Schriftgröße: A A A
Logo der Bergedorfer Zeitung
http://www.bergedorfer-zeitung.de/geesthacht/article36860/AKW_entzweit_die_Geesthachter.html
Link in E-Mail oder Instant-Message einfügen close

AKW entzweit die Geesthachter

Geesthacht. Bei der Infoveranstaltung von Vattenfall gab es Streit unter den Besuchern. Die Bürgerinitiative demonstrierte am Sonntag auf und an der Elbe.
Zurück Bild 1 von 2 Weiter
Gee Proteste gegen Akw Krümmel
Foto: Karin Lohmeier
Als Symbole für die 19 Leukämie-Fälle im Umkreis von Krümmel versenken Atomkraftgegner von Booten aus 19 Steine in der Elbe.
Auch an diesem Wochenende hat das Kernkraftwerk Krümmel viele Geesthachter wieder beschäftigt. Am Freitagabend ging es in der Ratsversammlung um einen Dringlichkeitsantrag der Grünen, am Sonnabend hatte der Betreiber Vattenfall zum Gespräch eingeladen und am Sonntag demonstrierten Atomkraftgegner auf und an der Elbe.
Nur 50 Interessierte waren der Einladung von Vattenfall ins Infozentrum gefolgt, darunter vor allem Vertreter verschiedener Bürgerinitiativen und Politiker von Stadt, Kreis und Land. Ernst Michael Züfle, Geschäftsführer der Atomsparte von Vattenfall, erklärte, was am 4. Juni zur Schnellabschaltung des Reaktors geführt hatte. Wie berichtet, hatte es in einem der beiden Trafos einen Kurzschluss gegeben. Deshalb konnte der erzeugte Strom nicht mehr abgegeben werden, die Leistung musste zurückgefahren und der Reaktor abgeschaltet werden.
Bis hierhin herrschte unter den Zuhörern noch Einigkeit, doch dann gerieten die Besucher im Infozentrum verbal heftig aneinander. Anwohnerin Angelika Siems etwa protestierte, als Atomkraftgegner wie Bettina Boll einen massiven Fragenkatalog starteten. Eine „fanatische Hetzjagd“ warf Siems ihnen vor. Auch Sven Minge blieb nicht ruhig, als die Leukämiefälle angesprochen wurden. „Ihr dreht euch das doch so, wie es gerade passt, heute ist mal Krümmel schuld, nächstes mal wieder das Geheimlabor“, regte er sich auf. Züfle blieb ruhig, bedauerte die Leukämiefälle. Er ist selbst Vater dreier Kinder.
Züfle versicherte immer wieder, dass man alle Hintergründe der technischen Probleme genau erforschen werde. Er stellte aber auch klar, dass man wieder ans Netz wolle, wenn alles repariert ist. „Wir hatten vor dem Wiederanfahren die Genehmigung der Aufsichtsbehörde, dass unsere Anlage okay ist“, erklärte er. Und: „Ich bin überzeugt, dass wir die Anlage sicher betreiben können.“ Betroffen sei mit dem Trafo zudem ein Bauteil, das keinerlei Funktion im kerntechnischen Bereich habe. „Es bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Bevölkerung“, so Züfle.
Das sehen die Atomkraftgegner, die am Sonntag vor dem Kraftwerk demonstrierten, anders. Etwa 60 Mitglieder der Bürgerinitiative gegen Atomanlagen Uelzen, an Land unterstützt von Geesthachtern, versenkten von Kanus und Kajaks aus 19 Steine vor dem Kühlwasserauslauf – als Symbole für die 19 Leukämie-Fälle im Umkreis des Meilers. „Das Unternehmen Vattenfall hat gezeigt, dass es als Betreiber nicht geeignet ist“, sagte BI-Sprecher Bernd Ebeling. Das Atomkraftwerk Krümmel müsse nun ein für alle Mal stillgelegt werden.

Bergedorfer Zeitung Online

Noch kein Kommentar abgegeben

Onlineanzeigenannahme
nach oben
© Bergedorfer Zeitung 2008