Schriftgröße: A A A
Logo der Bergedorfer Zeitung
http://www.bergedorfer-zeitung.de/glinde/article16444/Noch_ein_Kinderhaus_fuer_Glinde.html
Link in E-Mail oder Instant-Message einfügen close

Noch ein Kinderhaus für Glinde?

Glinde. Der Kinderschutzbund will ein Kinderhaus in Glinde eröffnen. Dabei hat die Stadt schon eines und viele freie Träger, die sich - zusammengeschlossen im sozialpädagogischen Netzwerk - um das Wohl des Nachwuchses sorgen.
Im Treppenhaus des Kinderhauses haben sich betreute Kinder an der Wand verewigt. Leiter Matthias Richter (52) hofft, dass der Kinderschutzbund nicht zur Konkurrenz werden wird.
Foto: Sandra Barth
Im Treppenhaus des Kinderhauses haben sich betreute Kinder an der Wand verewigt. Leiter Matthias Richter (52) hofft, dass der Kinderschutzbund nicht zur Konkurrenz werden wird.
"Die Angebote, die das Netzwerk abdeckt, sind mehr als der Kinderschutzbund machen könnte", sagt Matthias Richter, Leiter des Kinderhauses Südstormarn.
Richter hat 1992 das Kinderhaus der Südstormarner Vereinigung für Sozialarbeit (SVS) in Glinde gegründet. Mit vier Mitarbeitern werden in der Einrichtung am Schlehenweg 1 b Kinder aus schwierigen Verhältnissen betreut. Die Sieben- bis 13-Jährigen kommen nach der Schule ins Kinderhaus, wo sie Mittag essen und Hilfe bei den Hausaufgaben haben. Ihnen werden dort Freizeitaktivitäten geboten und eine feste Bezugsperson steht ihnen zur Seite. Eine Sicherheit, die viele der Kinder, von denen die meisten aus Hartz-IV- und Geringverdiener-Familien stammen, von zu Hause nicht kennen.
"Indem wir für sie einen festen Rahmen schaffen, wirken wir ihren Bindungsproblemen entgegen", sagt der 52-jährige Psychologe und betont, dass das Elternhaus nicht ersetzt, sondern ergänzt wird - im Durchschnitt über einen Zeitraum von zwei bis vier Jahren. Dabei arbeitet das Kinderhaus eng mit den Schulen, Einrichtungen freier Träger wie der Sönke-Nissen-Park-Stiftung, der Arbeiterwohlfahrt (Awo), dem Beratungszentrum Südstormarn sowie den Kirchen, der Stadt und dem Kreisjugendamt zusammen. Anfang 2007 gründeten sie das sozialpädagogische Netzwerk. "Alles, was mit Betreuung und Schutz des Kindeswohls zu tun hat, leistet bereits das Netzwerk", betont Richter, der hofft, dass der Kinderschutzbund nicht zur Konkurrenz wird. "Die kann zu Lasten der Qualität gehen, wenn dadurch ein Ideenwettbewerb losgetreten wird", sagt er.
13 Plätze hat das Kinderhaus, soll damit den Bedarf von Barsbüttel bis Reinbek abdecken. Mehr Geld für mehr Plätze gibt es nicht vom Finanzierer, dem Kreisjugendamt. "Hier besteht ein Mangel, wir sind selbst unzufrieden mit der Situation", räumt Richter ein. Auf 40 Plätze schätz der Kinderschutzbund, den Bedarf. Nur zehn wolle die Organisation zunächst schaffen, berichtet dessen Stormarner Geschäftsführer Ingo Loeding und betont: "Unsere Angebote zielen nicht darauf ab, andere überflüssig zu machen." Die Organisation wolle Teil des Netzwerkes werden.
Babysitter-Kurse oder Betreuter Umgang, bei dem Kinder und ein Elternteil nach einer Trennung sich mit Hilfe einer Begleitperson annähern, seien gute Konzepte des Kinderschutzbundes, lobt Richter. So sei es nur sinnvoll, dass er nach Glinde komme. Allerdings schränkt er ein: "Wir sind uns alle einig, dass Bedarf besteht, aber das Rad braucht man in Glinde nicht neu erfinden."

Onlineanzeigenannahme
nach oben
© Bergedorfer Zeitung 2008