28.02.12

Betreuter Umgang

Kindeswohl trotz Elternzwist

Barsbüttel. Wenn Eltern auseinander gehen, herrscht oft erstmal Funkstille. Dann besteht die Gefahr, dass die Kinder zu einem Elternteil den Kontakt verlieren. Der Kinderschutzbund unterstützt deshalb den betreuten Umgang: ehrenamtliche Helfer begleiten Eltern und Kinder in dieser schweren Lage. Von Undine Brandt

Sabine Rabe (r.) und Andrea Schulz begleiten den betreuten Umgang.
Foto: Brandt Sabine Rabe (r.) und Andrea Schulz begleiten den betreuten Umgang.

Wenn Eltern getrennte Wege gehen, leiden die Kinder darunter oft am meisten. In manchen Fällen sind die Enttäuschung und der Zwist so groß, dass ein Elternteil dem anderen das Kind vorenthält. "Meist sind die Väter die Leidtragenden", sagt Andrea Schulz vom Kinderschutzbund Stormarn. Dann kann per Gerichtsbeschluss oder auf Vorschlag des Jugendamtes der betreute Umgang angeordnet werden.

In Stormarn hat diese Aufgabe der Kinderschutzbund vor elf Jahren übernommen. Er sucht und bildet Ehrenamtliche aus, die dabei sind, wenn sich Väter mit ihren Kindern treffen. "Aktuell betreuen wir elf Familien mit Kindern zwischen zwei und acht Jahren", sagt Schulz. Darunter auch Familien aus Oststeinbek und Glinde.

Eine der 20 Freiwilligen – 18 Frauen und zwei Männer – ist Sabine Rabe. Die 50-jährige Wentorferin entschied sich vor zwei Jahren, dabei zu sein, wenn Väter ihre Kinder alle 14 Tage für zwei Stunden sehen dürfen. Dafür müssen sie in das Barsbütteler Bürgerhaus, den offiziellen Treffpunkt, kommen. "Das Treffen läuft in einem Fall gut, im anderen Fall klappt es gar nicht", sagt die Mutter zweier Kinder. Ein guter betreuter Umgang ist einer, in dem Vater und Mutter sich an die Regeln halten und pünktlich zu den verabredeten Zeiten erscheinen, ohne aufeinander zu treffen. Wenn die Väter vorbereitet sind, keine großen Geschenke mitbringen – die sind nämlich verboten – und die Abschiede stressfrei und schmerzlos von statten gehen. Gut wird das Treffen auch, wenn sich das Kind auf den Vater einlässt, mit ihm redet und spielt.

"Das macht es aber nur, wenn die Mutter den Umgang will und ihm nichts einredet", weiß Schulz aus Erfahrung. Damit das nicht passiert, führt sie sowohl mit der Mutter als auch dem Vater Vorgespräche. "Bei der Hälfte der Familien entspannt sich nach zehn Treffen die Situation wieder. Die Eltern brauchen uns nicht mehr, können selbstständig den Umgang regeln."

Bei der anderen Hälfte hilft auch die verordnete Betreuung nichts. Entweder brechen die Mütter den Umgang vorzeitig ab oder die Väter halten sich nicht an die Verabredungen. Dennoch ist Schulz vom dem Konzept überzeugt, "denn es ist immer besser, einen unzuverlässigen Vater zu haben, als gar keinen. Dann besteht nämlich die Gefahr, dass das Kind ihn idealisiert".

Der Bedarf an Betreuung ist gestiegen: "Anfangs hatten wir 24 Umgänge pro Jahr, jetzt liegen wir bei 35." Schulz erklärt sich das mit dem beschleunigten Gerichtsverfahren: Mussten Väter früher oft monatelang auf einen ersten Termin bei Gericht warten, geht das heute viel schneller. Ziel ist, dass der Umgang stattfindet, sich beide nicht entfremden. Dass ein Vater sein Kind acht Jahre lang nicht sieht, wie in einem Fall, soll heute nicht mehr vorkommen.

Mit dem Bedarf steigt gleichzeitig der nach Ehrenamtlichen. Wer sich vorstellen kann, die Aufgabe zu übernehmen, meldet sich bei Andrea Schulz unter Telefon (04532) 51 70. Die Betreuer werden zuvor an zehn Abenden in Bargteheide theoretisch und praktisch geschult.

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