Bürgermeisterwahl

Jan Schwartz will ins Rathaus einziehen

Jan Schwartz will auf die Bürger – wie hier Ursula Meyer – stärker zugehen.

Foto: Imke Kuhlmann / BGZ

Jan Schwartz will auf die Bürger – wie hier Ursula Meyer – stärker zugehen.

Glinde. 58-jähriger Journalist (Bündnis 90/Die Grünen) wirft seinen Hut in den Ring. Und zwar noch bevor der Wahltermin feststeht.

Glinde.  Der Zeitplan für die Bürgermeisterwahl braucht nur noch gestartet werden: Am Donnerstag, 23. Februar, besetzen die Stadtvertreter den Gemeindewahlausschuss. Der legt in der ersten Sitzung im März den Wahltermin fest. Noch bis zu 55 Tage vorher können Kandidaten antreten.

Neben dem amtieren Bürgermeister Rainhard Zug (46) wirft nun schon einmal Jan Schwartz (58) seinen Hut in den Ring. Der Ortsvorsitzende und Vize-Fraktionschef der Grünen hat seit 2008 ein Mandat als Stadtvertreter und wohnt seit 2002 in Glinde. Seit 2008 ist der Finanz- und Wirtschaftsjournalist, Leiter des Norddeutschland-Büros der Agentur Reuters in Hamburg, auch Mitglied der Grünen. Im August 2011 sagte er unserer Redaktion noch, Journalist sei sein Traumberuf, die Politik eher Freizeitausgleich.

Zwei Ziele hat er als Politiker erreicht

„Das hat sich im Laufe der Jahre tatsächlich geändert“, stellt Jan Schwartz fest. „Das Engagement und damit auch die Ernsthaftigkeit sind gewachsen. Heute ist mein Interesse an der Glinder Politik ebenso stark wie am Journalismus.“

Als Stadtvertreter hat der Vater einer Tochter (20) zumindest zwei seiner Ziele, mit denen er 2013 im Kommunalwahlkampf angetreten war, erreicht: Der Tønsberg-Laden ist aus Glinde verschwunden und ein Jugendzentrum in der ehemaligen Jever Deel beschlossen. Seine Frau Petra Grüner ist ebenfalls als grüne Stadtvertreterin aktiv. Die anderen Ziele verfolgt er weiter: „Wir brauchen ein grundlegendes Konzept für die Innenstadt sowohl für die Verkehrs- als auch für die Bauplanung. Der öffentliche Nahverkehr und der Radverkehr müssen stärker verschränkt werden. Da passiert in Glinde zuwenig.“ Seine Idee: zusammen mit den Trägern überlegen, wie man den Verkehr gestaltet.

Schwartz ist gegen Bebauung am Westend

Aber auch das bauliche Gesicht des Zentrums beschäftigt Jan Schwartz, der schon im Studium den Schwerpunkt Raumplanung gewählt hatte. „Das wir Politiker gegen den Abriss der einstigen Moschee und des Filou nichts ausrichten konnten, macht mich richtig traurig“, sagt Schwartz. „Ich bin auf jeden Fall dagegen, dass der westliche Marktplatz bebaut wird.“ Wenn doch, müsse man die Bürger einbeziehen.

Hin- und hergerissen ist er, was weitere Baugebiete in Glinde angeht. „Das ist ein Balance-Akt“, räumt Schwartz ein. „Einerseits stehe ich dazu, dass wir keine neuen Baugebiete brauchen. Andererseits sehe ich den Bedarf an bezahlbaren Wohnungen. Allerdings haben wir keine politischen Möglichkeiten, um diese zu schaffen.“ Dafür gebe es nur kleine Areale, wie etwa das Grundstück hinter der Haspa an der Möllner Landstraße.

Er will mehr Transparenz und Beteiligung

Am wichtigsten ist ihm aber mehr Transparenz und Beteiligung der Bürger. „Ich schätze Rainhard Zug als Verwaltungsexperten sehr“, sagt Schwartz. „Aber mir fehlt ein Bürgermeister, der auf die Glinder zugeht, so dass sie sich ernstgenommen fühlen. Da möchte ich eine Wende herbeiführen und rechne mir daher auch Chancen aus.“

Durch seinen Studienschwerpunkt sei er zwar kein Experte, aber doch auf Verwaltung vorbereitet. Ansonsten wolle er ein Team-System pflegen: „Ich will eng mit den Amtsleitern zusammenarbeiten. Wenn man ihnen mehr Raum zur Entfaltung gibt, kann sie das motivieren. Es knirscht nämlich auch in der Verwaltung“, so Schwartz.

CDU und SPD warten noch ab

Ob die CDU, wie bei der letzten Bürgermeister-Wahl wieder Rainhard Zug unterstützt, steht noch nicht fest. „Wir wollen abwarten, wer sich bewirbt und suchen uns den besten Kandidaten aus“, sagt Dr. Rainer Neumann, CDU-Ortsvorsitzender. Wenn sich herausstelle, dass der beste Kandidat ein Grüner ist, sei das für die CDU kein Problem. „Sicher aber ist, einen eigenen Kandidaten werden wir nicht aufstellen“, so Neumann.

Auch bei der SPD ist noch alles offen: „Wir sind noch in der Findungsphase“, sagt ihr Ortsvorsitzender Frank Lauterbach. Im März wollen sich die Kandidaten Schwartz und Zug den Genossen vorstellen. „Dass wir uns dann schon festlegen, bezweifle ich“, sagt er. Schließlich könnten sich auch Interessierte von außen für den Chef-Posten bewerben. Lauterbach: „Begrüßen würde ich es, wenn darunter auch mal eine Frau ist.“