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Krümmel bleibt mindestens bis 2033 am Netz

Geesthacht. Der rot-grüne Atomkonsens ist Geschichte. Eigentlich sollte das Kernkraftwerk Krümmel 2019 endgültig vom Netz gehen. Doch jetzt schickt die Regierungskoalition die Atomkraft mit einem neuen Kompromiss in die Verlängerung.
Atomkraftwerk Krümmel
Foto: DPA
Das Atomkraftwerk Krümmel hat 1984 den Betrieb aufgenommen. Es zählt zu den jüngeren deutschen Kraftwerken, demnach darf es nach dem Atomkompromiss nun 14 Jahre länger als geplant betrieben werden.
Wie zehn weitere deutsche Meiler darf die Anlage am Elbufer daher 14 Jahre in Betrieb bleiben. Das nach einem Trafobrand 2007 und mehreren Pannen fast durchgehend still stehende Kraftwerk soll im Januar 2011 wieder ans Netz gehen - und könnte dann noch bis mindestens 2033 Strom liefern.
Tuomo Hatakka, Vorstandsvorsitzender von Krümmel-Betreiber Vattenfall, begrüßte die Entscheidung der Bundesregierung. „Kernenergie leistet einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Klimaverträglichkeit der deutschen Energieversorgung. Durch die Entscheidung ist dieser Beitrag für weitere Jahre gesichert.“ Wenig Verständnis brachte der Energiekonzern dagegen für den Beschluss auf, älteren Kraftwerken wie Brunsbüttel lediglich ein Laufzeit-Plus von acht Jahren zu verordnen: „Die unterschiedlich langen Laufzeiten für unsere beiden Kraftwerke sind eine politische Entscheidung, die wir akzeptieren müssen“, so Hatakka.
Bei der Atomaufsicht im Kieler Justizministerium wartet man auf Details der Vereinbarung, um die Auswirkungen für die drei schleswig-holsteinischen Kraftwerke beurteilen zu können. Allerdings hält man die pauschale Verlängerung der Laufzeiten für unglücklich. „Wir hätten es für sinnvoller gehalten, Restlaufzeiten zu vereinbaren, die von älteren auf neuere Kraftwerke übertragen werden können“, so Sprecher Oliver Breuer.
Massive Kritik am neuen Kompromiss äußerten dagegen gestern die Atomkraftgegner: „Ich bin wütend und zornig, vor allem in welcher Weise der Bundesrat ausgehebelt wird“, sagte die Geesthachterin Bettina Boll. Eugen Prinz vom BUND in Schwarzenbek fragt sich dagegen, wie die Technik des Meilers jetzt auf den neuesten Stand gebracht werden soll – eine Voraussetzung für die lange Laufzeit. „Ich halte das nicht für möglich“, so Prinz. Der Geesthachter Landtagsabgeordnete und Energiepolitische Sprecher der SPD, Olaf Schulze, hält den Vorstoß schlicht für „Irrsinn“. Er geht davon aus, dass die Verlängerung vom Bundesverfassungsgericht gestoppt wird. „Hier handelt es sich um eine willkürliche Interessensvertretung der Energiekonzerne. Die Regierung hat sich über den Tisch ziehen lassen.“
Der Lauenburger Landtagsabgeordnete Markus Matthießen (CDU) begrüßte die Einigung hingegen: „Die vereinbarte Restlaufzeit für die Brückentechnologie Kernkraft ist ein klares Signal, dass das andere energiepolitische Ufer im vereinbarten Zeitraum erreicht werden muss“, so Matthießen. „Und eine Abhängigkeit von Atomstromimporten aus dem Ausland konnte nicht das Ziel sein.“
Die vier großen Energiekonzerne RWE, Eon, EnBW und Vattenfall können nach einer unabhängigen Berechnung durch den schwarz-gelben Atomkompromiss auf Zusatzeinnahmen von insgesamt 127 Milliarden Euro hoffen. Das Freiburger Öko-Institut ging dabei am Montag für die nächsten Jahre von leicht steigenden Strompreisen aus. Nur 25 Prozent der Zusatzgewinne würden durch die Brennelementesteuer bis 2016 und Sonderabgaben für den Ausbau der Öko-Energien vom Staat abgeschöpft.
Zugleich steigt die Menge hochraioaktiven Abfalls erheblich. Wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) am Montag mitteilte, fallen bei der angekündigten Laufzeitverlängerung von durchschnittlich zwölf Jahren bis zum Ende der Atomkraftnutzung rund 21.600 Tonnen an Wärme entwickelndem Müll an. Unter den bisherigen Vorgaben hatte die Behörde bis 2040 etwa 17.200 Tonnen hochradioaktive Abfälle prognostiziert.
2 Kommentare
Kai P. meint:
Man muss den Kompromiss nicht bejubeln aber er war unvermeidbar. Eine flächendeckende Stromversorgung nur mit mit erneuerbarer Energie ist nicht umsetzbar. Das haben immerhin auch die Schweden und sogar die Grünen in Großbritanien begriffen. Zudem verändern und verschandeln Wind- und Solarparks, ohne Rücksicht auf die Natur und ihre Artenvielfalt, die Landschaft. Übrigens regt sich auch jedesmal starker Protest, wenn eine Biogasanlage, Wind- oder Solarparks vor der eigenen Haustür entstehen sollen.
Woher aber soll der Strom den kommen, aus Russland, der Ukraine,......?
Susanne Müller meint:
Hoffentlich behält Herr Schulze Recht und dieser Irrsinn wird bald beendet. Wie lange wollen sich Gesthachter Bürger noch mit dem Sponsoring von Volksfesten beruhigen lassen?

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