Feuer
War es womöglich Brandstiftung?
Montag, 14. Dezember 2009 21:08
Glinde. Familie W. verlor durch ein Feuer einen 77-jährigen Angehörigen. Jetzt ermittelt die Kripo, ob der Rentner selbst zündelte.
Fassungslos stehen Andreas W., sein Bruder Wolfgang W. und dessen Frau Anja vor dem, was von ihrem Haus am Papendieker Redder übrig geblieben ist. Ein Feuer hatte sie und ihre Familien sowie Rita W., die Mutter von Andreas und Wolfgang W., in der Nacht zu Montag innerhalb kurzer Zeit zu Obdachlosen gemacht – und ein Familienmitglied das Leben gekostet. Denn für den Bruder von Rita W. kam jede Hilfe zu spät, obwohl die Feuerwehr schnell vor Ort war.
Der 77-Jährige, der im Dachgeschoss eines Anbaus wohnte, hatte keine Chance. Das Feuer hatte sich explosionsartig ausgebreitet. „Die Wohnung muss innerhalb von Sekunden in voller Ausdehnung gebrannt haben“, sagt Tom Reher, Sprecher der Glinder Wehr. Das wirft die Frage nach der Brandursache auf: Die Feuerwehr fand einen Kanister dort, wo zuvor das Feuer ausgebrochen war. War es Brandstiftung?
Diese Ungewissheit macht den Tag nach dem Unglück noch schwieriger für die anderen Hausbewohner. Dabei haben sie schon genug damit zu kämpfen, die Erlebnisse der Nacht zu verarbeiten. „Aufgeweckt hat mich ein Rumpeln“, erzählt Andreas W., der im Obergeschoss des Vorderhauses lebte. „Aufgestanden bin ich aber erst, als ich Stimmen rufen hörte: ‚Alle raus!’.“ Der 43-Jährige weckte seine Ehefrau Stefanie (42) und den zehnjährigen Sohn. Als sie aus dem Haus kamen, waren alle Mitglieder der Familie, die dort in insgesamt vier Wohnungen lebten, versammelt – bis auf den 77-Jährigen Bruder von Rita W. Als die Flammen meterhoch aus dem Dach schlugen, war schnell Gewissheit, dass der nicht mehr zu retten sein würde.
Es sind nur wenige Habseligkeiten, die den Brandopfern geblieben sind. „Das Löschwasser hat alles kaputt gemacht“, erzählt Anja W. (46), die mit Ehemann Wolfgang und den zwei Söhnen (fünf und acht Jahre) im Erdgeschoss des Hauses wohnte, mit tränenerstickter Stimme. Erst einmal sind sie bei Verwandten in Neuschönningstedt untergekommen. „Für alle ist es da auf Dauer zu eng“, sagt Andreas W.
Doch bei aller Niedergeschlagenheit sind die W.s auch dankbar. „Wir haben sehr viel Glück gehabt, mit unseren Kindern unverletzt aus dem Haus gekommen zu sein“, sagt Anja W. Ihr Blick fällt noch einmal auf das, was bis vor wenigen Stunden ihr Heim gewesen war. Passanten bleiben bei den W.s stehen. Als sie hören, was passiert ist, versuchen sie, mit Worten ein wenig Trost zu spenden. Andreas, Wolfgang und Anja W. steigen ins Auto und fahren wieder nach Neuschönningstedt – zumindest auf Zeit ihr neues Zuhause.
Bergedorfer Zeitung Online
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