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Engagierte, junge und billige Arbeitskräfte

Glinde. Wohin Jannes auch geht, Elisa ist an seiner Seite. Obwohl 17 Jahre zwischen dem Zivildienstleistenden und dem Kitakind liegen, verstehen sich beide gut. „Das ist schon eine tolle Erfahrung“, sagt der 20 Jahre alte Glinder.
Jannes Deter hat während seiner Zivildienstzeit im Integrationskindergarten „Wilde Wiese“ nicht nur viel über das Leben gelernt, sondern auch die dreijährige Elisa als Fan gewonnen.
Foto: Alexander Landsberg
Jannes Deter hat während seiner Zivildienstzeit im Integrationskindergarten „Wilde Wiese“ nicht nur viel über das Leben gelernt, sondern auch die dreijährige Elisa als Fan gewonnen.
Für ihn ist die Arbeit im evangelischen Integrationskindergarten „Wilde Wiese“ ein Stück Lebenserfahrung: das erste Mal arbeiten, das erste Mal Geld verdienen, das erste Mal Kinder füttern, Windeln wechseln, Kinder in ihre Schranken weisen. „Manchmal ist das anstrengend, aber immer lehrreich“, sagt der Zivildienstleistende. Und für die Kitaleitung ist er eine große Hilfe.
Vom kommenden Jahr an wird das voraussichtlich anders werden: Vom 1. Januar 2011 an soll der Zivildienst (wie der Wehrdienst) statt neun nur noch sechs Monate dauern. Das haben CDU und FDP im Koalitionsvertrag vereinbart. Sozialverbände sind alarmiert. Einen tiefen Einschnitt befürchtet auch Sabine Becker. Der Schreibtisch der Kita-Leiterin ist voll, vieles muss sie nebenbei erledigen.
„Wie das werden soll, kann ich mir noch gar nicht vorstellen“, sagt die 45-Jährige. Viele Personalchefs, egal ob in Krankenhäusern, Rettungsdiensten, Altenheimen oder Kindergärten denken wie sie, fürchten sich vor der Kürzung des Zivildienstes.
Neben Jannes arbeiten noch zwei weitere Zivildienstleistende in der „Wilden Wiese“, doch selten sind alle drei gleichzeitig in der Kita. Schon für die Einweisung und Einarbeitung brauche man gute zwei Monate, erzählt die Kita-Leiterin. Die jungen Schulabgänger müssten ja erst einmal „richtig ankommen“. Aufwendig ist das in einem Kindergarten, in dem Kinder mit und ohne Behinderungen zusammen aufwachsen. Zudem gibt es weitere Zeiten der Abwesenheit, etwa ein Monat Urlaub und drei Wochen für Lehrgänge.
„Da bleibt nach all dem Aufwand kaum noch Zeit für die eigentliche Arbeit. Wenn dann noch jemand krank ist, wird’s richtig eng“, sagt Becker. Dann lohne sich der ganze Aufwand kaum noch.
Sie sagt aber auch, dass Zivildienstleistende immer noch billige Arbeitskräfte sind, ohne die es nicht geht: „Wenn wir sie nicht hätten, würde das ganze System zusammenbrechen.“ Als Ersatz weitere Mitarbeiter einzustellen – dafür gebe es keinen finanziellen Spielraum.
Derzeit kostet ein Krippenplatz im Monat für unter Dreijährige 384 Euro. Dazu kommen die Kosten für das Mittagessen von 44 Euro. „Viele Familien müssen jetzt schon rechnen“, berichtet Becker. Sie weiß auch, dass einige sich den Platz bei weiter steigenden Kosten gar nicht mehr leisten könnten.
Am 31. Mai endet der Zivildienst von Jannes Deter. Dann muss er nicht mehr um 6 Uhr früh aufstehen. Für ihn ist der Wehrdienst längst überholt, doch der Zivildienst, der wäre schon wichtig. Schon jetzt seien ihm die Kinder ans Herz gewachsen und er verspricht: „Ich werde auch nach meinem Dienst wiederkommen, die Entwicklung der Kinder beobachten.“ Sabine Becker hört das gern. Sie ist zufrieden mit ihrem Zivildienstleistenden, die Zusammenarbeit und das Klima sind gut. Da sind sich beide einig.
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