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Gemeinde kündigt Bennet (6) den Hort-Platz

Oststeinbek. Die Gemeinde hat ein verhaltensauffälliges Kind aus dem städtischen Hort ausgeschlossen. Der Betreuungsvertrag wurde gekündigt. Hintergrund: Die Erzieher fühlen sich mit dem Sechsjährigen überfordert und sehen Belange anderer Kinder gefährdet. Die Eltern sind ratlos.
Kita
Foto: Brandt
Bennet hat sich bei seinem Vater versteckt. Er ist ein lebhaftes Kind. Stillsitzen mag der sechsjährige Sohn von Nadja und Peter Fendt nicht so gern.
Nadja und Peter Fendt entschieden sich 2001 dafür, im Grünen Tal zu bauen. Auch, weil ihnen die Gemeindevertreter versprochen hatten, alles für die Betreuung ihrer Kinder zu tun. Vier Jahre später kommt Sohn Bennet zur Welt, seit August besucht der Sechsjährige die Integrationsklasse der Helmut-Landt-Grundschule und den Hort. Doch jetzt steht die Familie ohne Boden unter den Füßen da, wie Peter Fendt sagt.
Denn die Gemeinde hat ihnen von einem Tag auf den anderen den Betreuungsvertrag gekündigt. Ende des Monats darf Bennet nicht mehr in den Hort an der Gerberstraße, weil eine „Betreuung wegen der Verhaltensauffälligkeiten nicht möglich ist, ohne die Belange der anderen Kinder nicht zu beeinflussen“, heißt es in dem Kündigungsschreiben.
Bennet ist ein ADHS-Kind, mit einem Aufmerksamkeitsdefizit und einer Hyperaktivitätsstörung. Kinder mit dieser Diagnose sind unruhig, impulsiv, lassen sich leicht ablenken. „Damit sind wir stets offen umgegangen, haben sowohl Lehrer als auch Erzieher in Kenntnis gesetzt“, sagt Nadja Fendt. Die Eltern taten alles, um das Problem zu beheben: Bennet wurde medikamentös eingestellt, von einer Psychologin betreut, die wiederum den Pädagogen in Hort und Schule Tipps zum Umgang mit Bennet an die Hand gab.
Und dann lag plötzlich das Kündigungsschreiben an Heiligabend im Postkasten. Der Träger, die Gemeinde, beruft sich darin auf die Hortbenutzungsordnung. Ab Februar wird Bennet vom Hort ausgeschlossen, es sei denn, seine Eltern können „glaubhaft versichern, dass die Beanstandungen abgestellt werden können“. „Das konnten wir so kurzfristig aber nicht. Und den An- und Ausschalter haben wir noch nicht gefunden“, sagt Peter Fendt. Die Kündigung kam für ihn und seine Frau völlig überraschend, zumal sie sich zuvor noch mit der Hortleitung darauf einigten, Bennet statt drei Stunden nur eine Stunde dort zu lassen. Innerhalb der einen Stunde aß er auch zu Mittag.
„Ich weiß, dass mein Kind ein Teufel sein kann“, sagt Nadja Fendt. Umso wichtiger sind da feste Regeln und Erwachsene, die trotz Provokationen ruhig bleiben. Sie aber habe im Oststeinbeker Hort immer wieder völlig aufgelöste Mitarbeiter erlebt, die überfordert waren.
Das streitet Bürgermeisterin Martina Denecke nicht ab. „Für solche Spezialfälle fehlt unseren Pädagogen die Ausbildung.“ Die sollten sie aber haben, hält Nadja Fendt dagegen. „Denn Bennet wird nicht das einzige Kind bleiben, das aus der Norm fällt.“ Nach aktuellen Schätzungen sind in Deutschland etwa fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren von ADHS betroffen, Jungen viermal häufiger als Mädchen.
Für die Betreuung dieser Spezialfälle fühlt sich Denecke nicht verantwortlich: „Da müssen die Eltern nach anderen Lösungen suchen.“ Das haben Fendts gemacht und sich um einen Platz im Kinderhaus in Glinde bemüht. Dort steht Bennet jetzt auf der Warteliste. Wenn alles gut geht, kommt er hier in den nächsten drei Monaten unter, sagt Leiter Matthias Richter. Die hiesigen Pädagogen sind zwar keine ADHS-Spezialisten, aber die Betreuung ist viel intensiver. Statt zwei Erzieher für 20 Kinder, betreut hier einer nur vier Kinder.

Was ist ADHS?

Die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine psychische Störung. Zu den Symptomen zählen Aufmerksamkeitsschwäche („Hans-guck-in-die-Luft“), impulsives Verhalten und Hyperaktivität („Zappelphillip“). ADHS-Kinder sind nicht weniger intelligent als andere Kinder, können aber ihr intellektuelles Potenzial oft nicht ausschöpfen.
Die Krankheit kann bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Zur Behandlung setzt man verschiedene Methoden ein, unter anderem Psycho- und Familientherapie sowie Medikamente. Zu den Ursachen zählen biologische, soziale und psychische Faktoren.
28 Kommentare
Dieter meint:
Victor, hier geht es nicht darum WARUM das Kind diese Erkrankung hat, sondern darum, dass ihm die Betreuung versagt wurde. Selbst wenn die Eltern 100 mal Schuld an der Erkrankung haben. Was kann denn bitte das Kind dafür?

Auch ändert das alles nichts an der Art und Weise, wie seitens der Gemeinde damit umgegangen wird.


peter fendt meint:
abgesehen davon frage ich mich wie der transfer von der kündigung des kindes und unserem engagement dagegen und der ursache des problems - woher auch immer - abgeleitet wurde?
peter fendt meint:
wir danken selbstredend für diese diagnostische hilfestellung, aber soweit wir uns dessen gewahr sind (und was man auch durchaus im internet nachlesen kann: es kann sowohl psychologische als auch neurobiologische ursachen haben!) liegen dieser krankheit unter umständen auch diverse andere faktoren zugrunde und auch die kinderpsychologen attestierte nach sehr langer beobachtungszeit das es wohl eher andere ursachen hat.

die frage die sich aufdrängt: was haben die leser und kommentatoren damit zu tun?? wir haben unsere schlüsse schon vor langer zeit gezogen. selbstverständlich nehmen wir als eltern das durchaus als denkanstoss, aber ich frage mich durchaus welche kommentare meinerseits denn genau gemeint sind und wie sie den rückschluss auf etwaige psychische ursachen ziehen?

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