Vorschriften für Neubauten
Geesthacht: Gewerbe soll Sonnenstrahlen einfangen
Mittwoch, 8. September 2010 20:02
- Von Timo Jann
Geesthacht. Mit strengeren Vorgaben in den Bebauungsplänen oder durch vertraglich geregelte Auflagen möchte die Geesthachter Politikerin Bettina Boll (Grüne) künftig für mehr Solaranlagen auf Dächern von Industriehallen oder Discounter und Einkaufsmärkten sorgen.

Foto: Timo Jann
Auf dem Dach des Neubaus des städtischen Betriebshofs an der Mercatorstraße steht eine der größten Photovoltaikanlagen Norddeutschlands. 50 Haushalte können mit deren Leistung mit Strom versorgt werden.
Einen entsprechenden Vorschlag machte die Politikerin im städtischen Ausschuss für Umwelt und Planung.
„In unseren Gewerbegebieten werden Quadratkilometer von Dachflächen nicht genutzt“, sagt Bettina Boll. „Diese Versiegelung des Bodens muss kompensiert werden“, so ihre Forderung. Zufällig entdeckte sie in Winsen-Luhdorf, dass der dortige Neubau eines Aldi-Marktes mit Solarkollektoren ausgestattet wurde. Ein nahezu baugleicher Markt wie der, den Aldi erst Ende 2009 gegenüber der Geesthachter Schleuse in Betrieb genommen hatte – hier aber ohne Solaranlage. „In Luhdorf war das nicht die Idee von Aldi“, berichtete Bettina Boll von ihren Recherchen beim Immobilienmanagement des Discounters. „Die Gemeinde hat dem Bauvorhaben nur unter der Auflage zugestimmt, dass auf dem Dach eine Solaranlage installiert wird“, sagt Bettina Boll.
Die Geesthachter Stadtverwaltung soll im Auftrag der Politik jetzt prüfen, welche Möglichkeiten man hat, um Investoren bei der Errichtung von Neubauten entsprechende Bauvorschriften zu machen. „Für Aldi in Luhdorf war der Mehraufwand zur Verbesserung der Gebäudestatik offenbar immer noch lukrativ“, erklärt Petra Bolte (Grüne). Denn im Vergleich zum Geesthachter Aldi-Neubau musste der in Luhdorf lediglich mit stärker dimensionierten Dachbindern ausgestattet werden. Davon würde im Brandfall auch die Feuerwehr profitieren, weil die einfachen Dachbinder statisch ein enormes Einsturzrisiko bei Löscharbeiten bergen. Bettina Boll möchte in Geesthacht sogar bestehende Hallendächer prüfen lassen, ob sie die Tragfähigkeit besitzen, um sie nachträglich mit einer Solaranlage auszustatten.
In Geesthacht gibt es bisher vor allem im privaten Bereich Solaranlagen zur Stromerzeugung oder zur Wärmenutzung. Der Neubau des städtischen Betriebshofes an der Mercatorstraße wurde auch auf Initiative der SPD, der Grünen und der Linken mit einer vergrößerten Solaranlage ausgestattet. Die Anlage mit einer Leistung von 150 Kilowatt sorgt für ausreichend Strom, um 50 Haushalte zu versorgen. Rund eine Million Euro kostete der Bau. Dank der Einspeisevergütung für Ökostrom soll sich der Bau in zehn Jahren amortisiert haben.
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