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Vattenfall hat Vertrauen verspielt

Geesthacht. Der Stromkonzern Vattenfall hat nach der Trafo-Panne im Atomkraftwerk Krümmel vom Sonnabend weitere Details zu einem Schaden innerhalb des Reaktors mitgeteilt.
Pressekonferenz Vattenfall - Hatakka und Züfle
Foto: DPA
Der Geschäftsführer von Vattenfall Europa Ernst Michael Züfle (links) und der Vorstandschef der Vattenfall Europa AG, Tuomo Hatakka, während der Pressekonferenz in Berlin. Sie gestehen Fehler ein, zweifeln jedoch nicht an der Sicherheit von Krümmel.
Mindestens ein defekter Brennstab sei entdeckt worden, erklärte der Betreiber am Donnerstag in Berlin. Wie unsere Zeitung bereits am Montag berichtete, hatte sich nach dem Ausfall des Trafos und der Schnellabschaltung des Kraftwerks die Radioaktivität im Reaktorwasser erhöht. Außerdem kam es zu Problemen bei der Kühlung des Reinigungssystems. Dies hatte Vattenfall am Sonntag auch schon mitgeteilt.
Vattenfall-Vorstandschef Tuomo Hatakka hält jedoch an dem Meiler in Geesthacht fest: „Krümmel ist sicher“, sagte er. Dabei steht der schwedische Energiekonzern jetzt auch in seinem Heimatland in der Kritik: Seit Anfang des Jahres gab es im schwedischen Kernkraftwerk Ringhals rund 60 Zwischenfälle, davon zwei der höchsten Gefahrenstufe. Die Anlage wurde unter verschärfte Aufsicht gestellt, die Atomaufsichtsbehörde bemängelte „Schwächen in Bezug auf Führung und Kontrolle, die Zurückverfolgung interner Entscheidungen sowie das Befolgen von Instruktionen“.
In Krümmel will Vattenfall am Freitag, 9. Juli, den Reaktordeckel öffnen, um nach dem beschädigten Brennstab zu suchen, kündigte der Geschäftsführer der Nuklearsparte, Ernst Michael Züfle an.
Jedes der 840 wabenförmigen Brennelemente in Krümmel enthält je nach Typ rund 80 Brennstäbe. Von den insgesamt 80.000 Brennstäben seien möglicherweise „einige wenige“ defekt, so Züfle. Messungen hätten angezeigt, dass sich kleinste Teile im Reaktorwasser befinden, die die Kühlrohre beschädigen und kleinste Löcher verursachen. Dieses so genannte „Fremdkörperfretting“ soll künftig durch den Einbau zusätzlicher Filter verhindert werden.
Der Brennstabschaden habe aber nichts mit dem Trafo-Kurzschluss vom Wochenende zu tun. „Jetzt stehen alle Prozesse, technisch und organisatorisch auf dem Prüfstand“, versicherte Hatakka: „Wir haben keinen Grund, unsere Kompetenzen im Nuklearbereich infrage zu stellen.“
Die Vattenfall-Verantwortlichen wissen, dass sie wieder einmal viel Vertrauen verloren haben – und bemühen sich in ihrer Öffentlichkeitsarbeit um Schadensbegrenzung. Für Sonnabend laden sie zu einer Bürgerinformation in Geesthacht ein (10 Uhr im Infozentrum des Atomkraftwerks, Elbuferstraße 80).
Die Fraktion der Geesthachter Grünen hat für die nächste Ratsversammlung (Freitag, 10. Juli, 18 Uhr im Ratssaal, Markt 15) einen Dringlichkeitsantrag vorgelegt. Sie will erreichen, dass die Ratsversammlung die Wiederinbetriebnahme Krümmels ablehnt.“

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