RES Oesterreich
Geheimniskrämerei um die Giftspäne aus Geesthacht
Freitag, 6. August 2010 21:20
- Von Timo Jann und Rüdiger Helm
Geesthacht. Wo bleiben die mit gefährlichen Giftstoffen wie Chrom, Blei und Nickel sowie Öl belasteten Metallspäne aus Geesthacht? Die Verantwortlichen der Stadtverwaltung machen daraus ein großes Geheimnis:

Foto: Timo Jann
Mit der Abfuhr der mit Giftstoffen und Öl belasteten Metallspäne in Geesthacht wurde jetzt begonnen. Doch über die Art der Entsorgung gab es zunächst keine Informationen.
Der Verbleib der Späne, von denen 23.000 Tonnen auf dem Gelände des insolventen Unternehmens RES Oesterreich an der Steinstraße liegen, sei „für die Menschen nicht relevant“, erklärte der zuständige Projektleiter aus der Stadtverwaltung, Christian Schöning, am Freitag.
Seit einigen Tagen transportieren Lastwagen, die ein Ladevolumen von jeweils 18 Kubikmetern haben und die als Abfalltransporter extra gekennzeichnet sind, die verölten Metallspäne ab. Die Laster-Fahrer mussten sich schriftlich dazu verpflichten, nichts über das Ziel der Touren zu sagen.
Bisher hatte es immer geheißen, für die Metallspäne gäbe es verschiedene Möglichkeiten der Verwertung oder Deponierung. Man würde die Späne regelmäßig beproben, um die ideale Lösung in der Entsorgungsfrage zu finden. Doch wie die aussieht – darüber wird geschwiegen. „Ich bin zufrieden, wie es läuft“, ist alles, was Schöning zum Stand der Arbeiten auf den beiden verseuchten Grundstücken an der Steinstraße sagt.
Auch vom Ingenieurbüro IGB, das die Entsorgungsarbeiten im Auftrag von Stadt und Land koordiniert, gibt es keine Auskunft zu den Details des Projekts. Fakt ist, dass rund 3000 Laster-Touren nötig sind, um die brisante Altlast aus Geesthacht abzutransportieren.
Das Ziel der Giftlaster
Wohin die giftige Reise tatsächlich führt, hat unsere Zeitung am Freitag herausgefunden. Wir fuhren zwei dieser Lkw einfach hinterher. Die Fahrt geht über die Steinstraße, die Wärderstraße, den Schleusenkanal und die Bundesstraße 404 zur Autobahn 25 in Richtung Hamburg. Weiter rollen die schweren Lkw über die neuen Elbbrücken Richtung Süden, nehmen dann die Abfahrt Georgswerder und rollen über Veddeler Brückenstraße, Peutestraße und Georgswerder Damm in die Hovestraße. Dort ganz am Ende ist das Gelände der Firma TerraCon, die zur Eggers-Gruppe gehört und hier eine Abfallbehandlungsanlage betreibt. Dort wird die Ladung in eine der meterhohen überdachten Hallen gekippt. Das alles ist nicht wirklich spektakulär. Geheimnisvoll bleibt nur die Frage, warum in Geesthacht keiner davon wissen soll.
Bis zum Jahresende sollen die Metallspäne und sämtliche Gebäude von den beiden insgesamt 15.000 Quadratmeter großen Oesterreich-Grundstücken entfernt sein. Dann könnte hier ein erster Bauabschnitt der Hafencity realisiert werden. Auf einem dann hoffentlich sauberen Gelände, das den Steuerzahler fast 3,5 Millionen Euro gekostet hat.

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