15.03.12

Stammtisch

Es geht auch mal ohne Rampenlicht

Havighorst. Jeden zweiten Mittwoch um 19.00 Uhr treffen sich Musiker zum Stammtisch im Weinkontor Retana. An diesen Abenden ist das Weinkontor besonders gut besucht, weil aus dem Hinterzimmer handgemachte Musik zu hören ist. Von Annett Habermann

Klaus Lüers (re.) und Martin Friedenstab sind zwei von mehr als 20 Musikern beim Stammtisch im Retana.
Foto: Habermann Klaus Lüers (re.) und Martin Friedenstab sind zwei von mehr als 20 Musikern beim Stammtisch im Retana.

Manchmal wird es ein Abend mit keltischer Musik, weil jemand eine Harfe mitgebracht hat, und manchmal sind warme Frauenstimmen oder Gitarrengeschrammel durch die angelehnte Tür zum Hinterzimmer des Weinkontors Retana zu hören. Hier treffen sich Musiker jeden zweiten Mittwoch ab 19 Uhr zum Stammtisch. Manche stehen mehr, andere weniger im Rampenlicht, aber alle lieben die Wohnzimmeratmosphäre. "Es ist gemütlich, die Akustik ist gut", sagt Country-Musiker Milan Pillmann aus Hamburg und zupft die Saiten seiner Gitarre.

Anfangs sitzen die Musiker noch an dem großen Holztisch, packen langsam ihre Instrumente aus, reden über Neuigkeiten. Nach und nach trudeln Kollegen ein, zwischen 20 und 30 werden es meistens. Martin Friedenstab, der zum ersten Mal in Havighorst dabei ist, stimmt auf seiner Gitarre einen Song an, klimpert ein bisschen herum, während andere sich über die Vor- und Nachteile des Musikgeschäftes oder die Raffinessen ihrer Instrumente austauschen. Bald steigen die anderen ein, antworten mit ihren Instrumenten und spielen "Hotel California" von den Eagles. Köpfe wackeln, Füße wippen, ihrer Begeisterung machen die Musiker mit "Yeah"-Ausrufen Luft.

Friedenstab ist Hamburger und oft in Clubs auf St. Pauli zu hören. Von den anderen Musikern kennt der 47-Jährige bisher niemanden. Doch dabei wird es im Laufe eines Stammtisch-Abends, der meist weit bis nach Mitternacht dauert, nicht bleiben. "Wenn man sich ohne Instrumente gegenübersitzt, hätte man sich vielleicht nichts zu sagen. Musik ist eine eigene Sprache", sagt Friedenstab. Und so findet der eine einen Bassisten für den nächsten Gig, der andere einen guten Tipp, wo man auftreten könnte. Der Stammtisch ist Plattform für Musikergesuche, Instrumenten- und Konzertbörse und Anfängerstarthilfe in einem. Sabine Virchow, Besitzerin des Weinkontors, hat ihn vor einem Jahr initiiert.

"Wir haben viele Konzerte und stellten fest, dass viele Musiker sich gar nicht kennen. Seit es den Stammtisch gibt, haben sich neue Formationen gebildet." Dass es so viele gute Musiker in der Umgebung gibt, hat sie zuerst selbst überrascht. Einer von ihnen ist der Oststeinbeker Klaus Lüers. Mit seinem Kontrabass war er schon oft beim Stammtisch. Der 54-Jährige schmiss vor drei Jahren seinen Job als Hotelkaufmann, widmet sich seitdem ganz der Musik. Andere sind nebenberuflich als Musiker tätig. Und wieder andere reisen um die Welt und kommen zwischendurch zum Stammtisch für eine Session ohne Verstärker und Mikrofon. An diesen Abenden ist das Weinkontor besonders gut besucht, weil aus dem Hinterzimmer handgemachte Musik zu hören ist.

Der nächste Stammtisch im Retana, Dorfstraße 10, ist am 28. März. Beginn: 19 Uhr.

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