Krümmel
AKW entzweit die Geesthachter
Sonntag, 12. Juli 2009 21:07
- Von Timo Jann und Karin Lohmeier
Geesthacht. Bei der Infoveranstaltung von Vattenfall gab es Streit unter den Besuchern. Die Bürgerinitiative demonstrierte am Sonntag auf und an der Elbe.
Auch an diesem Wochenende hat das Kernkraftwerk Krümmel viele Geesthachter wieder beschäftigt. Am Freitagabend ging es in der Ratsversammlung um einen Dringlichkeitsantrag der Grünen, am Sonnabend hatte der Betreiber Vattenfall zum Gespräch eingeladen und am Sonntag demonstrierten Atomkraftgegner auf und an der Elbe.
Nur 50 Interessierte waren der Einladung von Vattenfall ins Infozentrum gefolgt, darunter vor allem Vertreter verschiedener Bürgerinitiativen und Politiker von Stadt, Kreis und Land. Ernst Michael Züfle, Geschäftsführer der Atomsparte von Vattenfall, erklärte, was am 4. Juni zur Schnellabschaltung des Reaktors geführt hatte. Wie berichtet, hatte es in einem der beiden Trafos einen Kurzschluss gegeben. Deshalb konnte der erzeugte Strom nicht mehr abgegeben werden, die Leistung musste zurückgefahren und der Reaktor abgeschaltet werden.
Bis hierhin herrschte unter den Zuhörern noch Einigkeit, doch dann gerieten die Besucher im Infozentrum verbal heftig aneinander. Anwohnerin Angelika Siems etwa protestierte, als Atomkraftgegner wie Bettina Boll einen massiven Fragenkatalog starteten. Eine „fanatische Hetzjagd“ warf Siems ihnen vor. Auch Sven Minge blieb nicht ruhig, als die Leukämiefälle angesprochen wurden. „Ihr dreht euch das doch so, wie es gerade passt, heute ist mal Krümmel schuld, nächstes mal wieder das Geheimlabor“, regte er sich auf. Züfle blieb ruhig, bedauerte die Leukämiefälle. Er ist selbst Vater dreier Kinder.
Züfle versicherte immer wieder, dass man alle Hintergründe der technischen Probleme genau erforschen werde. Er stellte aber auch klar, dass man wieder ans Netz wolle, wenn alles repariert ist. „Wir hatten vor dem Wiederanfahren die Genehmigung der Aufsichtsbehörde, dass unsere Anlage okay ist“, erklärte er. Und: „Ich bin überzeugt, dass wir die Anlage sicher betreiben können.“ Betroffen sei mit dem Trafo zudem ein Bauteil, das keinerlei Funktion im kerntechnischen Bereich habe. „Es bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Bevölkerung“, so Züfle.
Das sehen die Atomkraftgegner, die am Sonntag vor dem Kraftwerk demonstrierten, anders. Etwa 60 Mitglieder der Bürgerinitiative gegen Atomanlagen Uelzen, an Land unterstützt von Geesthachtern, versenkten von Kanus und Kajaks aus 19 Steine vor dem Kühlwasserauslauf – als Symbole für die 19 Leukämie-Fälle im Umkreis des Meilers. „Das Unternehmen Vattenfall hat gezeigt, dass es als Betreiber nicht geeignet ist“, sagte BI-Sprecher Bernd Ebeling. Das Atomkraftwerk Krümmel müsse nun ein für alle Mal stillgelegt werden.
Bergedorfer Zeitung Online
- Thema schaffte es nicht auf die Tagesordnung
- Geesthachter und Greenpeace klagen gegen Atomaufsicht
- Kraftwerk Krümmel endgültig abschalten
- Das AKW und die Geesthachter
- BI Leukämie stellt neue Meta-Analyse vor
- Léon – ein quietschlebendiger Junge
- CDU kritisiert Ministerium
- Krümmel: Schwarz-Gelb gegen Kernkraftkritiker
- 30 Millionen Euro fürs AKW
- Notfall am Atomkraftwerk
- Das AKW und die Geesthachter
- Krümmeler Posen und Positionen
- Greenpeace: Atom-Unfall bedroht die ganze Region
- AKW trotz Bedenken angefahren?
- Minister verstärkt Druck auf Vattenfall
- Krümmel: Umweltschützer wollen vor Gericht ziehen
- Sicherheitskonzept nicht umgesetzt - Neue Vorwürfe gegen Vattenfall
- Brennelement versetzt
- Vattenfall hat Vertrauen verspielt
- AKW-Mitarbeiter stellen sich hinter ihren Ex-Chef
- Platzverweis für Krümmel-Gegner
- Krümmel: Defekter Trafo abtransportiert
- Atomaufsicht war über Pannen direkt informiert
- Zweiter Krümmel-Trafo abtransportiert
- Auf Monate außer Betrieb
- Aus für Krümmel? Vattenfall unter Druck
- Zwischen Wut und Ratlosigkeit
- Ketten gegen Krümmel
- Was wird aus Krümmel?
- Friedlicher Protest gegen AKW Krümmel
- 30 Stunden Mahnwache am Atomkraftwerk
- Turbine defekt: Krümmel schon wieder vom Netz
- Trittin: Krümmel nach neuem Defekt vom Netz
- AKW läuft wieder
- Krümmel: Schritt für Schritt geht es zurück ans Netz
- Leukämie: Experte spricht Krümmel frei
- Krümmel soll im Sommer ans Netz
- Tausendfacher Protest gegen AKW-Neustart
- Leukämie-Fall: Kritiker fordern Krümmel-Aus
- Neuer Fall von Leukämie - Mädchen (9) erkrankt
- Stillgelegtes AKW unter der Lupe
- Kritik an Atomaufsicht
- Vattenfall klagt gegen Atomaufsicht
- Streit um Stimmenrecorder
- Neue Klage gegen Krümmel
- Front gegen Pannenreaktor wird immer breiter
- Fotoserie: Störfälle in Krümmel: Hier sprechen die Bürger
Artikelkommentare abonnieren
Kommentar abgeben
Noch kein Kommentar abgegeben



Abo
Printarchiv
Leserbrief
Kontakt
Gastro-Tipps
Preisvergleich
Leserreisen
Versicherungscheck
Energievergleich
Immobiliensuche












