Optimismus
Es geht bergauf – Wirtschaft der Region erholt sich
Donnerstag, 12. August 2010 20:24
Geesthacht/Bergedorf. Nach der schweren Wirtschaftskrise geht es konjunkturell in Deutschland wieder „unglaublich voran“, wie es Wirtschaftsforscher formulieren. Selbst die Experten sind verblüfft über die Dynamik des Aufschwungs in den vergangenen Monaten.

Foto: DDP
Ein Facharbeiter beim Schweißen: Die Funken fliegen, die Branche erholt sich.
Vor allem der Mittelstand zeigt sich wieder recht robust. Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe beispielsweise legten im Juni in Deutschland um 3,2 Prozent zu, meldet das Statistische Bundesamt. „Es ist damit zu rechnen, dass wir unsere Wachstumsprognose von 2,1 auf 2,5 Prozent erhöhen“, sagte Joachim Scheide vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel.
Auch bei den meisten Betriebe unserer Region geht es deutlich bergauf.
„Der Aufschwung hat unsere Region definitiv erreicht“, sagt Axel Stehr, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der südholsteinischen Wirtschaft (VSW). Von einem XXL-Aufschwung möchte er allerdings nicht sprechen. „In einigen Branchen könnte es durchaus noch besser laufen. Gerade der Maschinen- und Anlagenbau ist durch die Krise in ein so tiefes Loch geraten, dass es schwierig ist, das Vorkrisenniveau zu erreichen.“ Besonders profitieren würden derzeit die Bereiche Groß- und Außenhandel sowie Dienstleistungen und Zeitarbeit.
Die gute Stimmung in der Wirtschaft bestätigt auch Paul Apel, Sprecher der Wirtschaftlichen Vereinigung Geesthacht: „Firmen die im Export arbeiten, profitieren seit dem Frühjahr gewaltig.“ Verhalten gehe es dagegen für Unternehmen aufwärts, die hauptsächlich innerhalb Deutschlands Handel treiben. „Ich gehe aber davon aus, dass im Inland in Kürze ein noch größerer Aufschwung einsetzen wird als im Auslandsgeschäft“, so Apel.
Auch Lars-Oliver Ahlers, Geschäftsführer von Gummi-Moldenhauer in Geesthacht, sieht noch keinen XXL-Aufschwung. „Es zieht auf jeden Fall wieder an, die Auftragsbücher sind relativ gut gefüllt“, so Ahlers. Bereits seit Anfang 2010 gibt es in dem Unternehmen mit 42 Mitarbeitern, dass die Auto- und Elektroindustrie beliefert, keine Kurzarbeit mehr.
Als „verhalten positiv“ bewertet Gunnar Bakowski, Geschäftsführer der Walter Förster Metallwarenfabrikation GmbH, in Geesthacht die Situation. Das Unternehmen, ein Zulieferer für Medizin-, Mess- und Regeltechnik, beschäftigt 70 Menschen und hat die Wirtschaftskrise gut überstanden. So musste im vergangenen Jahr nicht einmal Kurzarbeit angemeldet werden. „Wir haben sogar einige neue Mitarbeiter eingestellt“, sagt Bakowski.
Auch im Weltmarkt für Präzisionswerkzeuge und im Maschinenbau hat sich das Klima deutlich verbessert. Das spürt man auch an der Grabauer Straße in Schwarzenbek. Bei der zur LMT-Gruppe gehörende Firma Fette hat vor allem die Pharmasparte Fette Compacting volle Auftragsbücher: Der Hersteller von Tablettiermaschinen hatte unter der Wirtschaftskrise weniger gelitten als der Rest der Branche und verzeichnete im ersten Halbjahr 2010 bereits ein Auftragsplus von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hauptabsatzmarkt ist Asien. Doch auch die Werkzeugsparte der aus sechs Firmen bestehenden Gruppe hat dank Aufträgen aus China, Indien und den USA kräftig zugelegt: Plus 38 Prozent. „Wir haben nicht nur gespart, sondern wir haben investiert und uns neu aufgestellt“, so Dr. Michael Heinrich: „Wir gewinnen insbesonder in Asien an Vorsprung. Daher glaube ich, dass die Wende für die LMT-Gruppe nachhaltig ist.“
Im Vorjahr hat LMT seine Mitarbeiterzahlen um 331 auf 1679 gesenkt, allein Fette hat 250 Mitarbeiter entlassen. Die Umstrukturierung sei erfolgreich, sagt Heinrich, der für das zweite Halbjahr mit höherer Produktivität und weiteren Umsatzsteigerungen rechnet.ger/cus/cr/rdt
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