginnt, wird Wurr den Eltern einen Fragebogen zur Schulform beilegen. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Mehrheit für das Konzept ausspricht.
Die IGS, die vom neuen Schuljahr an Gemeinschaftsschule Wiesenfeld heißen wird, setzt zunächst auf das Modell der offenen Ganztagsschule. Heißt: Neben dem Unterricht wird ein freiwilliges Nachmittagsprogramm angeboten, an dem Vereine und Verbände beteiligt sind. Die Eltern können zu Beginn des Schuljahres entscheiden, ob ihre Kinder das Ganztagesangebot wahrnehmen.
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