16.04.10

Geesthachter Forscher

Die Folgen des Vulkanausbruchs

Geesthacht. Der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjalla hat in den vergangenen Tagen den Flugverkehr in vielen Ländern lahmgelegt. Grund ist eine riesige Wolke aus Lavaasche, die von der Atlantikinsel aus über Europa treibt. Von Karin Lohmeier

Satellitenbild Aschewolken von Vulkanausbruch auf Island
Foto: DPA Dieses Satellitenbild vom Luftraum über Europa mit Aschewolkenwurde wurde am Freitag (16.04.2010) um 12 Uhr deutscher Zeit aufgenommen. Der isländische Vulkan hat weiter riesige Mengen Asche in die Luft ausgestoßen. Nach der Farblegende zu dem Satellitenbild werden Staubpartikel in lila und pink, die speziellen Vulkanschepartikel hell orange dargestellt.
Geesthacht Küstenforscher
Foto: GKSS Dr. Volker Matthias, Physiker am Institut für Küstenforschung der GKSS: "Der Himmel ist nicht mehr blau, sondern milchig."

"Solche Vulkanausbrüche sind weltweit nicht so selten, aber in unserer Nähe schon. Und die vorherrschenden nordwestlichen Winde und die Zugbahn der Tiefdruckgebiete begünstigen die Ausbreitung in Richtung Südosten", sagt Dr. Volker Matthias, Physiker im GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht. Am Institut für Küstenforschung befasst er sich mit der Simulation von Aerosolausbreitungen (Feinstaub) in Europa.

Matthias: "So eine Wolke, wie sie jetzt über Europa liegt, ist ein wahrer Leckerbissen für die Wissenschaft, darauf wird sich ein ganzes Netzwerk von Klimaforschern stürzen." Am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg hat der Physiker selbst solche Wolken erforscht – mit sogenannten Lidar-Messungen.

Dabei wird Laserlicht in die Wolke geschickt, von den Partikeln darin reflektiert und mit empfindlichen Detektoren wieder aufgefangen. "So kann man feststellen, wo sich die Wolke genau befindet und wie sie sich entwickelt", erklärt der Physiker. Bei der GKSS erforscht er mehr die Feinstäube in Bodennähe und ihre Auswirkung auf den Menschen, zurzeit läuft ein Projekt zum Beitrag des Schiffsverkehrs.

Teilchen, die beim Ausbruch des Vulkans Eyjafjalla ausgestoßen wurden, können durch den Wind Tausende von Kilometern transportiert werden, so Matthias. Doch nur wenn sie in eine Höhe von mehr als zehn Kilometern gelangen, also in die Stratosphäre, werden sie Auswirkungen auf das weltweite Klima haben. "Das war zuletzt 1991 beim Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen so. "Damals schwächten die Teilchen die Sonneneinwirkung auf die Erde ab, die Temperatur sank weltweit um etwa ein halbes Grad. Vom Eyjafjalla ausgestoßene Teilchen sind bisher aber nur in eine Höhe von fünf bis sechs Kilometern gelangt. Darum rechnet Dr. Volker Matthias damit, dass sie schon in den nächsten Tagen herunterfallen oder durch Regen ausgewaschen werden. "Im Wesentlichen handelt es sich dabei um Asche und Schwefeldioxidgas", so der Physiker.

Möglicherweise hinterlässt der Regen dann schwarze Flecken oder rote wegen des Eisengehaltes. Matthias: "Das muss aber nicht unbedingt bei uns passieren." Auch am Himmel ist das Phänomen möglicherweise zu sehen. Er ist dann nicht blau, sondern weißlich oder milchig. "Das können aber nur geübte Beobachter von einer dünnen Cirruswolkendecke unterscheiden", erklärt der Physiker.

Auswirkungen auf das Weltklima befürchtet er zurzeit nicht – es sei denn, es kommt zu einer neuen, noch stärkeren Eruption am Eyjafjalla, die Teilchen bis in die Stratosphäre schleudert. Matthias: "Meistens ist die erste Eruption die stärkste, danach hat sich der Druck abgebaut."

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