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Salzflaute im Supermarktregal

Glinde. Mittwoch war für Jürgen Kükule ein Glückstag: Seit einer Woche rennt sich der Witzhavener die Hacken ab auf der Suche nach einem Päckchen Kochsalz.
Stefan Kerlin bekam gestern immerhin eine kleine Salz-Lieferung.
Foto: Undine Brandt
Stefan Kerlin bekam gestern immerhin eine kleine Salz-Lieferung.
„Ich war in etlichen Geschäften – bei Lidl, Aldi, Penny – in Glinde, Witzhave und Hamburg, und überall war das Kochsalz aus.“ Fündig wurde er gestern in der Edeka-Filiale Junius an der Marktpassage.
„Das ist großer Zufall“, sagt Filialleiter Stefan Kerlin. Die Lieferung sei morgens eingegangen – ein einzelner Karton mit 24 500-Gramm-Packungen. „Einen Tag – länger reichen wir damit nicht“, weiß Kerlin. Doch sie könnten so viel bestellen, wie sie wollten, geliefert werde so gut wie kaum. Das gehe nun schon seit Anfang Januar so. Engpässe gibt es sowohl beim Jod- als auch beim Kochsalz. Nur Kräutersalz ist noch ohne Probleme zu haben.
„Unsere Lager sind leer“, bestätigt Marion Grundmann, Pressesprecherin der Edeka Regionalgesellschaft Nord. Auffüllen sei nicht so einfach möglich, da die Industrie bei der Lieferung Kontingente eingeführt hat. Edeka Nord wird aus den Salinen von Südsalz, dem größten deutschen Salzhersteller mit Sitz in Heilbronn, beliefert. Der Hersteller vertreibt sowohl Speise- als auch Gewerbe-, Pharma- und Industriesalz.
„Die große Nachfrage nach Streusalz ist bei den eisigen Temperaturen ja verständlich, aber die nach Kochsalz hat uns schon sehr überrascht“, gesteht Südsalz-Geschäftsführer Hans-Joachim Voss. Normalerweise nehme der Verkauf in der Zeit vor Weihnachten zu und danach wieder ab. Doch in diesem Jahr sei die Nachfrage ungebremst. Die Ursache dafür sieht er in dem langen Winter. „Da greifen viele Bürger wohl zum Kochsalz, um Gehwege zu streuen.“ So ein kleines Paket sei ja auch leicht zu handhaben.
Doch trotz des großen Bedarfs kann Südsalz die Produktion nicht einfach erhöhen. Das Salz – sowohl für die Straße als auch für den Kochtopf – wird nämlich unter Tage in Schächten abgebaut. Und da ist die Förderkapazität begrenzt. „Das ist wie in einem Fahrstuhl: Wenn der voll ist, ist er voll“, erklärt Dieter Krüger, Sprecher des Verbandes der Kali- und Salzindustrie mit Sitz in Berlin. Der Bau zusätzlicher Schächte könnte Abhilfe schaffen, doch das kostet viel Zeit für die Genehmigungen und noch mehr Geld. „Ob sich dieser Einsatz lohnt?“, zweifelt Krüger. „Wer weiß, wie der nächste Winter wird?“
Von einem Engpass bei Kochsalz hat Krüger bislang nur aus Hamburg und Umgebung gehört. In anderen Regionen sei die Situation entspannt. Jürgen Kuküle zumindest ist froh über seinen Glückstreffer. Zur Sicherheit kaufte er gleich drei Pakete: „Denn Kartoffeln ohne Salz schmecken einfach nicht.“
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