Unwetter
Ein "Downburst" sorgt für schwere Sturmschäden
Mittwoch, 25. August 2010 13:19
- Von Timo Jann
Aumühle. Ein seltenes Wetterphänomen hat am Dienstagabend über Teilen des Kreises Herzogtum Lauenburgs gewütet und anschließend die Einsatzkräfte zahlreicher Feuerwehren in Atem gehalten. Wie durch ein Wunder wurde niemand durch die direkten Sturmfolgen verletzt.
Es war 21.33 Uhr, als am Dienstagabend offenbar ein so genannter „Downburst“ über Teile des Kreises Herzogtum Lauenburgs rauschte. „Ich habe es nur draußen krachen gehört, da war es auch schon wieder vorbei“, berichtet Ariane Horn aus Aumühle. Als sie vor die Tür schaute, entdeckte sie ihren erst drei Monate alten VW Polo und drei weitere Autos unter einer riesigen Buche begraben. Doch die Aumühlerin hatte Glück: Während ein Mercedes und ein anderer Polo einen Totalschaden erlitten hatten, war an ihrem Auto nur der Heckscheibenwischer abgebrochen. Einem Hyundai hatte die Buche das Dach verbeult. Schaden insgesamt: etwa 25.000 Euro.
Vor allem im Amt Hohe Elbgeest hatte der kurze aber heftige Sturm der Gewitterfront des Tiefs „Beate“ zahlreiche Bäume in der Region wie Streichhölzer abknicken lassen. In Dassendorf krachte am Berordtskamp ein Baum auf ein Haus, in Escheburg fiel ein Baum auf eine Überlandstromleitung. Aber auch in Elmenhorst, Basedow und Mölln krachten Bäume um.
Seltene Fallböe war 130 Stundenkilometer schnell
„Das war auf jeden Fall keine normale Sturmböe“, sagte Aumühles Wehrführer Karl-Arnim Samsz. „Das war einfach viel zu kurz und viel zu heftig“, sagt er. Minuten vor dem Orkan, der mit einer Windstärke von zehn über das Land gezogen war, hatte sich der Himmel von Westen her nahezu verfinstert, während im Osten der Vollmond am Himmel leuchtete. Als Augenzeuge beobachtet hat das extrem seltene Wetterphänomen wohl niemand, zumindest gab es darüber gestern keine Erkenntnisse. „Über Schleswig-Holstein ist eine sehr schmale scharfkantige Gewitterfront hinweg gezogen“, berichtete Andreas Wagner von der Meteomedia-Unwetterzentrale. Bei dem „Downburst“ handelt es sich um eine Fallböe, die aus großer Höhe auf den Boden trifft. Meteomedia registrierte Sturmböen bis 130 Stundenkilometer.
Dieser Sturm fällte an der Gärtnerstraße in Aumühle eine mächtige Buche, die gleich einen zweiten Baum mit umriss. „Der hat schon bessere Zeiten erlebt“, sagte Marco Luther, als er seinen demolierten VW Polo in Augenschein nehmen konnte. Die Feuerwehr, die mit drei Fahrzeugen und 19 Helfern im Einsatz war, musste die Buche mit Motorsägen zerkleinern. „Der Stamm wurde vom Sturm einfach so geknickt“, sagte Feuerwehrchef Samsz. Das Bild am Berordtskamp in Dassendorf war ähnlich: Hier wurde ein Baum komplett gefällt, stürzte einmal quer über die Straße und zertrümmerte Teile des Daches eines Einfamilienhauses auf der anderen Straßenseite. Zum Glück wurde niemand verletzt. Feuerwehrleute beseitigten die Gefahr.
In Elmenhorst kappte der Sturm einen Stamm einer doppelstämmigen Weide. „Das war ein mächtiges Teil“, sagte Wehrführer Michael Wittkamp. Während des Einsatzes wurde ein Feuerwehrmann verletzt. Als er einen Kanister zum Nachtanken eines Notstromaggregats öffnete, spritze ihm der offenbar unter Druck stehende Kraftstoff aus dem Kanister ins Gesicht. Die Kameraden leisteten sofort Erste Hilfe, dann übernahm die Besatzung eines Rettungswagens die Versorgung. Die Elmenhorster Wehr war hier zweieinhalb Stunden im Einsatz. Der zweite Stamm der Weide musste vorsorglich gefällt werden. „Das Holz war völlig verfault“, so Wittkamp.







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