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Greenpeace: Atom-Unfall bedroht die ganze Region

Geesthacht. Bei einem schweren Reaktorunfall im Atomkraftwerk Krümmel müsste das Hamburger Stadtgebiet binnen drei Stunden evakuiert werden. Das geht aus neuen Ausbreitungsrechnungen hervor, die die Umweltschutzorganisation Greenpeace in Auftrag gegeben hat.
Das Szenario: In 94 Minuten erreicht die Atomwolke Hamburg. In Schwerin, der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, ist sie nach etwas mehr als drei Stunden.
Foto: greenpeace
Das Szenario: In 94 Minuten erreicht die Atomwolke Hamburg. In Schwerin, der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, ist sie nach etwas mehr als drei Stunden.
Prof. Oda Becker, Physikerin an der Fachhochschule Hannover, hatte solche Untersuchungen auch schon für die Reaktoren in Biblis und Brunsbüttel gemacht. Nach ihren Berechnungen für Krümmel wäre Hamburgs Bevölkerung nach einem Gau, ausgelöst durch einen Flugzeugabsturz oder Terroranschlag, einer tödlichen Dosis Radioaktivität ausgesetzt. Unmittelbar gefährdet wäre auch die Bevölkerung in Teilen von Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg.
„Bisher ist man davon ausgegangen, dass man nach einem Gau in Krümmel bis zu 20 Stunden Zeit hätte, die Bevölkerung zu evakuieren“, sagt Heinz Smital, Atomexperte von Greenpeace. Nach den neuen Berechnungen, die mithilfe von Computerprogrammen erfolgten, hätte eine radioaktive Wolke schon nach eineinhalb Stunden Hamburg erreicht, hätte sich nach weiteren eineinhalb Stunden über der Stadt verbreitet. „Die Belastung erfolgt demnach sehr schnell über die Atemluft, das wurde bisher unterschätzt“, so Smital. Dabei ging Greenpeace noch vom günstigeren Fall – ohne Regen – aus. Und: Auch geschlossene Räume bieten keinen ausreichenden Schutz. In Hamburg würde, so Oda Becker, eine Strahlung von 2000 Millisievert ankommen, im geschlossenen Raum wäre immer noch rund ein Drittel in der Luft. „Ab einer Dosis von 7000 Millisievert liegt die Sterblichkeitsrate bei nahezu 100 Prozent“, macht Smital deutlich. Schon bei 100 Millisievert erleiden Menschen akute Strahlenschäden, so Smital. Ab 500 Millisievert ist das Blutbild verändert, 1000 bis 2000 Millisievert haben bei 20 Prozent der Menschen eine unmittelbare tödliche Wirkung.
„Das liegt weit über dem Maß, wo man nach besagten drei Stunden bereits evakuiert haben müsste“, sagt Smital. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt die natürliche Strahlenbelastung, je nach Wohnort, zwischen knapp zwei bis zehn Millisievert (Feldberg/Schwarzwald) – allerdings im Jahr.
Greenpeace fordert die endgültige Stilllegung des Atomkraftwerks Krümmel, hat bereits am 11. August bei der Kieler Atomaufsicht den Widerruf der Betriebsgenehmigung für den Energiekonzern Vattenfall beantragt. Sollte das von Christian von Boetticher (CDU) geführte Sozialministerium den Antrag ablehnen oder verschleppen, will Greenpeace Klage vorm Verwaltungsgericht Schleswig-Holstein erheben.
In Hamburg bestehen bislang konkrete Evakuierungspläne nur innerhalb des bundesweit definierten Zehn-Kilometer-Radius um Atomkraftwerke. „In den Vierlanden gelten die Pläne für Altengamme östlich des Gammer Wegs, dort leben etwa 1500 Menschen“, sagt Christian Fröhling, Katastrophenschutzexperte im Bezirk Bergedorf. Die letzte Rahmenübung für diesen Ernstfall ist 2005 über die Bühne gegangen, Sturmfluten werden dagegen jährlich geprobt. Die Verantwortung liegt bei den Betreiberländern der jeweiligen Atomkraftwerke. Fröhling: „Sie definieren jeweils die Lage für die Übungen.“kl

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1 Kommentar
mario meint:
oh no

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