AKW Krümmel
Atomaufsicht war über Pannen direkt informiert
Dienstag, 22. September 2009 20:22
- Von Kai Gerullis
Geesthacht. Das Aufsichtsamt von Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) soll im Juli doch unmittelbar über die Schnellabschaltung des Reaktors im Atomkraftwerk Krümmel informiert worden sein - und nicht, wie damals behauptet, mit zeitlicher Verzögerung.

Foto: DPA
Gitta Trauernicht (SPD)ist die ehemalige Sozialministerin der großen Koalition in Kiel.
Als das Atomkraftwerk Krümmel am 4. Juli um 12.02 Uhr nach einem erneuten Trafo-Kurzschluss vom Netz ging, stürzte die Schnellabschaltung den Norden ins Chaos: In Hamburg fielen Tausende Ampeln aus, Wasserpumpen versagten ihren Dienst. Schritt für Schritt kam an den folgenden Tagen auch ein Chaos in der Kommunikation zwischen Betreiber Vattenfall und der Atomaufsicht in Kiel ans Licht. Das Aufsichtsamt von Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) hörte demnach angeblich zunächst über die Polizei von dem Zwischenfall, ehe Vattenfall sich selbst meldete. Unter anderem diese Umstände entfachten die Diskussion um den weiteren Betrieb des Geesthachter Meilers.
Eine Stellungnahme des Sozialministeriums, die dieser Tage im Rathaus eingegangen ist, verleiht den Vorgängen nun eine andere Lesart. Demnach schreibt das Kieler Ministerium auf Nachfrage des Geesthachter Fachdienstes Umwelt, dass die Atomaufsicht zu jeder Zeit über die Schnellabschaltung des Reaktors informiert war – ohne die vielfach genannte zeitliche Verzögerung von bis zu 40 Minuten. Demnach sei an diesem Sonnabend die Kraftwerksfernüberwachung, an der die Atomaufsicht jederzeit wichtige Daten des Reaktors ablesen kann, vollständig in Betrieb gewesen. „Die Verfügbarkeit der Datenerfassung betrug im Juli 2009 100 Prozent“, heißt es in dem unserer Zeitung vorliegenden Papier. Anhand zweier Parameter wurde auch die Reaktorschnellabschaltung in Kiel erkannt. „Diese Parameter standen der Aufsicht auch im Juli 2009 zur Verfügung und wurden zur Bewertung der Situation herangezogen“, heißt es in dem Schreiben weiter.
Der Bedarf zur Aufklärung der Vorgänge rund um die Pannen ist offenbar groß. Derzeit laufen in Kiel sowie vor Ort in Krümmel umfangreiche Untersuchungen, um die Abläufe und ihre Auslöser genau zu untersuchen.
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