Börnsener Bürgerhaus
Warten auf das Sonnenkraftwerk
Dienstag, 16. März 2010 18:51
- Von Kai Gerullis
Börnsen. Das Dach ist gen Süden ausgerichtet, kein Baum wirft seinen Schatten auf die rund 280 Quadratmeter große Fläche. Für die Börnsener Grünen ideale Bedingungen, eine riesige Solaranlage auf dem Dach des Bürgerhauses zu installieren.
„Der Platz reicht aus, um Photovoltaikmodule aufzubauen, die eine Ertragsleistung von 29 Kilowatt peak (kWp) und mehr liefern“, sagt Klaus Tormählen aus der Grünenfraktion der Gemeindevertretung. Eine Leistung, mit der theoretisch der Strombedarf von zehn Einfamilienhäusern gedeckt werden könnte. Doch obwohl mittlerweile seit einem Jahr über das Sonnenkraftwerk auf dem Bürgerhaus diskutiert wird, ist völlig unklar, ob und wann die ersten Module auf dem Dach montiert werden.
„Am Anfang wurde die Idee durch Bürgermeister Walter Heisch abgetan, weil die Statik des Daches angeblich nicht ausreicht“, sagt Tormählen. Nachprüfen konnte das auf die Schnelle niemand – weder in der Gemeinde noch im Amt Hohe Elbgeest war der Bauplan des Bürgerhauses auffindbar. Erst im Kreis wurde man fündig. „Ein Statiker bescheinigte die Tragfähigkeit. Er hat sich sogar im Dach selbst davon überzeugt“, so Tormählen. Doch kaum war ein Problem beseitigt, bremste ein neues die Solaranlage aus: Aufgrund der schwierigen Kassenlage der Gemeinde würde die Kommunalaufsicht keinen Kredit genehmigen. „Doch mittlerweile haben wir Angebote von Banken, die eine Finanzierung ohne Vorleistung der Gemeinde anbieten“, sagt Tormählen. Die Tilgung würde ausschließlich aus dem Betrieb der Anlage finanziert. „Dazu würde sogar noch monatlich ein Plus an die Gemeinde abfallen.“
Doch die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam, deshalb ist das Dach des Bürgerhauses weiterhin nackt. Seit Mitte Januar liegen die Finanzierungsvorschläge für das 100.000 Euro teure Projekt in der Kämmerei des Amtes. „Wir haben gerade die Auskunft der Kommunalaufsicht bekommen, dass man den Antrag wohlwollend prüfen würde, wenn wir Wirtschaftlichkeit nachweisen“, so Kämmerer Ingo Jäger. „Und in Hohenhorn und Escheburg haben wir bereits vergleichbare Anlagen, die eine Wirtschaftlichkeit bestätigen.“ Nun müsse die Gemeinde einen formellen Antrag stellen, weitere Zeit geht ins Land – und die kann zu Einbußen führen: Denn voraussichtlich sinkt von Juli an die Vergütung für eingespeisten Strom um 16 Prozent. „Das würde einer Mindereinnahme von 1500 Euro pro Jahr nach sich ziehen“, so Tormählen. „Das ist ärgerlich. Besonders, weil wir das Gefühl haben, dass das Verfahren bewusst verzögert wurde.“



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