21.03.12

Festnahme

Glinder (24) gesteht Mord an Liebhaber (73)

Glinde. Der Leichenfund in der Tiefgarage am Weg bei der Gutsmauer ist aufgeklärt. Die Polizei hat einen 24 Jahre alten Glinder festgenommen. Er hat gestanden, seinen 73-jährigen Liebhaber an Weihnachten mit einem Werkzeug erschlagen zu haben. Seitdem lag die Leiche im Kofferraum.

Glinde Leiche in Kofferraum
Foto: TVR-news Hier in der Tiefgarage im Wag am der Gutsmauer stand der schwarze Citroen wochenlang mit dem Toten im Kofferraum.

Das genaue Motiv für den Mord ist noch unklar, alles aber deutet auf eine Beziehungstat hin. Am Dienstag hat die Polizei einen 24 Jahre alten Glinder festgenommen. Er gestand, den 73-jährigen Hamburger Rentner Horst O. erschlagen zu haben. Beide hatten sich im Internet kennengelernt und unterhielten seit längerer Zeit eine sexuelle Beziehung.

Am 26. Dezember gerieten die homosexuellen Männer bei einem Treffen in Oststeinbek in Streit. Dabei soll der 24-Jährige seinen Freund mit einem Werkzeug erschlagen haben. Die Leiche legte er anschließend in den Kofferraum des Citroën. Den Wagen, der auf Horst O. zugelassen war, stellte der Täter über längere Zeit am Straßenrand in Glinde ab. Später mietete er einen Stellplatz in der Tiefgarage der Wohnanlage An der Gutsmauer. Hier stand das Auto wochenlang unbemerkt. Anwohnern war lediglich aufgefallen, dass es keine Kennzeichen hatte. Verwesungsgeruch hatten sie nicht festgestellt. Wäre in den vergangenen Tagen nicht mehrmals die Alarmanlage angesprungen und den Anwohnern auf die Nerven gegangen, würde die Leiche womöglich noch weiter im Kofferraum verwesen. Wegen der Ruhestörung riefen sie die Polizei. "Wer oder was den Alarm ausgelöst hat, wissen wir nicht", sagt Stefan Muhtz, Polizeisprecher aus Lübeck.

Eine Spezialeinheit der Lübecker Polizei nahm den 24-Jährigen noch am Dienstagabend in seiner Wohnung, ganz in der Nähe der Tiefgarage, fest. Der Glinder hatte den Stellplatz auf seinen Namen angemietet. Gestern wurde er dem Haftrichter vorgeführt. Der Haftbefehl lautet auf Totschlag.

Sein jahrelanger Lebensgefährte hatte Horst O. bereits Anfang des Jahres als vermisst gemeldet. Sie wollten eigentlich gemeinsam in Berlin Silvester feiern. Da war der 73-Jährige aber schon tot.

Der Mörder wohnte vis-à-vis

Die Leiche, die am Montag in der Tiefgarage gefunden wurde, war auch gestern noch Gesprächsthema unter den Anwohnern der Anlage An der Gutsmauer. Der Mörder wohnte vis-à-vis, womöglich in einer der 130 Wohnungen der Anlage. "Ich bin entsetzt über so viel Brutalität", sagt Janosz Piechaczek. Seit zehn Jahren lebt der Taxifahrer (47) im Haus Nummer sieben. Sein Aufgang sei ruhig, Probleme gab es bislang mit den 27 anderen Mietparteien nicht.

Mieter Janosz Piechaczek kann den Mordfall kaum fassen.
Foto: Brandt Mieter Janosz Piechaczek kann den Mordfall kaum fassen.

Das hat das Ehepaar aus Hauseingang Nummer eins ganz anders erlebt. Messerstechereien vor der Tür und Krawall auf dem Hof sind nur zwei Vorfälle. "Wir sind sehr unzufrieden mit der Wohngegend. Lieber gestern als heute würden wir unsere Wohnung verkaufen, werden sie aber nicht los", sagen die Glinder, die ihren Namen nicht nennen wollen. Ihr Wagen parkte in der Tiefgarage direkt gegenüber dem Citroën, in dem die Leiche seit Wochen im Kofferraum verweste. Dass der Wagen keine Kennzeichen hatte, verwunderte sie nicht. "Hier werden fast täglich Autos aus der Garage abgeschleppt", sagt der Pensionär. "Nur unsere Enkelin traut sich da jetzt nicht mehr runter."

Der Täter hatte es der Polizei nicht schwer gemacht, den Weg zu ihm zu finden. Der 24-Jährige hatte den Stellplatz in der Tiefgarage auf seinen Namen angemietet. Als die Zielfahnder der Mordkommission Lübeck am Dienstagabend vor seiner Tür standen, war er sofort geständig. Zu seinem Opfer, Horst O., unterhielt er seit Längerem eine sexuelle Beziehung. Warum er den 73-Jährigen am 26. Dezember in dessen Auto erschlug, ist laut Stefan Muhtz, Sprecher der Polizeidirektion Lübeck, noch nicht abschließend geklärt. Gegen den Täter erging gestern Haftbefehl.

"Schrecklich, was das passiert ist", sagt Mieterin Monika Beermann (50). "Und ich frage mich, was hier so für Menschen leben", ergänzt eine Nachbarin (30). "Bei dem ständigen Wechsel verliert man schnell den Überblick."

unb
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