27.03.12

Mahnwache

Bunter Strickprotest gegen rechte Mode

Glinde. "Urban Knitting" ist eine Straßenkunst, die aus England und Amerika herübergeschwappt ist. Gemeint ist damit die Verschönerung der Straße - mit Strickereien. Sabine Schröders Strickkunst dient einem guten Zweck: Sie protestiert damit gegen den umstrittenen rechten Shop am Glinder Berg. Von Undine Brandt

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Foto: Brandt

Sabine Schröder (l.) und Claudia Seneberg befestigen den "Schildstrumpf" mit einem Wollfaden.

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Auch die Poller am Glinder Berg bekommen bunte Wollmützen aufgesetzt.

Wann immer Sabine Schröder eine Minute nichts zu tun hat, greift die 48-Jährige zu Nadel und Wolle. Bislang strickte sie Anziehsachen für Menschen wie Pullover, Socken, Jacken, Mützen und Schals. Jetzt sieht man Schröders Strickmode auch am Glinder Berg. Vor dem umstrittenen Modegeschäft hat die Glinderin neun Pollern und einem Straßenschild ihre Stricksachen über- und umgestülpt. "Die sind jetzt bunt und farbenfroh – wie Glinde selbst", sagt Schröder. Es ist ihr Beitrag zum Protest gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit.

Auf die Idee, Schilder und Poller mit gelb, rot oder grüner Wolle einzukleiden, kam die Leiterin einer Strickgruppe durch einen Zeitungsartikel. "In England ist das gang und gäbe. Da gibt es sogar Telefonzellen und Busse in Wollsachen."

Bei den Teilnehmern der Mahnwachen kommen die bunten Poller gut an: "Man sieht sie so besser, läuft nicht so schnell dagegen und wenn man sich draufstützt, wird die Hand nicht kalt", sagt Claudia Seneberg. Auch andere scheinen an den Stricksachen von Sabine Schröder Gefallen zu haben: Zwei "Pollerstrümpfe" sind spurlos verschwunden. Das sei ärgerlich, aber auch kein allzu großes Problem, denn für einen eineinhalb Meter langen "Schildstrumpf" braucht die Handarbeitsexpertin nur wenige Stunden.

"Für mich ist Stricken pure Entspannung. Wo immer ich bin, habe ich mein Strickzeug dabei – im Wartezimmer, im Bus, vor dem Fernseher." Gelernt hat sie die Handarbeit mit acht Jahren von ihrer Mutter. Mittlerweile ist sie mit dem Hobby nicht mehr allein: "Stricken erlebt eine Renaissance." Und diesen Trend würde Schröder gern nutzen und träumt von einem eigenen Strickcafé, wo Kundinnen Wolle kaufen und sich bei Kuchen über Maschen und Strickmuster austauschen können. Doch bis zur Realisierung ihres Traumes ist es noch ein weiter Weg. Solange strickt Schröder erst einmal weiter. Ihr neuestes Projekt ist, ihr Gartenhaus bunt zu bestricken. "Das sieht sonst so farblos und traurig aus."

Am Mittwoch ist wieder von 17 bis 19 Uhr Mahnwache vor dem Modegeschäft am Glinder Berg.

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