Abriss für Neubau
„Tresorknacker“ mit 450 PS
Donnerstag, 24. September 2009 18:07
- Von Timo Jann
Geesthacht. Wie eine Schere durch Papier knabbert sich die gewaltige hydraulische Kneifzange von Angelo Chatzopulos voran. Der 45-Jährige bedient sie mit den Joysticks in der Kabine seines 450 PS starken Baggers wie kleine Kinder ihren Gameboy.
Stück für Stück bricht Mauerwerk in sich zusammen, legt der Baggerfahrer Fensterflügel und Heizkörper zur Seite, zerbröselt 40 Jahre alten Stahlbeton.
Chatzopulos und seine Kollegen André Verfürth (44) und Nusret Spahik (36) zerlegen die alte Filiale der Kreissparkasse an der Bergedorfer Straße58 in ihre Einzelteile. Nicht wie wild mit der Abrissbirne, sondern wie Filigrantechniker. Selbst die dünnen Lagen Dachpappe des Flachdachs der ehemaligen Kundenhalle hat Verführt Lage für Lage abgeschält. „Wir sortieren den Schutt gleich an Ort und Stelle in verschiedene Container, weil das später die Entsorgung vereinfacht“, erklärt der 44-Jährige aus Greven bei Boizenburg.
Europaweit hat der Baggerfahrer schon alte Gebäude abgerissen. Seit vier Wochen ist er nun in Geesthacht aktiv. „Die Baustelle hier ist schon etwas Besonderes. Wir haben nicht viel Platz, müssen direkt an einer Fußgängerzone ein viergeschossiges Gebäude so abreißen, dass dabei nichts schief geht“, sagt er. Deshalb hat die Kreissparkasse die Experten der Hamburger Abrissfirma WIWA Wilko Wagner beauftragt.
Etwa 2500 Kubikmeter Bauschutt fallen bei dem Abriss an. Die alte Kundenhalle wurde bereits dem Erdboden gleich gemacht, jetzt ist das Hauptgebäude an der Reihe. „Da gibt es oben im Dachgeschoss noch einen großen Stahlträger, der bereitet uns noch Kopfschmerzen, aber auch den holen wir auf den Boden“, sagt Chatzopulos. Sein Kollege Spahik hat die jeweils rund fünf Tonnen schweren Teile schon mit einer hydraulischen Schere so zerkleinert, dass sie in Container passen. Im Wiershoper Abfallwirtschaftszentrum der Buhck-Gruppe werden die mit den Containern abgefahrenen Trümmer später recycelt und deponiert.
Kompliziert wird es für die Abriss-Profis noch, wenn sie die Kellerdecke aufgebrochen haben. Darunter wartet der Tresorraum mit überdimensionalen Stahlbetonwänden.
Damit die Nachbarn möglichst wenig belästigt werden, haben die drei Baggerfahrer zwei Helfer. Die versuchen, den Staub der zerbröselnden Bausubstanz mit Hilfe eines Wasserstrahls möglichst niederzuschlagen. Am Greifarm von Chatzopulos’ 60-Tonnen-Bagger gibt es sogar zwei Wasserdüsen, die den Staub befeuchten. Schon in der kommenden Woche wird von dem alten Gebäude oberirdisch nicht mehr viel übrig sein. Dann muss noch der Keller ausgehöhlt und aufgeräumt werden. Denn schon im Oktober soll es mit dem eigentlichen Neubau losgehen. Zunächst werden mit Hilfe eines Bohrfahrzeugs entlang der Grundstücksgrenze an Bergedorfer Straße und Bohnenstraße Spundwände für die Baugrube in den Boden gebracht, dann wird gebaggert. Im Frühjahr soll der Grundstein gelegt werden, der Einzug der Kreissparkasse und weiterer Nutzer und Bewohner ist für Frühjahr 2012 geplant. Insgesamt kostet das Projekt 20 Millionen Euro.
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