Betreuungsskandal
Gemeinde kündigt Bennet (6) den Hort-Platz
Montag, 16. Januar 2012 18:18
- Von Undine Brandt
Oststeinbek. Die Gemeinde hat ein verhaltensauffälliges Kind aus dem städtischen Hort ausgeschlossen. Der Betreuungsvertrag wurde gekündigt. Hintergrund: Die Erzieher fühlen sich mit dem Sechsjährigen überfordert und sehen Belange anderer Kinder gefährdet. Die Eltern sind ratlos.

Foto: Brandt
Bennet hat sich bei seinem Vater versteckt. Er ist ein lebhaftes Kind. Stillsitzen mag der sechsjährige Sohn von Nadja und Peter Fendt nicht so gern.
Nadja und Peter Fendt entschieden sich 2001 dafür, im Grünen Tal zu bauen.
Auch, weil ihnen die Gemeindevertreter versprochen hatten, alles für die
Betreuung ihrer Kinder zu tun. Vier Jahre später kommt Sohn Bennet zur Welt,
seit August besucht der Sechsjährige die Integrationsklasse der
Helmut-Landt-Grundschule und den Hort. Doch jetzt steht die Familie ohne
Boden unter den Füßen da, wie Peter Fendt sagt.
Denn die Gemeinde hat ihnen von einem Tag auf den anderen den
Betreuungsvertrag gekündigt. Ende des Monats darf Bennet nicht mehr in den
Hort an der Gerberstraße, weil eine „Betreuung wegen der
Verhaltensauffälligkeiten nicht möglich ist, ohne die Belange der anderen
Kinder nicht zu beeinflussen“, heißt es in dem Kündigungsschreiben.
Bennet ist ein ADHS-Kind, mit einem Aufmerksamkeitsdefizit und einer
Hyperaktivitätsstörung. Kinder mit dieser Diagnose sind unruhig, impulsiv,
lassen sich leicht ablenken. „Damit sind wir stets offen umgegangen, haben
sowohl Lehrer als auch Erzieher in Kenntnis gesetzt“, sagt Nadja Fendt. Die
Eltern taten alles, um das Problem zu beheben: Bennet wurde medikamentös
eingestellt, von einer Psychologin betreut, die wiederum den Pädagogen in
Hort und Schule Tipps zum Umgang mit Bennet an die Hand gab.
Und dann lag plötzlich das Kündigungsschreiben an Heiligabend im Postkasten.
Der Träger, die Gemeinde, beruft sich darin auf die Hortbenutzungsordnung.
Ab Februar wird Bennet vom Hort ausgeschlossen, es sei denn, seine Eltern
können „glaubhaft versichern, dass die Beanstandungen abgestellt werden
können“. „Das konnten wir so kurzfristig aber nicht. Und den An- und
Ausschalter haben wir noch nicht gefunden“, sagt Peter Fendt. Die Kündigung
kam für ihn und seine Frau völlig überraschend, zumal sie sich zuvor noch
mit der Hortleitung darauf einigten, Bennet statt drei Stunden nur eine
Stunde dort zu lassen. Innerhalb der einen Stunde aß er auch zu Mittag.
„Ich weiß, dass mein Kind ein Teufel sein kann“, sagt Nadja Fendt. Umso
wichtiger sind da feste Regeln und Erwachsene, die trotz Provokationen ruhig
bleiben. Sie aber habe im Oststeinbeker Hort immer wieder völlig aufgelöste
Mitarbeiter erlebt, die überfordert waren.
Das streitet Bürgermeisterin Martina Denecke nicht ab. „Für solche
Spezialfälle fehlt unseren Pädagogen die Ausbildung.“ Die sollten sie aber
haben, hält Nadja Fendt dagegen. „Denn Bennet wird nicht das einzige Kind
bleiben, das aus der Norm fällt.“ Nach aktuellen Schätzungen sind in
Deutschland etwa fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von drei
bis 17 Jahren von ADHS betroffen, Jungen viermal häufiger als Mädchen.
Für die Betreuung dieser Spezialfälle fühlt sich Denecke nicht verantwortlich:
„Da müssen die Eltern nach anderen Lösungen suchen.“ Das haben Fendts
gemacht und sich um einen Platz im Kinderhaus in Glinde bemüht. Dort steht
Bennet jetzt auf der Warteliste. Wenn alles gut geht, kommt er hier in den
nächsten drei Monaten unter, sagt Leiter Matthias Richter. Die hiesigen
Pädagogen sind zwar keine ADHS-Spezialisten, aber die Betreuung ist viel
intensiver. Statt zwei Erzieher für 20 Kinder, betreut hier einer nur vier
Kinder.
Was ist ADHS?
Die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine
psychische Störung. Zu den Symptomen zählen Aufmerksamkeitsschwäche
(„Hans-guck-in-die-Luft“), impulsives Verhalten und Hyperaktivität
(„Zappelphillip“). ADHS-Kinder sind nicht weniger intelligent als andere
Kinder, können aber ihr intellektuelles Potenzial oft nicht ausschöpfen.
Die Krankheit kann bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Zur Behandlung
setzt man verschiedene Methoden ein, unter anderem Psycho- und
Familientherapie sowie Medikamente. Zu den Ursachen zählen biologische,
soziale und psychische Faktoren.

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Dieter meint:
Auch ändert das alles nichts an der Art und Weise, wie seitens der Gemeinde damit umgegangen wird.
peter fendt meint:
peter fendt meint:
die frage die sich aufdrängt: was haben die leser und kommentatoren damit zu tun?? wir haben unsere schlüsse schon vor langer zeit gezogen. selbstverständlich nehmen wir als eltern das durchaus als denkanstoss, aber ich frage mich durchaus welche kommentare meinerseits denn genau gemeint sind und wie sie den rückschluss auf etwaige psychische ursachen ziehen?