Protest
Seitenscheitel, Hitlerbärtchen und Marschmusik
Donnerstag, 23. Februar 2012 12:23
Glinde. Um den Kunden die Glinder bei ihrem Protest gegen Rechts zu unterstützen, kam am Mittwoch "Storch Heinar" aus Rostock an den Glinder Berg. Die Figur ist eine Satire auf die Bekleidungsmarke "Thor Steinar", welche die Jusos in Mecklenburg-Vorpommern im Kampf gegen rechte Parteien erfunden haben.

Foto: Brandt
Vor dem rechten Modeshop protestierten gestern auch Storch Heinar und seine Freunde "Verstärker Volker" alias Robert Patejdl (li.) und "Megafon Manfred" alias Julian Barlen.
Der missratene Storch ist mit Stahlhelm, Scheitel und Hitlerbart ausgestattet
und seine Leib- und Magenspeise ist neben Eierlikör „Thor Steinar“. Deshalb
musste er auch nicht lange überlegen, als ihn der Bundestagsabgeordnete
Konstantin von Notz (Bündnis 90/Die Grünen) zur 134. Mahnwache nach Glinde
einlud. Während von Notz über die Professionalität der Protestierenden
staunte – Fußmatten gegen die Kälte von unten, Heizpilz gegen die von oben –
stimmten Storch Heinar und seine Begleiter „Verstärker Volker“ im
Unteroffizierskostüm und „Megafon Manfred“ in Kaiser-Wilhelm-Uniform
„Schwarz-Braun ist die Haselnuss“ an. „Zackige Musik mag der Storch Heinar
gern“, sagt Megafon Manfred, der im wahren Leben Julian Barlen heißt und als
SPD-Abgeordneter im Schweriner Landtag sitzt. Festgehalten ist die Musik auf
Storch Heinars „Starkraft Album“. Das wird als Pendant der Köder-CDs der
Nazis auch auf Schulhöfen verteilt.
Und weil der Storch mittlerweile so beliebt ist, gibt es mit ihm als Aufdruck
sogar schon T-Shirts, Pullis und Regenschirme. Die Marke Thor Steinar hatte
Angst, dass sie mit Storch Heinar verwechselt werden könnte und reichte
Klage gegen einen der Heinar-Erfinder, MV-Bildungsminister Mathias Brodkorb,
ein. Die wies das Landgericht Nürnberg-Fürth im August 2010 mit der
Begründung ab, dass keine Verwechslungsgefahr bestehe.
Barlen freut es besonders, dass der Storch durch diesen Gerichtsprozess
international bekannt wurde und es sogar schon in die New York Times
geschafft hat. 44.000 Fans weltweit erfahren täglich auf seiner
Facebook-Seite, was der modebewusste Storch so erlebt. Einige davon dürften
auch seine Biografie „Mein Krampf“ gelesen haben. Darin erzählt der Storch
18 Episoden aus seinem Leben - unter anderem vom Schlüpfen aus dem braunen
Ei und seiner verkorksten Kindheit.

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Chris meint:
Die Rechten sind überhaupt nicht schlechter, nur oft frei von Religion. Ich kann einfach nicht verstehen, wie man eine unmenschliche Weltanschauung mit Kleidung auf der einen Seite abstoßend und bekämpfenswert bewertet, aber auf der anderen Seite Symbole anderer potentiell gefährtlicher Weltanschauungen (Kopftuch, Burka usw) toleriert.
Das nenne ich auch weiterhin inkonsequent und befremdlich.
Ich bleibe dabei - entweder sind wir geschlossen gegen all diese unmenschlichen Lebensweisen oder wir tolerieren sie eben alle. Ein Protest gegen Bekleidungsgeschäfte allein bleibt für mich lächerlich und dumm. Da hilft es auch nicht, wenn man sich gut fühlt, weil man die neuen deutschen Nazis gemeinschaftlich verabscheut und ihnen damit eins auswischen will. Die anderen Faschisten breiten sich davon nicht weniger aus.
Um den Relfex ggf. gleich zu entkräften: Für mich sind religiöse Moslems nicht gleich alles Faschisten. Aber es fällt schon auf, wie man in muslimisch regierten Länder frei gegen die Juden hetzen kann. Und nach allem was man so hört, sollen die Salafisten hier in Deutschland auch nicht besonders tolerant gegenüber unserer Lebensweise sein. Und wenn man - ob das nun religiös motiviert war oder nicht - sich die jüngsten Ereignisse um Scherer8 anschaut, sehe ich die Gefahr nicht ausschließlich vom klassischen Rechts-Pöbel.
gegen rechts meint:
Es geht nicht um "ausgrenzende Ideologien", sondern um eine verbrecherische Weltanschauung, die sich hinter dem Tarnmantel "Bekleidungshandel" versteckt. Deine Einschätzung zum Islam teile ich übrigens uneingeschränkt und erweitere sie für mich auf alle Religionen.
Chris meint: