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Diese Frauen wurden übel abgezockt

Geesthacht. Die Bürgerinformation der Stadt Geesthacht ist eine Infobroschüre, in der sich die Stadt vorstellt. Adressen, Ansprechpartner und Termine sind hier abgedruckt.
Betrug mit Geesthachter Bürgerbuch
Foto: Kim Nadine Meyer
Kerstin Zürn (vorn) und Veronika Obereichholz-Bangert von der Diakonie-Sozialstation in Kröppelshagen fühlen sich böse getäuscht. Sie gaben knapp 900 Euro für eine Anzeige aus, die nie dort erschien, wo sie dachten.
Das Heft ist bei lokal ansässigen Betrieben und Einrichtungen als Werbeträger beliebt. Die Alarmglocken sollten allerdings läuten, wenn per Telefon Anzeigenplätze in einer „Bürgerbroschüre“ verkauft werden. Denn hier handelt es sich nicht um ein Heft der Stadt. Vielmehr versuchen Firmen, mit zweifelhaften Methoden Anzeigenkunden zu werben.
Die Diakonie-Sozialstation in Kröppelshagen ist in eine solche Anzeigenfalle getappt. „Wir wollten in der städtischen Broschüre werben“, sagt Veronika Obereichholz-Bangert, Pflegedienstleiterin der Station. „Als ich einen Anruf erhielt, bei dem die Firma WVM mir eine Anzeige in der Bürgerbroschüre anbot, sagte ich deshalb zu.“ Auf Nachfrage habe der Werbeverlag angegeben, dass die Broschüre etwa in Krankenhäusern und im Rathaus in Geesthacht ausgelegt werde. Ein Vertreter der Firma kam vorbei und verkaufte Obereichholz-Bangert ein Inserat zum stolzen Preis von 892,50 Euro. Zwar wurde die Frau stutzig, weil die Firma WVM ihren Sitz in Mönchengladbach hat. Als ihr allerdings versichert wurde, dass die Broschüre für die Region Geesthacht sei, war sie überzeugt. Das war im Oktober. Bisher ist keine Bürgerbroschüre erschienen, sondern ein Ratgeber für Eltern mit dem Titel „Kinder sind unschlagbar“ – mit Anzeige der Diakonie.
„Der Vertreter hatte mir erzählt, dieses Heft würde zusätzlich erscheinen. Die Anzeige darin sei kostenlos“, so Obereichholz-Bangert. Liest man aber im Anzeigenvertrag nach, stellt sich heraus, dass nur diese Broschüre erscheinen wird. Obereichholz-Bangert fühlt sich getäuscht, hat das Heft „Kinder sind unschlagbar“ auch noch nirgends ausliegen sehen. Zu allem Überfluss klingelt nun auch noch laufend das Telefon: „Eine weitere Firma mit Namen Avus will einen Folgeauftrag abschließen.“
Ralf Kufner, Geschäftsführer bei WVM, zeigte sich auf Nachfrage unserer Zeitung vom Ärger von Obereichholz-Bangert überrascht: „Die Kunden wissen, dass es sich bei unserer Broschüre nicht um ein Heft der Stadt handelt, das lassen wir uns sogar schriftlich bestätigen. Und mit der Firma Avus haben wir nichts zu tun.“
Der Hamburger Rechtsanwalt Jochen Seeholzer kennt solche Fälle. Er hat bereits gegen Avus und WVM prozessiert. „WVM, Mönchengladbach, und AVUS, Magdeburg, gehören rechtlich nicht zusammen. Meine Hypothese: Diese Firmen stehen in Kontakt.“ Zu oft komme es vor, dass Betroffene von beiden erwähnten Firmen und sogar weiteren angesprochen werden. Meistens fange WVM an, Anzeigen für eine Bürgerbroschüre zu werben. Seeholzer: „Nach einem Monat kommt eine ‚neue Firma’ und bezieht sich auf das vorhergehende Angebot.“ Die Broschüren werden meist zwar gedruckt. „Ob sie aber verteilt werden, kann von den Firmen oft nicht in ausreichendem Maß nachgewiesen werden“, so der Anwalt.
Seeholzer empfiehlt Betroffenen, einen Anwalt einzuschalten. Wichtig sei, nicht lang zu zögern, um rechtliche Fristen einzuhalten.
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