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Zwischen Kunst und Karies

Oststeinbek. Viele seiner Patienten wissen nicht, wer ihn da eigentlich behandelt. Natürlich ein studierter und seit kurzem auch promovierter Zahnarzt. Aber in der Brust von Dr. Theo Römer wohnen zwei Seelen.
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Dr. Theo Römers Auftritt in der Rockoper Jesus Christ Superstar. Musik ist neben der Zahnmedizin seine zweite Leidenschaft.
Foto: Roemer
Dr. Theo Römers Auftritt in der Rockoper Jesus Christ Superstar. Musik ist neben der Zahnmedizin seine zweite Leidenschaft.
Von Mittwochabend, 29. Januar an werden das alle seine Patienten wissen. Weil seine Praxis seit 25 Jahren besteht, lädt der Mediziner zu einem Liederabend in den Bürgersaal ein. Der 60-Jährige singt selbst. Arien und Lieder von Schubert, Haydn, Mozart und Gershwin. Denn Theo Römer hat neben Medizin auch Gesang studiert.
Als 25-Jähriger legte er an der Hochschule für Musik in Hannover das Opernexamen ab. „Aber ich war skeptisch, ob ich mit meiner Bassstimme genügend Engagements bekomme“, sagt Theo Römer. Denn so schöne Rollen wie der Sarastro in Mozarts „Zauberflöte“ oder Daland in Wagners „Der fliegende Holländer“ werden mit älteren Sängern besetzt. Deshalb ging er auf Nummer sicher und begann Medizin zu studieren. Seitdem führt er ein Leben zwischen Musik und Medizin. Denn noch während des Studiums gewann er internationale Gesangswettbewerbe in Sofia und Barcelona, so dass er sich nach dem Physikum wieder der Oper zuwandte.
Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass er sich zwischen seinen Leidenschaften entscheiden musste. Nach Engagements am Landestheater Coburg, wo er seine Frau, die Schauspielerin Heidrun Petersen, kennenlernte, und in München, schlug sein Lebenspendel wieder in die andere Richtung aus. Theo Römer setzte sein Zahnmedizin-Studium in Hamburg fort und eröffnete mit einem Freund eine Praxis. Aber das Singen blieb immer wichtig für ihn. Neben seiner Arbeit gab er Konzerte unter anderem in der Royal Albert Hall in London, im Festspielhaus Salzburg, in Frankreich, Spanien und den USA.
„Irgendwann wurde es mir aber zu viel“, so Theo Römer. Die Praxis, mit der er sich inzwischen auf Implantologie spezialisiert hatte, forderte seine ganze Kraft. Deshalb nahm er im Alter zwischen 40 und 50 Jahren keine Engagements mehr an. Zehn Jahre lang keine Auftritte. Dennoch blieb die Sehnsucht: „Der typische Geruch in der Maske, die Bühne, das hat mir sehr gefehlt“, sagt er. Aber das Leben mache manchmal merkwürdige Sachen, sinniert der Arzt. Ein seltsamer Zufall brachte erneut eine Wende. Als er im exklusiven 5-Sterne Hotel Schloss Elmau (Oberbayern), das über zwei Konzertsäle verfügt, Urlaub machte, bekam eine amerikanische Pianistin heftige Zahnschmerzen. Das Hotel bat Dr. Römer um Hilfe. Mit einem Konzert wollte sich die Pianistin bedanken. Als sie erfuhr, dass Theo Römer Sänger ist, bestritten sie den Abend gemeinsam und er wurde von ihr nach Boston eingeladen, wo sie das Konzert wiederholten.
Seitdem versucht der Vater zweier Töchter den Spagat zwischen Kunst und Karies. Er gibt im Jahr vier bis fünf Konzerte und spielt in einer Produktion, wie etwa in der Rockoper „Jesus Christ Superstar“.
Im Herbst wird er in Kairo an der Oper Schuberts „Schwanengesang“ vortragen und am Valentinstag, 14. Februar, um 10 Uhr Liebeslieder im Gottesdienst in der St. Johannis-Kirche in Harvestehude. Zwei Seelen in einer Brust aufs Schönste vereint. Das Konzert am 29. Januar ist restlos ausverkauft
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