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Manipulation bei Entsorgung der Giftspäne?

Geesthacht. Seit Tagen werden die verseuchten Ölspäne aus Geesthachts Hafen abtransportiert. Doch geht bei der Entsorgung der mit Giftstoffen kontaminierten Metallschleifspäne von der insolventen Firma RES Oesterreich wirklich alles mit rechten Dingen zu?
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Täglich werden Späne aus Geesthacht abgefahren und bei der Firma TerraCon angeliefert. Doch ist die Giftfracht richtig deklariert?
Foto: Timo Jann
Täglich werden Späne aus Geesthacht abgefahren und bei der Firma TerraCon angeliefert. Doch ist die Giftfracht richtig deklariert?
Fachleuten aus der Entsorgungswirtschaft meldeten am Freitag gegenüber unserer Zeitung Zweifel an der Rechtsmäßigkeit der Vorgehensweise der Beteiligten an. Und dabei geht es um viel Geld. Nach der Geheimniskrämerei um den Verbleib der Metallschleifspäne (wir berichteten) sorgt nun die Deklaration der Giftspäne für Rätsel.
Auf dem Gelände am Geesthachter Hafen lagern 23000 Tonnen giftiger Metallschleifspäne. Sie stammen unter anderem aus der Kugellagerindustrie. Jetzt wird das Material im Zuge einer 3,36 Millionen Euro teuren Sanierung mit Kipplastern abgefahren. Ziel der bisher abgefahrenen mehr als 4000 Tonnen: Die Firma „TerraCon GmbH“ in Hamburg-Georgswerder. Doch ist der Müll dort richtig aufgehoben? Zitat von der Firmen-Homepage: „Das Tätigkeitsfeld der TerraCon erstreckt sich auf die Sanierung und Behandlung von kontaminierten Böden.“ Eine Genehmigung zur Verarbeitung von verölten Schleifspänen hat das Unternehmen nach Informationen unserer Zeitung dagegen nicht.
Doch das scheint für die Auftraggeber keine Rolle zu spielen: Denn die aus Geesthacht anrollenden Lkw sind offiziell nicht mit Metallspänen beladen, sondern allesamt mit der technischen Typbezeichnung 191211 deklariert, hierfür ist TerraCon zertifiziert. Doch hinter der Deklaration verstecken sich Abfälle, die schon aus der mechanischen Behandlung stammen, etwa nach dem Sortieren oder Zerkleinern entstanden sind. Merkwürdig – denn das Material, das in Geesthacht lagert, ist seit der Anlieferung als Metallschleifspäne nie behandelt worden. Es handelt sich, wie auch das Umweltministerium am Mittwoch in einer Pressemitteilung schrieb, schlicht um Metallschleifschlämme

Späne oder Müll? - Verwirrung um richtige Deklaration

Die Lastwagen der Firmengruppe Eggers, zu der auch TerraCon gehört, fahren die Giftspäne ohne Gefahrguttafeln und die üblicherweise darin enthaltenen Unfallmerkblätter von Geesthacht nach Hamburg. Bei möglichen Unfällen wüssten Einsatzkräfte nicht, mit was für Ladung und welchem enormen Gefahrenpotenzial sie es zu tun haben. Hintergrund: Das Material ist extrem heiß, neigt zur Selbstentzündung und enthält Giftstoffe. Auf dem abgesperrten Gelände hat Arbeitsschutz höchste Priorität. Auf der öffentlichen Straße offenbar nicht.
Um das Geschacher mit dem Müll aus Geesthacht aufzuklären, haben wir mehrere Anfragen nach den Hintergründen getrennt an das Umweltministerium des Landes, das Ingenieurbüro IGB und die Stadt gestellt. Ergebnis in einer am Freitag abgesprochenen gemeinsamen Stellungnahme: Alles sei gut. Doch dieser Schein trügt.
Denn die Firma TerraCon ist nach Ausführungen der Experten von Land, Stadt und IGB tatsächlich nicht für die Behandlung von Materialien nach Schlüsselnummer 120118 (Schleifspäne) zugelassen, wie auch das Zulassungszertifikat zeigt. Sehr wohl darf bei TerraCon in Georgswerder nach der Zertifizierung aber mit den „sonstigen Abfällen“ nach der Abfallschlüsselnummer 191211 hantiert werden.
Und genau darum handelt es sich nach Einschätzung von Stadt, Land und IGB auch, weil die in den 90er-Jahren aus der Industrie angelieferten unterschiedlichen Abfälle in Geesthacht bei RES Oesterreich ja immerhin vermischt und gelagert wurden, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Von einer mechanischen Behandlung des Materials kann dabei jedoch keine Rede sein, weil lediglich verschiedene Halden aufgeschüttet wurden. Die thermische Behandlung in der vom Land geförderten Pilotanlage von RES zur Abfallbehandlung war kläglich gescheitert, so dass das belastete Material über Jahre unbehandelt in Geesthacht liegen blieb.
Die plötzlich anders lautende Bezeichnung der Metallschleifspäne könnte also mit dem gewählten Entsorgungsweg zu tun haben. Denn in ihrer Stellungsnahme räumen die Verantwortlichen von Stadt, Land und IGB ein, dass es sich beim Großteil des gelagerten Mülls um Abfall der Gruppe12 handelt. Doch TerraCon darf diese Stoffe nicht behandeln, wohl aber Abfälle der Klasse191211.
Zwar verweist die Stadt auf den Betrieb der Abfallbehandlungsanlage von RES, doch deren Sinterofen haben nur die wenigsten Metallschleifspäne erlebt. Genau deshalb hat sich dieses Altlastenproblem aufgetürmt.
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