Krümmel
Atomkraftgegner: „Das längste Plakat der Welt“
Sonntag, 7. März 2010 19:24
- Von Timo Jann
Geesthacht. Das Kraftwerk Krümmel steht weiterhin still – nun schon seit Juli 2009. Doch es ist trotzdem Ziel von Atomkraftgegnern. Denn sie fordern, dass der weltweit größte Siedewasserreaktor des Energiekonzerns Vattenfall für immer ausgeschaltet bleibt.
Am Sonnabend kamen gut 50 Atomkraftgegner nach Krümmel, um dort den Zaun mit vielen Transparenten zu behängen. „Es ist wohl das längste Plakat der Welt“, freute sich Bettina Boll aus Geesthacht, die seit mehr als 20 Jahren auf die möglichen Gefahren der Kernenergie hinweist. Initiiert wurde die Plakat-Aktion vom Bündnis „Ausgestrahlt“. Die Plakate wurden unter anderem während einer Demonstration am 5. September in Berlin gestaltet. Jetzt ziehen sie durch Deutschland, sollen dort nach und nach andere Kernkraftwerke „umzingeln“.
1,5 Kilometer lang sollen die bereits vorhandenen Plakate eigentlich nach Angaben des Veranstalters aneinander gereiht sein. Doch offenbar wurden am Sonnabend nicht alle am Krümmeler Kraftwerkszaun angebracht. Denn es wurde nur ein Bruchteil des um das Werksgelände verlaufenden Zauns verhüllt. „Für uns ist das hier ohnehin nur der Auftakt zu der großen Menschenkette, mit der wir uns zwischen den Kraftwerken Krümmel und Brunsbüttel als Zeichen des Protestes aufstellen wollen“, sagte Bettina Boll.
Die Aktion ist für Sonnabend, 24. April, geplant. Um Punkt 14.30 Uhr soll die Menschenkette stehen – auf einer Länge von 120 Kilometern, unter anderem auch in Hamburg, Pinneberg und Glückstadt. „Mir würde es schon reichen, wenn wir hier vor Ort, von Geesthacht bis Bergedorf, eine Menschenkette schaffen, um ein Zeichen des Widerstands zu setzen“, erklärte Bettina Boll. Dazu müssten sich mehr als 10.000 Menschen dem Protest allein auf dieser rund 15 Kilometer langen Strecke anschließen.
Die Atomkraftgegner fürchten, dass nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai die Verhandlungen zur Zukunft der Atomkraft in Berlin richtig starten. Deshalb wollen sie der schwarz-gelben Koalition in Berlin zeigen, dass es Menschen gibt, die die deutschen Atomkraftwerke ausgeschaltet wissen wollen. „Es ist an der Zeit, ein spektakuläres Zeichen an die Adresse der Bundesregierung und der Stromkonzerne zu senden“, findet Bettina Boll.
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