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Dämmerung im Sonnenstudio

Glinde. Das Bundesverfassungsgericht hat jetzt das Solariumverbot für Minderjährige aus dem Jahr 2009 bestätigt. Denn gerade in jugendlichem Alter steige laut Experten bei hoher UV-Strahlung das Hautkrebsrisiko. Das bringt weitere strenge Auflagen mit sich. Der Verband erwartet das Aus für viele Solarien.
Solarium Glinde
Foto: Brandt
Junge Erwachsene müssen Michelle Ocampo den Ausweis zeigen, bevor sie sonnen dürfen.
Die besten Zeiten für Sonnenstudiobetreiber sind vorbei. „In den 90er-Jahren lief das wie eine Bombe“, sagt Wolfgang Kuschmierz. Damals betrieb er mit seinem Partner Wolfgang Engelinge drei Solarien – in Mümmelmannsberg, in Bergedorf und in Glinde. Übrig geblieben ist nur der Glinder „Sonnen-Traum“. Den Rückgang der Nachfrage erklärt sich der 52-Jährige zum einen damit, dass die Menschen immer weniger Geld in der Tasche hätten und als erstes bei den „Fingernägeln und beim Solarium sparen“, zum anderen machten immer höhere Auflagen den Studiobesitzern das Leben schwer.
So fallen Jugendliche unter 18 Jahren nun endgültig als Kunden weg. Das Bundesverfassungsgericht hat jetzt das Solariumverbot für Minderjährige aus dem Jahr 2009 bestätigt. Denn gerade in jugendlichem Alter steige laut Experten bei hoher UV-Strahlung das Hautkrebsrisiko.
Auf die zehn Sonnenliegen von Kuschmierz dürfen Jugendliche bereits seit drei Jahren nicht mehr. „Diese Regel gilt auch, wenn die Eltern dabei sind“, sagt der Betreiber. Im Zweifelsfall wird die Vorlage eines Ausweises verlangt.
Die Alterbeschränkung allein bereitet den Solariumbetreibern aber kein Kopfzerbrechen. „Denn von den Kunden waren lediglich fünf Prozent unter 18 Jahren“, sagt Dr. Norbert Schmid-Keiner, Geschäftsführer des Bundesverbandes Besonnung.
Größere Einschnitte erwartet Schmid-Keiner hingegen von der umfangreichen Solarienverordnung, die der Gesetzgeber im vergangenen Jahr verabschiedet hat. Danach muss ab Ende dieses Jahres jeder Betrieb eine geschulte Fachkraft nachweisen. Außerdem sind nur noch Bänke erlaubt, die einen bestimmten Strahlenwert nicht überschreiten, um die Wahrscheinlichkeit eines Sonnenbrands zu reduzieren. Für die Betreiber bedeutet das, dass sie ihre Geräte bis August dieses Jahres mit neuen Röhren ausstatten müssen.
Kuschmierz hat das bereits getan. In jedes Gerät hat er zwischen 550 und 1500 Euro investiert. Damit kommt er noch gut weg. Denn von den 50.000 Geräten bundesweit sind etwa ein Viertel gar nicht mehr umrüstbar, weiß Schmid-Keiner. Da bleibt nur der Kauf einer neuen Sonnenbank. Doch diese Investition von rund 22.000 Euro werden viele scheuen, glaubt der Geschäftsführer. Er rechnet damit, dass in diesem Jahr ein deutschlandweites Solariumsterben einsetzt. „Ende des Jahres werden von den derzeit 3500 Solarien im besten Fall 3000, im schlimmsten Fall 2500 übrig sein.“
Für die Kunden hat diese Entwicklung einen Vorteil: Die Studios werden qualitativ hochwertiger und sicherer. Der Nachteil ist: Die Kosten für die Umrüstung werden weitergegeben. Die künstliche Bräune wird also mit einigen Euro mehr zu Buche schlagen.
1 Kommentar
herbert meint:
Kein vernünftiger Mensch braucht Sonnenstudios. Seht euch mal die verschrumpelten Gestalten an, die jahrelang diesen Unsinn auf der "Sonnenbank" mitgemacht haben. Auch ohne Hautkrebs schön hässlich!

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